
Die Ärzte sind rockbar!
"Ausverkauft!" Dieses Wörtchen begegnet einem öfter, wenn man ein Ticket für ein Konzert der Ärzte haben will. Die ersten Termine der Ärzte-Tour waren sogar so schnell ausverkauft, dass sie direkt ein paar Zusatzkonzerte buchen mussten. Zurzeit sind die legendären Punkrocker aus Berlin mit ihrem aktuellen Album "auch" unterwegs. Gestern war der Tour-Start im Norden in der TUI-Arena Hannover – und N-JOY Reporter Matthes Köppinghoff hat mit gerockt.
Schon verrückt: Das Zusatzkonzert findet einen Tag vor dem eigentlichen Konzert statt. Grund dafür ist natürlich der volle Terminkalender der Ärzte im Rahmen ihrer "Das Ende ist noch nicht vorbei Tour 2012". Sie lassen es sich nicht nehmen, ihren Ruf als "beste Band der Welt" unter Beweis zu stellen. Dieser Gig war auch schon lange vorher ausverkauft, und schon bei der Anfahrt nach Hannover wird mir klar: Ich falle hier ganz schön auf, so ganz ohne Ärzte-T-Shirt. Die Fans sind bunt gemischt: Es sind sowohl brav angezogene Eltern mit Kindern da, als auch Punks der ersten Stunde – sogar ein paar "Irokesen" laufen rum. Und die meisten haben eben ein Ärzte-Shirt an.
"Hier ist sie: Die beste Band der Welt!"
Um kurz vor halb neun ist die Bühne noch in einem roten Samtumhang gehüllt – das sieht jetzt schon stark aus. Dann ertönt eine Stimme und kündigt sie an: "Hier ist sie, die beste Band der Welt!" Der Vorhang fällt, und die Ärzte rocken mit "Ist das noch Punkrock?" vom neuen Album los. Erst jetzt erkenne ich: Die Bühne ist riesig! Links steht Gitarrist Farin Urlaub, rechts Bassist Rodrigo Gonzalez, in der Mitte thront Schlagzeuger Bela B.. Er ist einer der wenigen Drummer, der im Stehen Schlagzeug spielt – und das sieht schon witzig aus, wie er so im Stehen auf sein Instrument drischt!
Es gibt nur einen Gott – Belafarinrod
Auch die Lightshow hat es in sich: Es gibt kleinere Leinwände am Rand, eine riesige im Hintergrund, und Videowürfel runden das Ganze ab. Was leider nicht so toll ist, ist der Sound. Die ersten Songs versteht man kaum, ich habe schon große Mühe, "Bettmagnet" und "Tamagotchi" von der neuen Platte aus dem Soundmatsch heraus zu hören. Aber wer vielleicht schon mal auf einem Ärzte-Konzert war oder davon gehört hat: Die lustigen Ansagen und spontanen Einlagen sind mindestens genauso wichtig wie die Songs. Und von denen haben "Belafarinrod" genug im Gepäck: Es vergeht kaum eine Pause ohne Witz und Klamauk. Farin fordert unter anderem die Menge auf, mit den Armen mal einen "Kranich" zu machen – oder einen "zahmen Tiger". Der Tiger und das dazugehörende "Mauz" wird alle Konzertbesucher noch bis zum Ende des Abends verfolgen.
Mosh Pit, Circle Pit und Wall Of Death
Und wenn die drei Doktoren mal nicht quatschen, dann machen sie weiter Musik. Bei den Hits "Hurra", "Unrockbar" oder "Schunder-Song" ist natürlich am meisten los. Bei den richtig harten Songs wundern sich einige Fans, was die anwesenden Ur-Punks vor ihnen so treiben: Direkt vor der Bühne bilden sie einen "Mosh Pit", einen "Circle Pit" oder eine "Wall Of Death": Im Mosh Pit hüpfen knapp tausend Fans rum, beim Circle Pit rennen sie hüpfend im Kreis, und bei der Wall Of Death bilden sie erst einen großen Kreis – und stürmen dann aufeinander zu. Das Ergebnis sieht schon toll aus.
Die Ärzte spielen drei Stunden – und über 35 Songs!
Nach knapp zwei Stunden geht die Band zum ersten Mal von der Bühne, das Publikum fordert aber natürlich noch Zugaben. Die gibt es auch – eine Stunde lang! Die Kurzfassung des Konzerts: Es dauert drei Stunden, und es werden über 35 Songs gespielt. Wow! Dabei gibt’s für die Fans sowohl Songs vom aktuellen Album, als auch ein Best-Of der zahlreichen Hits. Einige Besucher kommen jedoch mit den vielen Zugaben nicht zurecht: Die meisten denken, jetzt ist endgültig Schluss, und verpassen deswegen unter anderem das große Finale in Form des Hits "Zu Spät", der heute mal gefühlte 20 Minuten lang ist.
Das Fazit
Der Sound hat leider viel von dem Live-Erlebnis zunichte gemacht. Allerdings sind drei Stunden Konzert mehr als unüblich und sehr löblich, die meisten Fans gehen dementsprechend glücklich und verschwitzt nach Hause. Die Ärzte haben wieder mal bewiesen: Es gibt nur einen Gott, Belafarinrod!
Stand: 04.07.2012 07:45 Uhr
N-JOY 