Im Kunstcamp des Dockville Festival 2012 © NDR / fotografirma Fotograf: Philipp Szyza

Dockville – Kunst und Party united

von Sharon Welzel

Bei seinem Debüt 2007 war das Dockville noch eine ziemlich wilde Mischung aus Kunst und Musik. Schon bald habe man aber bemerkt, dass einem typischen Partypublikum nicht so einfach bildende Kunst unterzujubeln ist, sagt Jean Rehders einer der Organisatoren des Festivals. Und so ist daraus das Kunstcamp als mehrwöchige, eigenständige Veranstaltung entstanden. Dabei kommen unterschiedlichste Künstler zusammen und arbeiten gemeinsam mit Architekten und vielen Helfern mehrere Wochen auf einem Gelände, das ein bisschen so wirkt, als wäre man am Ende der Welt.

Schon seit zwei Wochen gibt es Programm auf dem Camp: Performances, Aktionen, DJ-Sets, Filme, Parties – das Dockville ist viel mehr als eine dreitägige Sause mit 25.000 Besuchern.

Die Künstler selbst sind noch früher angereist und so funktioniert das interne Kunstcamp als Experimentierfläche, Forschungsraum und Austauschzentrum.

Zwischen Partysause und Kunstgenuss

Bis dahin, war es allerdings ein weiter Weg. Auf jeden Fall, habe man erst einen Weg finden müssen, dieser besonderen Aufgabe gerecht zu werden: Passt das überhaupt zusammen? Laute Musik, Feierei und kontemplativer Kunstgenuss, bei dem man vielleicht auch mal Ruhe braucht, um eine Arbeit zu verstehen.

"Oh doch" finden die beiden Verantwortlichen Dorothee Halbrock und Susanne Schick. Beide haben Kulturwissenschaften in Lüneburg studiert und wissen mittlerweile genau, worauf es ankommt. Um die verschiedenen Anforderungen zu vereinen, setzen die beiden stark auf Interaktion, also auf künstlerische Arbeiten, bei denen man als Betrachter mit einbezogen wird oder sogar mitmachen kann.

Klanginstallation oder Klettergerüst? Beides!

Das Camp geht in diesem Jahr in die sechste Runde und so langsam haben die Kuratorinnen einen Weg gefunden, die Künstler und ihre Arbeiten so auszuwählen, dass sie nicht nur während des Camps funktionieren, sondern während des Festivals eine weitere Funktion entwickeln oder zweckentfremdet werden können.

Die Klanginstallation von Modular T.Org zum Beispiel ist so stabil gebaut, dass sie dem wilden Festivalpublikum auch als Klettergerüst dient. Eigentlich sind an dem Gerüst aber hochsensible Tonabnehmer befestigt, mit denen das Objekt zum Instrument wird. Durch die Beschallung ist die Arbeit zwar mittlerweile ein konstantes Brummen aber wenn man die Stäbe anfasst, spürt man förmlich die Idee dahinter.

Auch die interaktive Performance des Künstler-Kollektivs Krautzungen hat eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Sie schreiben Tolstois Roman "Krieg und Frieden" auf Körper. Jeder Körper bekommt einen Satz.

Und weil man immer mehr geheimnisvolle Sätze auf den Körpern sieht, wollen auch immer mehr Menschen Teil des Ganzen sein – manchmal bilden sich Schlangen vor dem Krautzungen Stand. Einer hat sich seinen Satz tatsächlich mit Edding auf den Penis schreiben lassen – Bilder davon gibt es im Krautzungen Blog.

Von Hamburg über Prishtina nach Roskilde

Weil das Dockville in seiner Mischung aus Kunst, Musik und Party so einzigartig ist, gibt es mittlerweile auch Anfragen aus verschiedensten Richtungen. Geradezu spektakulär ist die Einladung des Roskilde Festivals in Dänemark. Die Uroma aller Festivals gibt es schon seit 1971 und ausgerechnet sie hat just beim Dockville angefragt und vielleicht wird es schon ab dem nächsten Jahr eine Kooperation geben.

Auch aus Albanien gab es eine Anfrage vom Independent-Festival "4 tuned cities" - Doro und Suse fliegen schon bald zu einem ersten Treffen.

Bis einschliesslich 2014 bleibt das Dockville Festival noch an seinem jetzigen Standort in Wilhelmsburg. Was danach kommt, steht allerdings in den Sternen.

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