
Die Sportis: Rocken fürs Molotow
In der Hamburger Club-Szene ist das Molotow auf der Reeperbahn eine Institution. Der geplante Abriss hat viele Freunde des Kult-Clubs auf den Plan gerufen, die dagegen protestieren. So auch die Sportfreunde Stiller. Am Samstagabend zeigten sie ihre Solidarität mit einem Konzert. Webreporter Matthes Köppinghoff hat es erlebt.
Es ist schon ein schräges Bild: Auf der Reeperbahn ist an diesem Samstag schwer was los, schließlich steht das ESC-Finale auf dem Programm und auf dem Spielbudenplatz wurde eine Fanmeile aufgebaut. Gerade mal 20 Meter neben der Menschenmasse vor der ESC-Party-Bühne steht eine Handvoll Leute in einer Schlange; sie wollen in einen kleinen Kellerclub, das Molotow.
Für Leute, die nicht aus Hamburg kommen und oder das Molotow nicht kennen: Das ist ein ganz kleiner Laden in den sogenannten "Esso-Häusern". Die Wohn- und Geschäftsgebäude sind etwas runtergekommen und sollen Büroneubauten weichen. Viele befürchten, dass dadurch das einmalige Flair der Reeperbahn verschwinden könnte. Vor allem das Molotow ist eine Institution: Viele Bands, die heute auf viel größeren Bühnen Zuhause sind, haben hier ihre ersten Konzerte gespielt, zum Beispiel die White Stripes und Mando Diao.
"Das Molotow muss bleiben!"
Auch die Sportfreunde Stiller hängen sehr an dem kleinen Keller-Club, denn nach einem Konzert dort vor Jahren bekamen sie immerhin ihren ersten Plattenvertrag. Klar, dass sie dem Club bei seinem Kampf gegen den Abriss unterstützen, nach dem Motto "Das Molotow muss bleiben!" Die Indie-Rock-Pop-Band aus Bayern hat immerhin einen kleinen Erfolg im immer akuter werdenden Abriss-Drama erzielt: Schon eine Stunde nach Ankündigung war das Konzert restlos ausverkauft.
Während an diesem Samstag draußen auf der Fanmeile alle das Geschehen in Baku verfolgen, wird jetzt schon um kurz nach 21 Uhr im Keller geschwitzt. Sportfreunde-Bassist Rüdiger "Rüde" Linhof sieht man noch durch die Menge flitzen, dann gehen auch die Lichter im Club aus. Es folgt ein kurzes Intro - und da sind die Sportis! Sie müssen sich ihren Weg auf die Bühne durch die wartenden Fans bahnen, im Molotow ist Platz rar. Die Sportfreunde starten mit einem alten Song: "Wunderbaren Jahren", ein Fan-Liebling zu dem natürlich gefeiert wird.
Viele Hits und neue Songs
Der Sound ist zugegebenermaßen nicht so toll und sehr dumpf, dafür steht man als Konzertbesucher ganz dicht vor der Bühne. Einer ruft passend: "Hier ist ja überall vorne!" Die Sportfreunde bedanken sich, dass alle trotz des Grand Prix in den "Keller" gekommen sind, und spielen munter drauf los: Natürlich ihre Hits, aber auch ein paar neue Songs.Zwischen ihren Liedern quatschen die Sportis viel mit ihrem Publikum, machen Witze - und loben sehr häufig das Molotow. Trotz des schlechten Sounds bekommen die Fans die Songs, die sie kennen und hören wollen: Natürlich "Kompliment", "Wellenreiten" und auch "Ich, Roque!". Während des Konzerts wird einem vor allem eines nochmal deutlich vor Augen und Ohren geführt: Die Sportis haben ganz schön viele Hits!
"Ist doch viel zu geil zum Abreißen, oder?"
Irgendwann ist es soweit, die Band geht zum ersten Mal von der Bühne, eilt aber auch schnell wieder zurück und gibt fleißig Zugaben: "Echt scheiße, wenn man so viele Hits hat, ihr Sklaventreiber!", scherzt Sänger Peter.
Nach 17 Songs und knapp anderthalb Stunden Show ist dann aber auch endgültig Schluss. Die Sportfreunde Stiller verneigen sich: "Danke für die Stimmung, danke Molotow, danke Hamburg!" Sänger Peter lässt es sich zum Schluss nicht nehmen, sich von der Menge tragen zu lassen. Dabei sieht es so aus, als würde er über die niedrige Decke "laufen". Die Fans freuen sich und verlassen glücklich den winzigen Kellerclub, raus auf die Reeperbahn, auf der der ESC-Abend in vollem Gange ist und die Touristen durch St. Pauli strömen. Ein schräges Bild!
Stand: 27.05.2012 13:10 Uhr
N-JOY 