Stand: 17.03.2017 15:56 Uhr | AutorIn: Dhala Rosado

Frauen bekommen 21 Prozent weniger Gehalt

Pünktlich zum "Equal Pay Day" am 18. März gibt es neue Zahlen vom Statistischen Bundesamt: Auch 2017 kann an der Gehalts-Front nicht von Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen gesprochen werden. Diesen Verdienstunterschied aber nur mit Sexismus zu erklären, wäre zu einfach ...

"Dank" vulgärer Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, frauenverachtender Hetztiraden im Europaparlament oder Emma Watsons Brüsten brennt die Debatte um Sexismus und Gleichberechtigung von Mann und Frau aktuell wieder. Da sorgen Nachrichten wie diese für zusätzlichen Zündstoff:

Frauen haben im vergangenen Jahr im Schnitt 21 Prozent weniger pro Stunde verdient als ihre männlichen Kollegen.

Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahr ein Fortschritt von einem Prozent, aber trotzdem kein Grund für Applaus: 16,26 Euro verdienen Frauen im Durchschnitt brutto pro Stunde. Männer verdienen 20,71 Euro, wie das Bundesamt berichtet. Für diese Gehaltsunterschied gibt es verschiedene Gründe.

Klassische Rollenverteilung in deutschen Familien

Fast die Hälfte aller deutschen Frauen arbeitet in Teilzeit.

Eine aktuelle Studie des Statistischen Bundesamts zeigt: Fast die Hälfte aller deutschen Frauen arbeitet in Teilzeit. Bei den Männern sind es nicht einmal zehn Prozent. Gründe hierfür gibt es viele - unter anderem die nach wie vor eher klassische Rollenverteilung in deutschen Familien. In den meisten Fällen übernehmen Frauen den Großteil der Kindererziehung, während der Mann arbeiten geht. Teilzeit und geringfügige Beschäftigungen sind tendenziell schlechter bezahlt.

Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Branchen

Außerdem wählen Frauen oft Berufe, die an sich schon schlechter bezahlt sind. Mit nur 15 Prozent ist beispielsweise der Beschäftigungsanteil von Frauen in den sogenannten MINT-Berufen - Jobs in den gut bezahlten Branchen um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - immer noch unterdurchschnittlich. Im tendeziell schlechter bezahlten Gesundheits- und Pflegebereich sind hingegen gute 75 Prozent des Personals weiblich.

Führungspositionen weiterhin Männerdomäne

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Sexismus-Umfrage zum Weltfrauentag

06.03.2017 22:45 Uhr
Kulturjournal

Haben wir die Gleichberechtigung geschafft? Ja, sagen die Männer. Komisch, die Frauen sehen das irgendwie anders. Video (05:22 min)

Auch die besser bezahlten Stellen in Führungspositionen haben meist Männer inne. Trotz des Gesetztes für die "gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst " (2015) sowie der "Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen" (2016) waren im letzten Jahr gerade einmal 22,5 Prozent der Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt.

Gleiche Qualifikation, gleicher Job, weniger Geld

Werden diese ganzen Erklärungen rausgerechnet, bleiben immer noch 6 Prozent Gehaltsunterschied übrig. Frauen mit derselben Qualifikation bekommen für denselben Job 6 Prozent weniger Gehalt - ein Unterschied, der von einigen Experten damit erklärt wird, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen weniger Selbstbewusst und zurückhaltender auftreten als ihre männlichen Kollegen. Aus diesem Grund hat Familienministerin Manuela Schwesig einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der vorsieht, dass Frauen in einem Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern Auskunft darüber verlangen können, was männliche Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen. Durch die vorgeschriebene Unternehmensgröße trifft dieses Gesetz zwar nur einen Teil der beschäftigten Frauen, aber diese haben immerhin die Möglichkeit, eine gefühlte Ungleichbehandlung zukünftig nachzuweisen und so deutlich auf Missstände aufmerksam zu machen.

Trotzdem: Für uns ist das alles Grund genug am Equal Pay Day, der symbolisch auf die ungerechten Gehaltsunterschiede aufmerksam machen will, 21 Prozent unserer Bilder auf der Startseite zu schwärzen.

"Girls Just Wanna Have None?!"

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 17.03.2017 | 12:00 Uhr

N-JOY
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