Stand: 26.01.2015 08:00 Uhr

Riesen-Beteiligung beim Tatort Video-Chat

Der Tatort "Borowski und der Himmel über Kiel" zeigt, wie die Droge Crystal Meth von jungen Menschen Besitz ergreift und sie nach und nach zerstört. War die Darstellung im Film realistisch? Wie gefährlich ist die Droge? Über 2.500 Fragen wurden während des Video-Chats an unsere Experten gestellt. Wir haben die wichtigsten Antworten zusammengefasst.

  • Wie hat sich das Team auf die Dreharbeiten vorbereitet?

    "Wir haben uns zusammen mit Patienten auf den Dreh vorbereitet. Wir wollten wissen, was die Konsequenzen und die Faszination dieser Droge sind und was die Konsumenten mit Crystal erlebt haben. Aber wir wollten auch ganz praktische Sachen wissen, zum Beispiel wie man Crystal konsumiert."
    (Christian Schwochow, Regisseur)

  • Warum wurde der Rausch so ausführlich gezeigt?

    "Wer den Film bis zum Ende gesehen hat, der wird feststellen, dass es sich nicht um einen Werbefilm handelt. Wir haben im Vorfeld sehr viel mit Therapeuten und Experten über das Thema gesprochen und viel Zuspruch für unseren Ansatz bekommen. Wer die Droge ernst nehmen will, der muss sich auch mit ihrer Faszination auseinandersetzen."
    (Christian Schwochow, Regisseur)

  • Ist das Dorf fiktiv oder gibt es das wirklich?

    "In Norddeutschland gibt es solche Orte nicht, aber in der tschechischen Grenzregion schon. Dort gibt es aufgrund der starken Verfügbarkeit bereits seit 20 Jahren Ortschaften, in denen Crystal sehr viel konsumiert wird, und zwar nicht nur von Jugendlichen.
    (Sascha Milin, Suchtforscher)"

  • Sehen Crystal-Konsumenten aus wie Zombies?

    "Es gibt Fotokampagnen aus den USA, die diesen Eindruck nahelegen. In Deutschland ist die Situation aufgrund unseres Gesundheitssystems jedoch etwas anders. Crystal führt zu Gewichtsverlust und lässt Konsumenten ihre Hygiene vernachlässigen, aber man wird optisch nicht zwangsläufig ein Zombie."
    (Christian Schwochow, Regisseur)

  • Waren die Figuren im Film realistisch dargestellt?

    "Ich habe sechs Jahre lang Crystal konsumiert und habe mich sehr in der Figur der Lisa wiedergefunden. Auch ich hatte während des Konsums Pickel und kleine Wunden durch das ganze Kratzen."
    (Franziska Wolf, Ex-Konsumentin)

  • Hat man mit Crystal mehr Spaß am Sex?

    "Ja, das wurde im Tatort sehr realistisch dargestellt. Aber mit Intimität und Liebe hat das wirklich wenig zu tun."
    (Franziska Wolf, Ex-Konsumentin)"

  • Ist in Crystal wirklich Batterie-Säure?

    "Nein, Crystal enthält weder Batterie-Säure, noch Abflussreiniger. Der gefährliche Stoff in der Droge ist das Methamphetamin. Oftmals sind es aber diese Gerüchte um die Bestandteile, die gerade den teuflischen Ruf und in bestimmten Milieus auch die Attraktivität der Droge ausmachen."
    (Sascha Milin, Suchtforscher)

  • Wie schnell wird man süchtig?

    "Bei unseren Befragungen haben viele Konsumenten geantwortet, dass sie schon nach dem ersten Konsum eine starke Abhängigkeit gefühlt haben. Das hängt aber immer auch mit dem Charakter des Konsumenten zusammen."
    (Sascha Milin, Suchtforscher)

  • Was soll der Film erreichen?

    "Ich wollte einen Film machen, der beim Zuschauer den Blick schärft und sich ernsthaft mit einem Thema auseinandersetzt. Wenn es Pädagogen gibt, die den Film zur Prävention einsetzen, dann freut mich das. Aber ich hatte keinen Auftrag für einen Antidrogen-Film-"
    (Christian Schwochow, Regisseur)

  • Wo bekomme ich Hilfe?

    "Ansprechpartner sind zum Beispiel die Suchtberatungsstellen, die es in Deutschland gibt. Aber auch der Hausarzt kann euch bei Fragen und Problemen als erste Anlaufstelle weiterhelfen."
    (Redaktion)

  • Wie lange dauert ein Entzug?

    "Therapien können in Deutschland ganz unterschiedlich aussehen. Oftmals beginnt die Therapie aber mit einer Entgiftung in einem Krankenhaus, das hängt immer vom Konsumverhalten ab und kann bis zu zwei Wochen dauern. Im Anschluss folgt eine psychologische Betreuung und eine Nachsorge, die mehrere Jahre dauern kann."
    (Sascha Milin, Suchtforscher)

  • Was ist das Schwierige am Entzug?

    "Ich habe mein altes Umfeld zwei Jahre lang verlassen, um von meiner Sucht loszukommen. Ohne Abstand ist es fast unmöglich. Körperliche Entzugserscheinungen hatte ich fast keine, aber die Erinnerungen an die Droge und die Erfahrungen mit ihr sind immer noch sehr präsent."
    (Franziska Wolf, Ex-Konsumentin)

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Realistische Darstellung

Viele User wollten wissen, ob die Darstellung der Droge im Tatort realistisch sei. In intensiven Gesprächen mit Abhängigen und ehemaligen Konsumenten, so der Regisseur Christian Schwochow im Chat, habe sich das Team auf das Thema vorbereitet. "Wir wollten keinen weiteren langweiligen Anti-Drogen Film machen", so Schwochow, "sondern die Faszination und die furchtbaren Konsequenzen verstehen und zeigen." Die realistische Auseinandersetzung mit dem Thema kam auch bei den Usern gut an.

N-JOY Moderatorin Nina Zimmermann gab die Fragen der User direkt an unsere Experten weiter.
Gesellschaftliches Problem

Suchtforscher Sascha Milin beantwortete die wichtigsten Fragen zur aktuellen Situation in Deutschland. "Die Droge ist lange als klassische Partydroge unterschätzt worden", so Milin. Crystal fände bei vielen Konsumenten früher oder später den Weg vom Privat- ins Arbeitsleben. Er als Suchtforscher freue sich, dass die Diskussion zum Thema Crystal in einem Tatort angestoßen wurde.

Besonders beeindruckend war das Gespräch mit der ehemaligen Crystal-Abhängigen Franziska Wolf im Video-Chat. "Viele meiner persönlichen Erlebnisse habe ich im Film wiedergefunden", so die junge Frau. Viele User gratulierten ihr deshalb für ihren mutigen Auftritt.

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | 25.01.2015 | 20:15 Uhr

N-JOY
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