Mann hält eine Feder auf der Hand © picture-alliance / Creasource

Männer im Magerwahn

von Sarah Hölting

Bernhard Wappis ist 19 Jahre jung, als er bei der Bundeswehr mit einem Kreislaufkollaps zusammenbricht. Der Grund: Starkes Untergewicht. "Da habe ich gemerkt, wenn ich so weitermache wie bisher, verrecke ich", sagt Wappis. Trotzdem dauert es Jahre bis er sich seine Magersucht eingesteht. Mehr als zehn Jahre nach seinem ersten Therapiebesuch hat Wappis es geschafft. Heute kann der 35-jährige Gesundheitspsychologe wieder genusshaft in eine Pizza beißen - einen Rückfall schließt er jedoch nicht aus, denn Ernährung ist immer präsent: "Essen müssen wir jeden Tag." Männer, die wie Bernhard in den Sog der Magersucht geraten, sind keine Einzelfälle. Trotzdem wird das Thema totgeschwiegen. Selbst Ärzte sind oft nicht sensibilisiert.

Zahlen und Fakten

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind fünf bis zehn Prozent aller Magersüchtigen in Deutschland Männer. Das sind etwa 90.000 Jugendliche und junge Männer. Vor allem 18- und 25-Jährige sind betroffen. Und sogar bei den 11- bis 17-Jährigen zeichnen sich bereits Tendenzen zum Magerwahn ab. Laut BZgA zeigen 15,2 Prozent der Jungs in diesem Alter Symptome eines gestörten Essverhaltens, bei den Mädchen liegt der Anteil bei 28,9 Prozent. Experten zufolge ist die Dunkelziffer bei Männern allerdings weitaus höher einzuschätzen als bei Frauen. Das sei insbesondere damit zu begründen, dass Männer ihre Krankheit lieber verschweigen, als sich zu outen oder einen Arzt aufzusuchen.

Schamgefühle

Das Thema "Magersucht und Bulimie" ist unter Männern sehr schambesetzt. © Picture Alliance
Viele Männer schämen sich für ihre Sucht und schweigen, statt über ihr Problem zu sprechen.
Dünne Männer sind in der Gesellschaft nicht angesagt. Magersucht gilt als "Frauenkrankheit". Während Frauen für verlorene Pfunde sogar vielfach noch Komplimente bekommen, gilt es bei Männern als nicht männlich. Professor Bernd Löwe, Chefarzt der Universitären Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums Hamburg-Eppendorf und der Schön Klinik Hamburg Eilbek, vermutet daher, dass Schamgefühle die Hemmschwelle, sich als "magersüchtiger Mann" zu outen, immens ansteigen lassen.

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Checkliste

Frau schaut kritisch auf eine Waage. © picture-alliance(c) dpa - Report

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Hintergrund

Ein Bulimie-krankes Mädchen © beyond/Kalle Singer Fotograf: Kalle Singer

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Magersucht wird oft über einen Kamm geschert. Dass es zwei Arten von Essstörungen gibt, die zu Untergewicht führen, wissen die wenigsten. MEHR

Buch-Tipp

"Darüber spricht man(n) nicht...!"

In seinem Buch schreibt Bernhard Wappis eindrucksvoll über seine Erfahrungen mit der vermeintlichen "Frauenkrankheit" Magersucht.

"Darüber spricht man(n) nicht...!"
Magersucht und Bulimie bei Männern
Books on Demand GmbH Norderstedt
erschienen 2005
280 Seiten
18,90 Euro

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