
Die Pille - Versprechen mit Risiko
Yvonne hatte sich für eine Pille namens "Yaz" entschieden. Die Versprechen, Gewicht zu verlieren und reine Haut, klangen einfach zu verlockend. Zehn Monate später, im September 2009, erlag die 21-jährige Schweizerin den Folgen einer Lungenembolie. Dass Antibabypillen Thrombosen und Lungenembolien auslösen können, sei, so der Hersteller-Konzern Bayer, eine bekannte Komplikation. Neue Daten der US-Aufsichtsbehörden zeigen jedoch, dass die Zahl schwerer Nebenwirkungen und Todesfälle weit höher liegt als bislang angenommen. Allein in den USA starben demnach 190 Frauen nach Einnahme der Pillen "Yasmin" und "Yaz" und dort sind bereits 8.000 Klagen gegen Bayer eingegangen.
Pille - Verhütungsmittel Nr. 1
Die Pille ist in Deutschland das beliebteste Verhütungsmittel. Mehr als die Hälfte der deutschen Frauen zwischen 20 und 44 Jahren nutzen sie, bei den 20- bis 29-Jährigen sind es sogar 72 Prozent.Das Angebot ist attraktiv: Die Haut wird besser, Akne verschwindet, in den Beinen lagert sich kein Wasser ein, der Monatszyklus verläuft stabil und schließlich gibt es sorglosen Sex. In hübscher Verpackung und einem beigefügten Schminkspiegel richtet sich die Pille als Lifestyle-Produkt vor allem an junge Frauen. Eine praktische, saubere und einfache Verhütungsmethode, und das alles mit der Einnahme einer kleinen Tablette jeden Tag. Offensichtliche Vorteile oder zu schön um wahr zu sein?
Die Nebenwirkungen
Die Hormone in der Antibaby-Pille, Östrogen und Gestagen verhindern den Eisprung und machen den Muttermund undurchlässig für Spermien. Die Gebärmutterschleimhaut wird deutlich geringer aufgebaut als in einem normalen Zyklus – und dieser hormonelle Eingriff kann erhebliche Nebenwirkungen verursachen: von Antriebsschwäche und Depressionen über Diabetes bis hin zur Krebserkrankung. In der Öffentlichkeit wird darüber nur wenig diskutiert. Die mit der Einnahme verbundenen Risiken sind ein unliebsames Thema. Das Geschäft mit der Pille ist für Ärzte und Unternehmen schließlich eine regelmäßige und sichere Einnahmequelle. Der Verkauf der Pille ist eine beständige Absatzsäule der Pharmakonzerne und allein im letzten Jahr hat das Unternehmen Bayer mit 35,1 Milliarden Euro einen neuen Umsatzrekord erzielt.
| Nebenwirkung | Erklärung |
|---|---|
| Osteoporose | Einige Frauen nehmen die Pille ein, um sich vor Osteoporose zu schützen. Nach langjährigem Konsum verbraucht der Körper allerdings große Mengen an Calcium und entmineralisiert auf diese Weise, was die Entstehung von Osteoporose begünstigt. |
| Fehlende Libido | Vielen Frauen vergeht durch die Einnahme der Pille schlichtweg die Lust auf Sex. |
| Hirnschlag und Herzinfarkt | Permanent hoher Blutdruck kommt bei Frauen, die die Pille einnehmen, doppelt so häufig vor wie bei anderen. Ebenso gehäuft treten Beinvenenthrombosen, Hirnschläge, Herzinfarkte und Netzhautthrombosen auf. |
| Störung der Schilddrüse | Bis zu einem Drittel aller aktiven oder ehemaligen Pillennutzerinnen leiden früher oder später an Störungen der Schilddrüse. |
| Krebs | Studien zufolge steigt mit Einnahme der Antibabypille das Risiko, an Brustkrebs oder Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, enorm. |
| Leberschaden | Durch die ständige Einnahme chemischer Wirkstoffe kann ein Gallenstau entstehen. Operationen an der Gallenblase sind bei Pillennutzerinnen doppelt so häufig, wie bei anderen. |
| Anhaltende Müdigkeit | CMS (Chronisches Müdigkeits Syndrom), ein bislang ungeklärtes Krankheitsbild, tritt häufig im Zusammenhang mit der Pilleneinnahme auf. |
| Diabetes | Das Bauchspeicheldrüsen Hormon Inulin kann unter dem Einfluss synthetischer Hormone, den Anstieg des Blutzuckerspiegels nicht mehr einwandfrei kontrollieren. |
| Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten | Bei vielen Frauen tritt nach mehrjähriger Pilleneinnahme und anschließendem Absetzen der Pille - trotz Kinderwunsch - keine Schwangerschaft mehr ein. |
| * Quellen: Coordination gegen BAYER-Gefahren; pro familia; Packungsbeilagen versch. Präparate |
Dabei sind gerade die neuen Präparate besonders gefährlich: Fast die Hälfte der zwanzig absatzstärksten Antibabypillen des Jahres 2010 enthalten neuartige Hormone mit einem doppelt so hohen Risiko für Thrombosen wie bewährte ältere Präparate. Das berichtete Professor Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen jüngst in einer Studie über die Zusammensetzung moderner Anti-Babypillen. Das hänge damit zusammen, so Glaeske, dass die Patente der älteren Pillen abgelaufen und dadurch die Gewinnspanne deutlich zurückgegangen sei. Um die neuen Pillenpräparate zu verkaufen, würden sie bei Einführung in den Markt mit umfassenden Werbemaßnahmen begleitet – trotz des erhöhten Risikos von Nebenwirkungen.
- Teil 1: Pille - Verhütungsmittel Nr. 1
- Teil 2: Symbol der sexuellen Befreiung
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