Mann legt Hand auf den Hintern einer Frau © picture alliance/Beyond

Sexismus-Debatte: Ein #Aufschrei geht durch Deutschland

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde eine regelrechte Lawine im Netz, genauer gesagt auf Twitter losgetreten. Unter dem Hashtag "Aufschrei" posten vorwiegend Frauen ihre negativen Erlebnisse und Erfahrungen in Bezug auf herablassende sexuelle Anspielungen oder gar Übergriffe. Wie sich Frauen und Männer dabei am besten verhalten, erklärt uns ein Experte im Interview.

Stein des Anstoßes ist die Diskussion um den "Stern"-Artikel, in dem eine junge Journalistin dem FDP-Politiker Rainer Brüderle ein anzügliches Verhalten ihr gegenüber unterstellt. Ob diese Vorwürfe nun stimmen oder nicht - das Ergebnis ist jedenfalls eine lebendige Debatte um die Frage: Wo fängt Sexismus im Alltag an?

Screenshot: Twitter © twitter
Mit diesem Tweet fing alles an.
Gegen 1.00 Uhr nachts twitterte Userin Anne Wizorek alias "marthadear": "Wir sollten diese Erfahrungen unter einem Hashtag sammeln. Ich schlage #Aufschrei vor." Ob ihr da schon klar war, was sie da lostreten würde?

Am Sonntagabend wurde das Thema kontrovers bei Günther Jauch diskutiert, wo unter anderem auch Anne Wizorek mit in der Runde saß.

Noch immer laufen auf Twitter fast sekündlich neue Tweets zum Thema ein. Doch nicht jeder Kommentar mit dem Hashtag Aufschrei erzählt eine Geschichte erlebter sexueller Nötigung.

Wir haben euch mal eine kleine Auswahl von Tweets zusammengestellt:

  • Rheinwort:
    "Werden sie angeguckt, ist es Sexismus. Werden sie nicht angeguckt, ist das auch Sexismus. Das ist das Problem dieser Debatte."

  • Die Heldin:
    "Witzig sind ja die ganzen männlichen #aufschrei "unterstützer",die dann im echten leben genau das machen,gegen das sie hier angeblich sind."

  • Klaus Peter:
    "Wo bleibt eigentlich der #aufschrei gegen die Beschneidung von kl. Mädchen u. Jungen u. Kinderpornographie?"

  • Sue:
    "Der Typ, der das Gedränge beim Public Viewing direkt ausnutzt, um mir an den Po zu fassen"

  • Annemarie Kuckuck:
    "Der Taxifahrer, der mir seinen Penis zeigen wollte."

  • Lutz Falkenburg:
    "Was stört: #Aufschrei stellt ausschließlich Frauen als Opfer und Männer als Täter dar!"

  • Charis:
    "Natürlich wurde ich belästigt. Und natürlich nutze ich trotzdem meinen tiefen Ausschnitt, um z.B. Reifen billiger zu kriegen."

  • Kathy:
    "Der Fahrlehrer, der nach Rücksprache mit Prüfer meiner Freundin anbot, die Fahrprüfung zu wiederholen, wenn sie "nett" zu ihm sei."

  • Audrey Wetterwald:
    "Sexismus fängt damit an, dass nur der Mann während 1 Banktermins angeschaut wird und die Daten der "Gattin" kaum erfasst werden."

  • Jordan Shepard:
    "Im Abendkleid und Nylonstrumpfhose und Absatzschuhen auf offener Straße vom Auto aus angehupt werden, ist kein Kompliment."

  • Sarah:
    "Wissen die ganzen #Aufschrei Leute überhaupt, wie das ist, wirklich und ernstzunehmend sexuell belästigt zu werden?"

  • Sebastian Waters:
    "Sorry, aber ich find #aufschrei bringt so viel wie 100.000 Likes oder "ne Viral-Kampagne", die sich ein Kunde wünscht. Verpufft zu schnell."

  • Spun:
    "Für das, was Männer zu #aufschrei twittern, schäme ich mich, auch ein Mann zu sein."

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So geht's richtig

 

Wie sich Frauen und auch Männer am besten in unangenehmen Situationen am Arbeitsplatz verhalten sollten, darüber hat N-JOY Moderator Christian Haacke mit Peter Modler geprochen. Als Unternehmensberater trainiert Modler u.a. Frauen in Führungspositionen und weiß, wie sie sich am besten im Job behaupten können. Hier hört ihr das Interview:

 

Das rät der Experte den Frauen:

Das rät der Experte den Männern:

Arbeitswelt: Sprüche über Körperteile sind Tabu

Wo hört ein Kompliment auf und wo fängt Sexismus an? Unternehmensberater Peter Molder nennt eine einfache Fastformel.

Aktuelle Kommentare
Danalein schrieb am 8. März 2013 um 10:18 Uhr:

Bei Frauen ist es Sexismus und bei Männern nicht? Was soll das!

Ich finde diese ganze Debatte lächerlich. Ich erinnere mich noch an die SternTv Folge als die zwei Damen da saßen und sich um Kopf und Kragen redeten (besonders eine!!!) weil Ihnen die Argumente... [mehr]

Malhalblang123 schrieb am 5. Februar 2013 um 19:18 Uhr:

Macht alle mal halblang

Wer ist eigentlich schuld an derartigen "Missverständnissen" in der Kommunikation? Der Sender einer Nachricht/eines Signals (ob gezeigte Brust oder gemachter Kommentar) oder der Empfänger der den... [mehr]

Malhalblang123 schrieb am 5. Februar 2013 um 19:17 Uhr:

Macht alle mal halblang

Also bitte liebe Frauen macht mal halblang... wenn Ihr selbst nicht als sexistisch gelten wollt, dann lasst uns die Blicke oder auch mal den Versuch einer Anmache, denn ja, eine Anmache "kann" auch... [mehr]

Malhalblang123 schrieb am 5. Februar 2013 um 19:16 Uhr:

Macht alle mal halblang

Da ja aber der allgemeinen Ansicht nach nicht nur Kommentare zu großen Brüsten oder breiten Becken eine Belästigung darstellen, sondern auch jegliche Bemerkung zu deren Abwesenheit gilt dies natürlich... [mehr]

Malhalblang123 schrieb am 5. Februar 2013 um 19:14 Uhr:

Macht alle mal halblang

@Katharina So ein quatsch: Die Brüste einer Frau gehören wie die männliche Brust- & Bartbehaarung zu den sekundären Geschlechtsorganen, sowie das breite Becken einer Frau wie die breiten Schultern... [mehr]

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Zwischenfazit

Welche Wirkung kann so ein Netz-Phänomen haben? Einschätzungen von NDR Netzwelt-Experte Fiete Stegers auf NDR Info:

Die erste Wirkung zeigt es bereits: Nicht nur NDR Info und N-JOY, sondern auch andere Medien berichten darüber. Heute zum Beispiel Stern.de oder Süddeutsche.de – und ab morgen sicher auch die gedruckten Zeitungen. Die Diskussion über Sexismus wird also durch Twitter zum einen beschleunigt, und zum anderen noch mal deutlich über den Fall Vorwürfe im Fall Brüderle hinaus ausgeweitet. Der #Aufschrei zeigt das Ausmaß der Situationen, in denen Frauen sich bedrängt fühlen. Und er hat es sicher vielen Mut gemacht, sich öffentlich zu sehr persönlichen Erfahrungen zu äußern.

Links

Screenshot: kleinerdrei.org © kleinerdrei.org

Normal ist das nicht!

Im Blog "kleinerdrei" schreibt unter anderem auch Anne Wizorek regelmäßig über gesellschaftspolitische Themen. MEHR

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Hier seht ihr die Resultate zum Hashtag "Aufschrei". MEHR

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