Stand: 24.10.2016 16:50 Uhr

Botnetz-Angriff: Hilfe, mein Toaster greift uns an!

Invasion der Haushaltsgeräte: Immer mehr Kühlschränke, Toaster, Kaffeemaschinen werden "smart". Verbinden sich also mit dem Internet. Eine praktische Sache, wenn die Kamera im Kühlschrank ein Foto macht und es während des Einkaufs aufs Handy schickt. Am vergangenen Freitag zeigte sich die Schattenseite des vernetzten Alltags.

Hacker übernahmen mit Hilfe einer Software Millionen der vernetzten Alltagshelfer, rotteten sie zu einer Armee zusammen und ließen alle Geräte gleichzeitig auf die Server einer zentralen Stelle des Internets los. Das Ergebnis: Teile des Internets in den USA waren einfach nicht mehr aufrufbar. Aber was steckt dahinter? Wir geben Antworten!

Was ist ein Botnetz?

Ein Botnetz ist eine der ältesten Möglichkeiten, im Internet Schaden anzurichten. Dabei installieren Hacker eine Software auf Computern oder auf Haushaltsgeräten, die ohne Schutz im Netz surfen. Dank dieser Software müssen die Hacker dann nur noch auf einen Knopf drücken und die ganze Gruppe aus Millionen von Rechnern, Kühlschränken oder internetfähigen Überwachungskameras ruft eine spezielle Seite auf. Die Sammlung aller mit der Software infizierten Geräte heißt Botnetz.

Was war das Besondere an dem Botnetz-Angriff in den USA?

Bisher waren vor allem Rechner mit der Schadsoftware infiziert. Das Botnetz über das der Angriff in den USA lief, bestand vor allem aus infizierten Toastern, Thermostaten, Überwachungskameras, Kaffeemaschinen oder andere Alltagsgeräte, die mit dem Internet verbunden sind. Gefährlich an der neuen, "Mirai" genannten Botnetz-Software: Sie wird kostenlos für jeden im Netz angeboten.

Die einzige Möglichkeit seine Geräte zu schützen, ist das Passwort zu ändern. Leider ist das nicht bei jedem Gerät im "Internet der Dinge" möglich. Trotzdem: Wer fürchtet, seine Kaffeemaschine ist Teil eines Botnetzes, sollte versuchen, das Passwort zu ändern.

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DDoS-Angriff: Was kann man mit einem Botnetz machen?

Sobald die Hacker wissen, was, wen oder welche Firma sie angreifen möchten, geben sie einen Befehl: Alle Geräte rufen auf Kommando eine Seite auf. Das Ziel dabei ist, eine Seite sooft aufzurufen, dass die Server überlastet sind, abstürzen und die Seite - zum Beispiel Amazon.de oder Netflix.com nicht mehr aufrufbar sind. Dieser Überlastungs-Angriff heißt "Distributed Denial of Service" (DDoS). Bisher waren publikumswirksame DDoS-Angriffe vor allem politisch motiviert und dienten Hackern sozusagen als digitales Pendant zu einem Sitzstreik. So haben einige Gruppen unter der Flagge des Kollektivs Anonymous bereits PayPal überlastet, aber auch Pegida-Webseiten und das Playstation-Network lahmgelegt. Der jetzige Angriff ist deutlich größer, als alle bisherigen.

Kluger Angriff: Hacker griffen das Verteilerzentrum an

Die Hacker in den USA haben nicht nur eine Website angegriffen. Ihnen gelang es, den Dienstleister Dyn mit Anfragen zu überfluten. Dyn bietet einen Service mit dem Namen DynDNS an. DynDNS fungiert quasi als Telefonbuch im Internet. Eingaben, die die Nutzer in der Adresszeile ihres Browser machen (beispielsweise www.n-joy.de), gleicht der Dienst mit einer dazugehörigen, maschinenlesbaren Zahlenkombination ab und weißt den PC des Nutzers den Weg zu der entsprechenden Webseite.

Verteilerkasten ausschalten, statt das Telefonkabel durchschneiden

Dabei ist die Dyn eher vergleichbar mit dem Telefonverteilungskasten des Internets als mit einem Telefonbuch. Dadurch, dass die Angreifer die Server des Dienstleisters überlasteten, bauten sie sozusagen den Verteilerkasten auf der Straße ab. Keine Anfrage kam mehr rein oder raus. Deswegen gelang den Hackern am Freitag etwas, das bisher nur in Albträumen von IT-Experten Platz hatte: Sie sorgten immerhin einige Stunden dafür, das große Dienste wie Netflix, Amazon, PayPal oder Spotify nicht aufrufbar waren. Im Verteilerkasten-Vergleich: Der Kasten ist weg, die ganze Straße kann nicht mehr telefonieren oder ins Netz.

Die Macher hinter dem Angriff in den USA

Aktuell ist nicht bekannt, wer hinter dem Angriff auf die Infrastruktur des Internets, steckt. Der Tageszeitung "Die Welt" erklärte der Vorstand für Infrastruktur und Netze des Verbandes der Internetwirtschaft "Eco", Klaus Landefeld: Er halte es für wahrscheinlich, dass die unbekannten Täter testen wollten, wie viel Netzwerkverkehr bestimmte Dienstleister im Internet vertragen können, bevor sie überlastet werden. So könnten die Täter beobachten wie ihr Opfer reagiert und auf diese Weise Schlüsselinfrastrukturen für spätere Attacken identifizieren.

Warnschuss: Wir müssen Passwörter vergeben

Der Angriff ist ein erster Warnschuss: Je mehr Geräte ungeschützt im Netz surfen, desto stärker können die Botnetze werden, und desto leichter auch große, wichtige Zentren, die das Internet am Laufen halten, angreifen. Deswegen müssen künftig einerseits die Hersteller einen einfachen Weg bieten, wie Nutzer ihre technischen Geräte mit Passwort sichern können. Andererseits müssen wir alle diesen einfachen Weg dann auch nutzen, damit das Internet der Dinge statt zum Albtraum zum Erfolg wird.

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