Stand: 29.08.2017 11:39 Uhr

Facebook: Werbeverbot für Fake-News-Seiten

Facebook und Fake-News: Zwei völlig unterschiedliche Dinge, die immer wieder gemeinsam auftreten. Denn mit Hilfe des sozialen Netzwerks gehen Fake-News-Seiten gerne auf Nutzerjagd. Jetzt will sich das soziale Netzwerk nicht mehr für Falschmeldungen instrumentalisieren lassen.

Fake-News-Seiten wie klagemauer.tv oder der Ableger jugend-tv-net erfinden Nachrichten und verbreiten sie im Netz. Ein ehemaliger Autor dieser Seiten hat den Kollegen von ZAPP erzählt, wie sie solche erfundene Nachrichten aufschreiben.

Einer gibt das Thema vor, es wird eine Quelle rausgesucht, wenn überhaupt. Und einer schreibt es zusammen. Und dann wird der Beitrag abgedreht. [...] Also die Quellen sind hauptsächlich Blogs oder Seiten aus dem rechtspopulistischen, verschwörungstheoretischen Raum. Anonym, ehemaliger Autor bei jugend-tv-net

Auf Facebook verbreiten sich diese erfundenen Nachrichten in den Timelines der Nutzer. Die Absicht der Seiten: Sie wollen politische Meinungen manipulieren und Geld verdienen. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl beginnt Facebook damit, gegen diese Falschmeldungen vorzugehen.

Keine Werbeanzeigen mehr für Fake-News-Seiten

Das Prinzip ist einfach: Facebook arbeitet in Deutschland mit dem Recherche-Bündnis Correctiv zusammen. Die Mitarbeiter durchforsten das soziale Netzwerk nach Falschmeldungen, überprüfen Artikel und markieren Texte mit falschen Inhalten als Fake. Das passiert bereits. Jetzt geht Facebook einen Schritt weiter:

Wenn Seitenbetreiber wiederholt bereits angezweifelte Inhalte teilen, dürfen sie nicht länger Werbeanzeigen auf Facebook schalten. Facebook über die neue Funktion

Werbeanzeigen sind essentiell für Fake-News-Seiten

Das ist wichtig, denn mit Hilfe von Werbeanzeigen locken die Fake-News-Macher Nutzer auf ihre Webseiten. So verdienen die Verantwortlichen hinter den Seiten Geld. Das funktioniert so: Die Autoren der Falschmeldungen formulieren eine möglichst reißerische Überschrift, und bewerben den Artikel dann auf Facebook. Dadurch sehen viele Facebook-Nutzer die Nachricht. Wegen der reißerischen Überschrift klicken einige Nutzer darauf und landen auf der Homepage der Fake-News-Seite, wo ihnen Werbung angezeigt wird. Heißt: Je mehr Besucher die Fake-News auf die Webseite lockt, desto mehr Geld können die Webseitenbetreiber für Werbung auf ihrer eigenen Webseite verlangen.

Weniger Facebook-Anzeigen bedeutet weniger Nutzer

Sobald Facebook den Seiten verbietet, Artikel über Anzeigen im Netzwerk zu bewerben, sehen weniger Nutzer die Postings. In der Theorie sinken dann die Nutzerzahlen und somit auch die Einnahmen aus den Werbeanzeigen auf der Fake-News-Webseite.

Ein überraschender Schritt für Facebook

Der Schritt ist einerseits nur logisch, auch wegen der Bundestagswahl, die am 24. September stattfindet. Andererseits ist der Schritt für Facebook fast schon radikal. Denn Facebook generiert fast seine gesamten Umsatz über Werbeeinnahmen. Im zweiten Quartal 2017 erwirtschaftete das Netzwerk 9,16 Milliarden US-Dollar über Werbeanzeigen - der gesamt Umsatz in der Zeitspanne lag bei 9,32 Milliarden. Umso erstaunlicher ist es, dass der Konzern auf das Geld der Fake-News-Seiten verzichten möchte - zum Vorteil der Nutzer. Das erklärt zumindest Facebook:

Dies ist ein weiterer Schritt, damit Menschen verlässlichere Informationen auf Facebook sehen können. Facebook zum Kampf gegen Fake-News-Seiten

 

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