Stand: 18.04.2017 17:39 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Gewalt-Videos auf Facebook: So reagiert ihr richtig!

Ein Mann steigt aus einem Auto, hält einen Passanten an und erschießt ihn: Diese Szene war am Wochenende für zwei Stunden und 23 Minuten auf Facebook sichtbar. Als der mutmaßliche Täter von der Polizei gestellt wurde, nahm er sich selbst das Leben, erklärte die US-Polizei. Doch der Vorfall lässt Facebook-Nutzer ratlos zurück. Wie ihr reagieren solltet, wenn ihr gewalttätige Videos auf Facebook oder anderen sozialen Medien entdeckt? Ein Leitfaden.

Es ist pure Brutalität, die in manchen Videos zu sehen ist. Bei der Vergewaltigung eines Mädchens sahen vor wenigen Wochen über einen Facebook-Live-Stream 40 Personen zu, ein Mann wurde während eines Livestreams erschossen. Jetzt folgte die nächste Gewalttat. Der mutmaßliche Täter filmte den Mord und lud das Video mit kurzer Verzögerung auf das soziale Netzwerk hoch. Dort war es fast zwei Stunden lang zu sehen, bis Facebook-Nutzer das Video meldeten. Nur 23 Minuten später war es offline. Facebook entfernte das Video und den Account.

Digitaler Narzismuss: Der Selbstdarstellungsdrang bringt Täter dazu sich zu präsentieren

Es ist nicht der erste Fall, in dem Täter sich selbst in den sozialen Medien feiern und ihre Tat zur Schau stellen. Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger vom Institut für Polizeiwissenschaft in Brandenburg erklärt das mit dem Konzept des Digitalen Narzissmus. Das bedeutet, wir präsentieren uns selbst im Netz, um Bestätigung zum Beispiel in Form von Likes oder Followerzahlen zu bekommen, so Rüdiger. Wie sich dieser Darstellungsdrang auswirken kann, erklärt er mit einem Beispiel:

Es kann passieren, dass der Täter jemanden überfällt und noch bevor er abhaut, fotografiert er die Beute und postet das auf Instagram, weil er weiß, er wird dafür Anerkennung bekommen. Thomas-Gabriel Rüdiger, Kriminologe

Facebooks Lösung: Die Melde-Funktion

Facebook führt in diesem Zusammenhang seine "Melde"-Funktion an. Hier können Nutzer, mit Klick auf den Pfeil am oberen rechten Rand des Postings ein Foto, ein Video oder einen Text an die Mitarbeiter des Netzwerks schicken. Diese überprüfen die gemeldeten Inhalte und reagieren, wenn sie gegen die Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen. Das funktioniert bei Hasspostings nur teilweise, am letzten Wochenende war Facebook vergleichsweise schnell.

Facebook braucht die Community!

Trotzdem ist die große Frage: Bringt es etwas, gewalttätige Posts bei Facebook zu melden? Der Konzern selbst ist hier anderer Meinung als zum Beispiel Kriminalexperten oder die Polizei. Denn Facebook braucht die Mithilfe der Nutzer. Erst wenn ein Video gemeldet wird, erscheint es auf ihrem Radar und sie können eingreifen. Denn, ein Algorithmus erkennt zwar so einiges - zusammenhängende Sätze oder Video-Inhalte kann eine Software alleine aktuell allerdings noch nicht einordnen.

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Meinung: Facebook braucht einen Alarmknopf

23 Minuten nach der Meldung des ersten Mord-Videos durch einen anderen Nutzer sperrte Facebook das Profil des mutmaßlichen Täters, sagt das Unternehmen. Das ist im Vergleich zu anderen Beschwerden über Facebook-Posts erstaunlich schnell.

Auch die Offenheit, mit der Facebook hier über den Vorfall informiert und öffentlich einräumt: „Wir sind immer noch zu langsam“, ist erfreulich. Da ist man von dem sozialen Netzwerk sonst leider anderes gewohnt. Zumindest signalisieren sie: Problem erkannt.

Wenn Facebook aber wirklich schneller werden will, hilft nur eins: Sie müssen mehr Mitarbeiter einstellen, die Beschwerden schnellstmöglich prüfen. Software und künstliche Intelligenz können nur bedingt helfen – und so reagiert Facebook erst, wenn ein Nutzer einen Inhalt meldet.

Doch das Melde-System ist mit seinen Auswahlmenüs viel zu kompliziert. Vielleicht wäre ein roter Alarmknopf „Dies ist ein Notfall“ neben jedem Eintrag eine Idee. Natürlich, es besteht die Gefahr von Missbrauch und Fehlalarmen. Aber die gibt es bei der 110 auch. Facebook sollte es ausprobieren.

Fiete Stegers, NDR Netzwelt

Kriminologe und Polizei raten zum Notruf

Selbst wenn der Post aus dem Netz verschwindet, ist die Polizei noch nicht informiert. Das heißt, der Täter kann nicht gefasst werden, erklärt der Kriminologe Rüdiger. Und auch der Pressesprecher der Polizeidirektion Hannover, Sören Zimbal, stimmt zu:

Nur an Facebook melden reicht nicht: Eine Behörde kann viel schneller vorgehen. Deswegen sollten Nutzer solche Straftaten unbedingt der Polizei melden. Wir können über die sozialen Medien herausfinden, wer hinter dem Account steckt und wo der Mensch sitzt. Sören Zimbal, Polizei Niedersachsen

So handelt ihr richtig, wenn ihr Gewalt auf Facebook seht

Zusammengefasst gibt es also nur drei Punkte, die ihr beachten müsst, wenn ihr, eine Gewalttat in sozialen Medien entdeckt.

1. Meldet das Video der Polizei. Das geht per Notruf (110), aber oftmals auch über die Website oder teils sogar über den Facebook- oder Twitter-Account der jeweiligen Polizeidienststellen.

2. Schreibt auf, wann, wo und wer den Post veröffentlicht hat, rät Rüdiger. Falls möglich, schneidet das Video mit. Wichtig dabei: Ihr dürft es nur mitschneiden, um es der Polizei als Beweismittel zu übergeben, so der Pressesprecher der Polizeidirektion Hannover, Zimbal. Sobald ihr es veröffentlicht, teilt oder weiterverbreitet, kann das eine Straftat sein!

3. Meldet es bei Facebook. Aber: Kommentiert, liket oder teilt gewalttätige Videos nicht. Außerdem, so Zimbal: Der Täter möchte Interaktion, deswegen sollten Nutzer nicht unter dem Post kommentieren. Und ihn, so der Krimonologe Rüdiger, "auf keinen Fall unterstützen", sondern die Polizei informieren.

 

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