Stand: 20.10.2017 14:25 Uhr

"Löschen bedeutet, Daten unzugänglich zu machen"

Kein Facebook-Account, kein Instagram-Profl, keine Google-Mail-Adresse: Wer ohne die großen Dienste durchs Leben schreitet, sollte im Netz unsichtbar sein. Doch selbst ohne eigene Profile bei den Netzwerken, wissen die Unternehmen hinter den Netzwerken, dass es euch gibt. Warum das so ist, verrät Datenschutzexperte Hannes Federrath von der Universität Hamburg im N-JOY Interview.

Facebook-Account? Gelöscht. Instagram? Gelöscht. Gmail-Adresse? Gelöscht. Die logische Schlussfolgerung: Die Daten verschwinden - zusammen mit dem eigenen digitalen Ich - aus dem Netz. Doch das Internet besteht nicht nur aus einem Datensatz über eine Person. Es sind viele Datensätze - und das macht es so schwer, die eigenen Datenspuren verschwinden zu lassen, erklärt der DatenschutzexperteHannes Federrath von der Universität Hamburg:

Es ist nahezu unmöglich, alle Daten aus dem Internet über sich selbst zu löschen: Die Daten sind so oft vorhanden, dass es unmöglich ist, alle die Kopien zu löschen. Hannes Federrath, Datenschutz-Experte

Experte: Löschen bedeutet, dass die Daten unzugänglich sind

Das Internet vergisst nicht! Eine Weisheit, die der Datenschützer und Universitätsprofessor erklären kann. "Die Dienstanbieter verknüpfen die Daten miteinander", fasst er zusammen: "Löschen bedeutet bei einem Online-Account nur, dass die Daten unzugänglich sind, die Dienstanbieter haben trotzdem noch Kopien und verwenden sie weiter, obwohl das illegal ist." Die Datensätze würden auch weiterhin auf Servern aufbewahrt, mit anderen Daten verknüpft und wenn es nützlich ist, für zum Beispiel Werbung verwendet.

Soziale Netzwerke: "Profile über Menschen, die gar keinen Account haben"

Dem US-Magazin Mashable erklärte ein IT-Experte, das altbekannte Phänomen: "Alles, was wir im Netz anklicken, wird in einer Datenbank gespeichert." Die meisten Apps und Dienste seien kostenlos, erklärt der Experte, "aber sie haben ihren Preis". Die Folge dieses Bezahlens mit Daten geht über den eigenen Account hinaus, weiß der Hamburger Datenschutz-Experte Federrath: Es könne passieren, dass über Menschen, die gar keinen Account haben, trotzdem Daten gespeichert würden.

Stellen sie sich vor, sie laden ein Bild hoch, auf dem nicht nur sie, sondern auch Ihre Freunde zu sehen sind. Dann werden von diesen Freunden vielleicht auch Bildanalysen angefertigt und dann kann man die Daten mit anderen Bildern verknüpfen und dadurch zum Beispiel auch schon Profile über Menschen anfertigen, die gar nicht in dem sozialen Netzwerk sind. Hannes Federrath, Datenschutz-Experte

Recht auf Löschen heißt: Die Verlinkung verschwindet

Trotzdem hat jeder Nutzer im Netz das Recht, Informationen über sich löschen zu lassen. Im Mai 2014 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Personen auch Links zu Websiten aus den Suchergebnissen löschen lassen können, wenn die Informationen darin nicht mehr relevant oder veraltet sind. Aber auch hier wird nicht die Webseite gelöscht, sondern der Suchmaschinen-Konzern entfernt lediglich den Link zu der Webseite aus den Ergebnissen.

Als Dienstleistung: Von Profis das digitale Ich löschen lassen

Um das Löschen von Daten aus dem Netz haben sich mittlerweile sogar ganze Firmen entwickelt. Dienstleister wie DeletMe oder DeinGuterRuf bieten an, Datenspuren aus dem Internet zu tilgen. Ein Recht, das eigentlich kostenlos sein sollte. Doch die vielen unterschiedlichen Dienste machen es fast unmöglich für einen Einzelnen, seine Daten überall löschen zu lassen. Der Datenschutzexperte Federrath vergleicht die Arbeit dieser Anbieter mit der von Rechtsanwälten:

Diese Dienstleister arbeiten mit Diensten wie Google und Facebook zusammen und können die Rechte eines Bürgers besser durchsetzen. Sie wissen, wie man zum Beispiel auf Google zugeht, damit bestimmte Suchbegriffe nicht mehr auf ungewollte Seiten verweisen. Hannes Federrath, Datenschutz-Experte

Auch wenn es diese Dienste gibt, die beste Lösung ist immer noch: Geht vorsichtig mit euren Daten um, auch wenn ihr nichts zu verbergen habt.

 

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