Stand: 27.09.2017 16:39 Uhr

Tinder speichert alles - selbst Chatverläufe

Liebe geht nur die beiden Menschen an, die sie erleben! Die Dating-Plattform Tinder sieht das etwas anders und speichert einfach alles - über Jahre hinweg.

Auf Tinder zählt der erste Eindruck: Gefällt das Bild nicht, wischen es Liebessuchende nach links, ist das Foto sympathisch, geht der Wisch nach rechts. Wischen sich beide gegenseitig nach rechts, ist das ein Match: Das Turteln und Flirten kann beginnen. Die Journalistin Judith Duportail chattet seit dem 18. Dezember 2013 über den Dienst. Jetzt, fast fünf Jahre später, wollte sie wissen, was Tinder über sie weiß und hat nachgefragt.

Tinder listet Chats sekundengenau auf

Die Datingplattform schickte ihr auf 800 Seiten ihr Flirt-Leben. Sämtliche Chats, sekundengenau aufgelistet und mit Ortsangabe findet sie in den Dokumenten. Namen von Menschen, die sie längst vergessen hat, intime Vorlieben, Geheimnisse. Beim Lesen wird Duportail klar: Tinder merkt sich alles, speichert es und zieht seine eigenen Schlüsse daraus. Der Dienst weiß, welche Wörter sie häufig tippt, wie lange andere auf ihr Profilfoto starren, wann sie mit wem geschrieben hat und über was.

Datenschutzerklärung: Wir sammeln Persönliches

Es ist eigentlich keine Überraschung, dass die Plattform diese Daten hat: In den eigenen Datenschutzbedingungen schreiben die App-Betreiber:

Wir dürfen persönliche und auch sensible Daten sammeln. Tinder, Datenschutzbestimmung

Das sind Informationen, mit denen Nutzer identifiziert werden können. Der Einleitung folgen lange Absätze mit Aufzählungen. Kurz zusammengefasst: Tinder sammelt alles, was ihr schreibt, Fotos, Videos, Infos über euren Lebensstil, welcher Religion ihr angehört, welche sexuelle Orientierung ihr habt, die ethische Herkunft, euren Standort.

Tinder will uns mit Hilfe der Infos kennenlernen

Erst analysiert das Tinder-Team alles, um den Service zu verbessern. Ein Standard-Grund, der sich in vielen Datenschutzbestimmungen wiederfindet und der nichts verrät. Welche Daten Tinder dabei analysieren und welche Schlüsse sie daraus ziehen, das sind gut gehütete Geheimnisse.

Daten sammeln

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Gleichzeitig gibt das Unternehmen die persönlichen Daten weiter und teilt sie beispielsweise mit Werbe-Partnern und anderen Dating-Plattformen, die zu der Unternehmensgruppe gehören wie LoveScout24 oder OkCupid.

Datenmasse ist keine Überraschung für Datenschützer

Der Datenschützer Olivier Keyes, dem Duportail ihre 800 Seite Tinder-Daten gezeigt hat, war nicht überrascht:

Jede App, die man regelmäßig am Smartphone benutzt, hat dieselbe Anzahl an Informationen. Facebook hat tausende Seiten über jeden. Olivier Keyes, Datenwissenschaftler

Doch Tinder kann die Chatverläufe der Nutzer offenbar lesen - im Gegensatz zum Beispiel zu WhatsApp, die Chats verschlüsseln. In den Datenschutzbestimmungen warnen die Betreiber sogar: "Wir können nicht garantieren, das die Daten sicher sind." Sollten eure Chats von Hackern erbeutet werden, zieht sich Tinder mit diesem Satz aus der Verantwortung.

Kontrollieren, wer was sammelt? Das geht nur teilweise.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Jeder kann sich von Online-Diensten alle Informationen zuschicken lassen, die dieser über ihn gesammelt hat. Bei Facebook versteckt sich diese Funktion in den Einstellungen. Gleichzeitig könnt ihr Apps in den Smartphone-Einstellungen Berechtigungen entziehen und oft in den Datenschutz-Einstellungen des Dienstes festlegen, was er sammeln darf und was nicht.

Bisher gibt es Einschränkungen: Wenn ihr den AGB und Datenschutzbestimmungen nicht zustimmt, lassen euch Dienste wie Facebook und Tinder keinen Account erstellen oder einige Funktionen sind nicht nutzbar. Diese Nachteile soll ab Mai 2018 ein neues Gesetz beheben. Dann sollt ihr selbst entscheiden können, wer was wissen darf und auch wenn ihr Facebook keine Daten sammeln lasst, muss das Unternehmen euch künftig einen Account einrichten lassen.

 

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