Stand: 08.08.2017 17:35 Uhr

Traumjob? So verdienen Instagrammer Geld

Mit Instagram lässt sich Geld verdienen: Firmen bezahlen erfolgreiche Nutzer für Posts. Doch nicht alle Instagrammer kennzeichnen die Werbung. Ein Reise-Fotograf erzählt uns, warum er Werbung auf der Plattform markiert und wieviel ein Posting von ihm wert ist.

Um halb fünf Uhr morgens klingelt der Wecker. Instagrammer Eskimo steht auf, macht sich fertig und geht auf Foto-Tour. So beschreibt Nico aka Eskimo seinen Tagesablauf bei Reisen, die ihm Unternehmen bezahlen. In die Schweiz, Estland, Großbritannien haben ihn Reiseveranstalter und Fluggesellschaften bereits eingeladen. Er soll Bilder machen, sie posten. Werktags arbeitet er in einem Vollzeitjob, fernab von Instagram. Am Wochenende tourt er durch Europa und fotografiert Straßenzüge oder Cafés.

Mikrofon On Air © digitalhome.eu

Interview: So viel verdienen Instagrammer

N-JOY - Der Graf -

480 Euro pro Post: Der Hamburger Instagrammer Eskimo finanziert so sein Hobby. Dahinter steckt aber viel Arbeit, erzählt er im N-JOY Interview.

Nico gilt als "Influencer". Auf dem sozialen Netzwerk folgen dem Hamburger 117.000 Accounts. Diese hunderttausend Menschen soll er mit hübschen Fotos von Städten und Cafés beeinflussen, wenn es nach Firmen geht. Die bieten ihm Aufträge an, bezahlen Anreise, Hotel und Spesen. Ihre Hoffnung: So das Image einer Stadt aufzubessern oder sie als Urlaubsziel in die Köpfe der Instagram-Gemeinde zu pflanzen.

Ein Influencer mit Gewissen

Für die Firmen ist es Werbung. Für Eskimo ist Reisen ein Hobby, das ihm dank seiner Follower bezahlt wird. Es wäre leicht, die Vergünstigungen anzunehmen und einfach nicht darüber zu sprechen. Doch Nico ist anders:

Ich markiere jegliche Werbeposts bei mir. Weil ich das möchte. Ich will, dass die Menschen, die mir folgen, wissen, dass ein Bild unter Werbung fällt. Ich habe eine Reichweite - 117.000 - und darunter sind viele Minderjährige und deswegen habe ich eine Verantwortung. Eskimo, Instagrammer

Es ist eine Gewissensfrage, die jeder Influencer mit sich selbst klären muss. Vor allem Mode- und Lifestyle-Instagrammer entscheiden sich oft dagegen, Werbegeschenke, Einladungen offen mitzuteilen und Postings, die sie für Firmen absetzen mit einem passenden Tag wie #Werbung, #Sponsored oder #Ad zu markieren. Der Marketing-Experte Thomas Knüwer hat ein Beispiel:

Es gab vergangene Woche ein Posting von Stefanie Giesinger. Sie ist Model, hat 2,8 Millionen Abonnenten und die bedankte sich für eine tolle Zeit im Vermont Hotel Vier Jahreszeiten. Es kann jetzt sein, dass sie das freiwillig gebucht und auch bezahlt hat. Die Wahrscheinlichkeit ist aber nicht sehr hoch. Und das war eben nicht gekennzeichnet. Thomas Klüwer, Marketing-Experte bei "kpunktnull"

Instagram als neue Primetime für Werber?

Unternehmen investieren nicht nur die Reise-, Übernachtungs- oder Produktkosten zum Beispiel für Hosen, Taschen oder Make-up. Instagrammer bekommen auch Geld für die Postings selbst. Das funktioniert ähnlich wie bei Fernsehwerbung: Bei großen Sendern kosten Werbeplätze mehr als bei kleinen.

Wieviel ein Instagram-Bild wert ist, errechnen Datenbanken. Ein Foto, das Reiseblogger Eskimo teilt, ist laut der Analyse-Webseite 480 Euro wert. Das etwa bekommt er auch, bestätigt Eskimo im N-JOY Interview. Bei Model Stefanie Giesinger schätzt die Webseite den Wert eines Fotos auf knapp 12.000 Euro.

Eine Zusammenarbeit mit Instagram-Stars kann also auch für Firmen schnell teuer werden und versteckte Werbung kann dem Ruf schaden. Das weiß auch das schwedische Möbelhaus Ikea. Sie arbeiten mit Insta-Influencern zusammen. Die Anzahl der Follower ist für die Zusammenarbeit nicht entscheidend, erklärt die Sprecherin. Wichtiger sei es, dass es eine echte Markenliebe gebe. Auch Ikea geht offen mit Werbung auf Instagram um:

Wir setzen fest, dass wir bei echter Vergütung, auch den Sponsored-Hashtag bekommen. Das muss offensichtlich benannt werden. Social-Media-Team, Ikea

Vorsicht vor versteckter Werbung

Nicht alle Instagrammer bestehen auf die Kennzeichnung von Werbung. Allerdings, das meint der Marketing-Experte Thomas Knüwer, erkennen die Nutzer mittlerweile platzierte Werbung. Der Experte rät zur Vorsicht: Versteckte Werbung gebe es weniger bei Accounts mit 2,5 Millionen Nutzern und auch nicht bei Accounts mit 350 Followern. "Aber der gesamte Mittelteil zwischen 10.000 und 250.000 Followern, da sollte man achtsam sein". Viele Profile, die gekaufte Posts nicht markieren, seien aber einfach erkennbar, erklärt Knüwer:

Wenn ich da jetzt eine junge Dame habe und die trägt ständig neue hochwertige Taschen, macht ständig Urlaub in der Karibik. Dann kann ich mir die Frage stellen: Ist ihr Papa tatsächlich so wohlhabend oder ist das Werbung? Höchstwahrscheinlich ist das alles einfach Werbung und bezahlt. Thomas Knüwer, Marketing-Experte

Je jünger, desto mehr Transparenz

Die Modemarke About You arbeitet viel mit erfolgreichen Instagrammern zusammen, auch mit Teilnehmern der Casting-Sendung Germanys next Topmodel. Nicht alle der Influencer verwenden Hashtags wie #Werbung oder #Anzeige, obwohl, das verrät Julian Jansen, der die Instagrammer bei About You betreut, das im Vertrag festgeschrieben ist. Die Marke muss sich absichern, bezahlte Postings müssen markiert werden, es gebe auch schon Gerichtsurteile dazu, erklärt er. Postings wie der von GNTM-Teilnehmerin Serlina Hohmann ohne Markierung dürfte es nicht geben. Seine Beobachtung: Vor allem die mittelalten Influencer, die die erste Social-Media-Welle noch mitbekommen haben, gehen mit der Kennzeichnung eher lax um.

Ich glaube, dass noch viele Influencer denken: 'Ach, das sieht doof aus, das muss ich ja jetzt nicht machen.' Julian Jansen, Head of Relationship-Marketing bei About You

Die jungen YouTuber, fasst er zusammen, haben diese Bedenken nicht, für sie sei es gang und gäbe, eine Anzeige zu kennzeichnen. Es ist die richtige Richtung: Denn markierte Werbung ist für alle fairer: für die Unternehmen, die Influencer und die Nutzer vor den Bildschirmen.

 

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