Das Logo von Facebook spiegelt sich in einem Auge © imago stock&people Fotograf: imagebrooker

Facebook: Durchsucht eure Freunde

von Dennis Bangert

"Zeig mir Fernsehserien, die meinen Freunden gefallen" und "Zeig mir Fotos von Single-Frauen aus meiner Umgebung" - solche Anfragen sind mit "Graph Search" bei Facebook bald möglich.

Facebook hat eine neue Funktion vorgestellt: "Graph Search". Die Suche scannt nicht primär das Internet nach passenden Ergebnissen, sondern eure Freunde. Die neue Facebook-Funktion sucht euch also nicht den passenden Wikipedia-Eintrag raus oder beantwortet eure Fragen zum neuen Blockbuster. Vielmehr nutzt Facebook seine wichtigstes Ressource für die Suche: seine Nutzer. Die Daten von über eine Milliarde Nutzern macht Facebook mit "Graph Search" durchsuchbar.

Durchsucht eure Freunde

Aber wie genau sehen solche Suchanfragen aus? Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gibt einige Beispiele. So sucht "Graph Search" die Antwort auf Suchanfragen wie "Fernsehserien, die meinen Freunden gefallen" oder "Fotos meiner Freunde aus 2009". Aber auch Ortsinformationen macht sich "Graph Search" zunutze. Anfragen wie "Personen, die gerne Fahrrad fahren und aus meiner Heimatstadt kommen" und "Restaurants in London, die Freunden gefallen" sind genauso möglich.

Datenschutz

Und der Datenschatz, auf den Facebook bei solchen Anfragen zurückgreifen kann, ist gigantisch. Eine Milliarde Nutzer haben 240 Milliarden Bilder hochgeladen und etwa eine Billion Verbindungen. Möglichen Beschwerden von Datenschützern begegnet Facebook offensiv und verkündete mit der Vorstellung der "Graph Search" auch gleich, dass die Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer natürlich beachtet werden. Ihr findet also nur die öffentlich zugänglichen Infos von Fremden oder eben die Beiträge eurer Freunde. Nicht-öffentliche Informationen bekommt ihr über die "Graph Search" also nicht. In Zukunft müsst ihr also noch stärker darauf achten, was ihr mit wem teilt.

Vom Dating-Portal und Daten-Exhibitionisten

Allerdings ist dieses Bewusstsein noch nicht bei allen Facebook-Nutzern angekommen. Die Fachseite Gizmodo hat die neue Funktion schon ausprobiert und nach "Gefällt mir"-Angaben mit rassistischem und sexistischem Hintergrund gesucht. Das schockierende Ergebnis: Selbst bei Fragen nach "Vergewaltigung" und dem Ku-Klux-Klan spuckte die Facebook-Suche Treffer aus - inklusive persönlichen Infos und Bildern zu den gefundenen Personen. "Graph Search" hat aber auch das Potenzial, Facebook zu einem fragwürdigen Dating-Portal zu machen. Denn Anfragen wie "Fotos von Single-Frauen aus meiner Nachbarschaft" oder "Single-Männer aus Braunschweig, die gerne Fahrrad fahren" sind natürlich auch möglich.

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Angriff auf Google?

In direkter Konkurrenz zu Google steht Facebook damit nicht – noch nicht. Für Anfragen, die "Graph Search" nicht aus eigener Kraft beantworten kann, hat sich Facebook allerdings mit Bing – der Suchmaschine von Microsoft – zusammengetan. "Graph Search" ist in erster Linie eine soziale Suche und liefert damit Ergebnisse, die Google - trotz des sozialen Netzwerkes Google+ - schlichtweg nicht bieten kann.

Offene Fragen

Viele Fragen bleiben auch nach der Präsentation von „Graph Search“ noch offen. Die vorgestellten Beispiele  haben sich bislang nur Facebooks-Metadaten zunutze gemacht – als Wohnort, Beziehungsstatus, "Gefällt mir"-Angaben und so weiter. Vollkommen offen ist, ob Facebook auch Status-Updates, Pinnwandbeiträge und Kommentare durchsucht und in die Treffer einbezieht. Das kritisiert auch Thilo Weichert der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein. Gegenüber der Nachrichtenagenur dpa sagte Weichert: "Ich finde das überhaupt nicht toll". Die erweiterte Suche führe seiner Meinung dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden".

Absehbare Aufreger

Ärger mit der neuen Funktion ist so gut wie sicher. Schließlich findet die Suche auch alte, schon längst vergessene und doch öffentlich gepostete Beiträge oder Fotos auf denen ihr markiert seid, ohne davon zu wissen. Das Problem: "Graph Search" gräbt auch diese längst vergessenen und unter tausenden von aktuellen Beiträgen vergrabenen "Leichen" aus und präsentiert sie der Öffentlichkeit – also auch dem potenziellen neuen Chef kurz vor eurem Vorstellungsgespräch.

Einen Starttermin für "Graph Search" gibt es wie immer noch nicht. Laut Facebook wird die Funktion in den kommenden Wochen und Monaten den Nutzern zur Verfügung gestellt. Interessierte können sich unter folgendem Link für das Betaprogramm von "Graph Search" anmelden.

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Jens611 schrieb am 18. Januar 2013 um 08:23 Uhr:

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Deine Facebook-Freunde sagen Dir auch, bei welcher Bank Du Dein Konto haben musst und welchen Sender Du hören sollst. Schau einfach auf die rechte Spalte, den Teaser, und Du weisst Bescheid. =... [mehr]

Neo schrieb am 17. Januar 2013 um 11:31 Uhr:

: Facebook: Durchsucht eure Freunde

George Orwell hat in dem Roman 1984 geschrieben übrigens 1948 die totale Überwachung thematisiert. Heute wird die Überwachung der Bürger/in durch den Staat ständig erweitert und die Überwachung und... [mehr]

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