Bild der Suchfunktion Graph Search von Facebook © Facebook

Facebook jetzt mit neuer Suchfunktion

von Dennis Bangert und Teja Adams

"Zeig mir Fernsehserien, die meinen Freunden gefallen" und "Zeig mir Fotos von Single-Frauen aus meiner Umgebung" - solche Anfragen sind mit "Graph Search" bei Facebook jetzt möglich.

Facebook macht seine neue Funktion "Graph Search" ab heute mehr Nutzern verfügbar. Die Suche scannt nicht primär das Internet nach passenden Ergebnissen, sondern eure Freunde. Um Graph Search in Deutschland nutzen zu können, müsst ihr euer Facebook-Profil unter "Kontoeinstellungen -> Sprache" auf "English (US)" umstellen. Allerdings kann es auch hier noch etwas dauern, bis allen Nutzern die neue Funktion so verfügbar gemacht wird. Wann die neue Suche auch Deutsch versteht, ist derzeit noch nicht klar.

Was macht die neue Facebook-Suche? Sie sucht euch nicht, wie klassische Suchmaschinen, zu einer Suchanfrage den passenden Wikipedia-Eintrag raus oder beantwortet eure Fragen zu einem neuen Blockbuster. Vielmehr nutzt Facebook seine wichtigstes Ressource für die Suche: seine Nutzer. Die Daten von über eine Milliarde Menschen macht Facebook mit "Graph Search" durchsuchbar.

Durchsucht eure Freunde

Aber wie genau sehen solche Suchanfragen aus? Ein Beispiel: "Graph Search" liefert die Antwort auf Suchanfragen wie "Fernsehserien, die meinen Freunden gefallen" oder "Fotos meiner Freunde aus 2009". Aber auch Ortsinformationen macht sich "Graph Search" zunutze. Anfragen wie "Personen, die gerne Fahrrad fahren und aus meiner Heimatstadt kommen" und "Restaurants in London, die Freunden gefallen" sind genauso möglich.

Datenschutz

Und der Datenschatz, auf den Facebook bei solchen Anfragen zurückgreifen kann, ist gigantisch. Eine Milliarde Nutzer haben 240 Milliarden Bilder hochgeladen und etwa eine Billion Verbindungen. Möglichen Beschwerden von Datenschützern begegnet Facebook offensiv und verkündete mit der Vorstellung der "Graph Search" auch gleich, dass die Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer natürlich beachtet werden. Ihr findet also nur die öffentlich zugänglichen Infos von Fremden oder eben die Beiträge eurer Freunde. Nicht-öffentliche Informationen bekommt ihr über die "Graph Search" also nicht. In Zukunft müsst ihr also noch stärker darauf achten, was ihr mit wem teilt.

Vom Dating-Portal und Daten-Exhibitionisten

Allerdings ist dieses Bewusstsein noch nicht bei allen Facebook-Nutzern angekommen. Die Fachseite Gizmodo hat in einem ersten Test die Funktion ausprobiert und nach "Gefällt mir"-Angaben mit rassistischem und sexistischem Hintergrund gesucht. Das schockierende Ergebnis: Selbst bei Fragen nach "Vergewaltigung" und dem Ku-Klux-Klan spuckte die Facebook-Suche Treffer aus - inklusive persönlichen Infos und Bildern zu den gefundenen Personen. "Graph Search" hat aber auch das Potenzial, Facebook zu einem fragwürdigen Dating-Portal zu machen. Denn Anfragen wie "Fotos von Single-Frauen aus meiner Nachbarschaft" oder "Single-Männer aus Braunschweig, die gerne Fahrrad fahren" sind natürlich auch möglich.

Angriff auf Google?

In direkter Konkurrenz zu Google steht Facebook damit nicht – noch nicht. Für Anfragen, die "Graph Search" nicht aus eigener Kraft beantworten kann, hat sich Facebook allerdings mit Bing – der Suchmaschine von Microsoft – zusammengetan. "Graph Search" ist in erster Linie eine soziale Suche und liefert damit Ergebnisse, die Google - trotz des sozialen Netzwerkes Google+ - schlichtweg nicht bieten kann.

Offene Fragen

Auch wenn die neue Suche jetzt in der englischen Sprachversion verfügbar ist, Facebook selbst sagt, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Und so bleiben noch einige Frage offen. Bislang nutzt "Graph Search" zum Beispiel hauptsächlich Facebooks-Metadaten – also Wohnort, Beziehungsstatus, "Gefällt mir"-Angaben und so weiter. Offen ist, ob Facebook in Zukunft so auch Status-Updates, Pinnwandbeiträge und Kommentare durchsucht und in die Treffer einbezieht. Das kritisiert auch Thilo Weichert der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein. Gegenüber der Nachrichtenagenur dpa sagte Weichert: "Ich finde das überhaupt nicht toll". Die erweiterte Suche führe seiner Meinung dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden".

Absehbare Aufreger

Ärger mit der neuen Funktion ist so gut wie sicher. Schließlich findet die Suche auch alte, schon längst vergessene und doch öffentlich gepostete Beiträge oder Fotos auf denen ihr markiert seid, ohne davon zu wissen. Das Problem: "Graph Search" gräbt auch diese längst vergessenen und unter tausenden von aktuellen Beiträgen vergrabenen "Leichen" aus und präsentiert sie der Öffentlichkeit – also auch dem potenziellen neuen Chef kurz vor eurem Vorstellungsgespräch.

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Aktuelle Kommentare
Jens611 schrieb am 18. Januar 2013 um 08:23 Uhr:

Facebook: Lass Dich beeinflussen

Deine Facebook-Freunde sagen Dir auch, bei welcher Bank Du Dein Konto haben musst und welchen Sender Du hören sollst. Schau einfach auf die rechte Spalte, den Teaser, und Du weisst Bescheid. =... [mehr]

Neo schrieb am 17. Januar 2013 um 11:31 Uhr:

: Facebook: Durchsucht eure Freunde

George Orwell hat in dem Roman 1984 geschrieben übrigens 1948 die totale Überwachung thematisiert. Heute wird die Überwachung der Bürger/in durch den Staat ständig erweitert und die Überwachung und... [mehr]

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