Jawbone UP und Nike Fuelband

Digitale Fitness-Armbänder im Test

von Teja Adams

Ihr tragt sie am Arm. Sie sind immer bei euch. Sie wollen ein Teil von euch werden. Die beiden Fitness-Armbänder Jawbone Up und Nike Fuelband wollen, dass ihr euch mehr bewegt, mehr aus eurem Alltag rausholt und gesünder lebt. Wie gut die beiden "Move your a.."-Bänder sind? N-JOY Redakteur Teja Adams hat sie zwei Monate lang für euch getestet.

"Ich gehe jetzt zum Sport." "Echt? Wer spielt denn?" - diesen Spruch habe ich mir zwar bei Fritz Brause auf Twitter ausgeliehen, aber er passt. Denn "Teja, der Hardcore-Sportler", das hat mir bisher keiner abgekauft. Wie so viele finde ich es toll, Sport zu machen - bei mir ist das meistens Joggen. Aber nach einem Acht-Stunden-Tag ist das Sofa dann doch immer so verdammt bequem. Und total ausgepowert ist es ja auch blöd, abends noch die Freunde zu treffen. Doch damit sollte jetzt Schluss sein.

Anfang des Jahres war der Entschluss da: Jetzt wird aktiv gesportlert. Und das kann ich vorwegnehmen: Trotz des wohl schlechtesten Zeitpunkts, um mit dem Laufen anzufangen - Regen, Regen und Regen -, habe ich Anfang Mai voller Stolz meine erste Runde um die Alster geschafft. Etwas zu dem Erfolg beigetragen haben sicherlich auch meine zwei Motivations-Gadgets, die mich seit ein paar Monaten begleiten: das Jawbone Up und das Nike Fuelband. Die beiden Fitnessarmbänder haben meine Aktivitäten protokolliert.

 

Fit durch Fitness-Armbänder?

- 06.06.2013 15:30 Uhr

Fitness-Armbänder sollen für mehr Bewegung sorgen. Mit der integrierten Elektronik wird permanent gemessen, wie aktiv ihr seid. Ob das den Schweinehund besiegt? Wir haben den Test gemacht.

Miss dich selbst!

"Quantified Self" heißt eine internationale Bewegung, die zwei Ziele hat: Das eigene Ich total vermessen und so gesünder, ausgeglichener und kontrollierter leben. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es inzwischen eine Vielzahl von Gadgets: Handy-Apps, intelligente Schuhe oder Alles-Protokollierende-Uhren (auch Apple arbeitet ja angeblich an einer Smartwatch). Gesund und sportliche leben soll so sexy werden. Und das Jawbone UP und Nikes Fuelband sind die neusten Vertreter dieser Bewegung. Außerdem sind sie ganz nebenbei für beide Unternehmen noch ein prima Marketing-Tool, um zu zeigen, wie modern zum Beispiel der etwas angestaubte Schuh-Hersteller ist.

Jawbone UP und Nike Fuelband
Das Nike Fuelband und das Jawbone UP.
Schlicht schwarz vs. knallig bunt
Das Nike Fuelband ist ein schlichter schwarzer Armreifen. Es gibt das Armband allerdings auch noch in den Ausführungen weiß und transparent. Über einen kleinen silbernen Verschluss an der Unterseite lässt sich das Fuelband öffnen. Gleichzeitig ist hier auch ein USB-Anschluss über den ich das Band aufladen kann. Ansonsten schlummert es vor sich hin und protokolliert, wie viel ich mich bewege. Über einen kleinen Knopf an der Oberseite kann ich das Band zum Leben erwecken. Dann zeigt es mir an, wie viel ich mich bisher bewegt habe, wie viele Kalorien ich verbrannt habe und - nettes Feature - wie spät es gerade ist. Das alles in einer sehr schicken leuchtend weißen LED-Anzeige.

Das Jawbone UP dagegen ist ein ganz anderer Typ. Es gibt das Band in acht Farben - von Mint Green bis Navy Blue - und es ist extrem biegsam. Beide Bänder sollt ihr auch unter der Dusche tragen können, allerdings hört mein Vermessungs-Wahn hier auf. Insgesamt ist das Jawbone UP viel schmaler als das Fuelband und hat daher auch keine Anzeige. Wie viel ich mich bewegt habe, das kann ich nur über die dazugehörige App kontrollieren. Rein von der Optik her ist das Jawbone UP für mich der Favorit. Es sieht aus wie ein sehr stylisches Armband. Und sehr oft wurde ich gefragt: "Was ist das denn für ein Band, das du da trägst?"

"Here are the Results of the Fuelband-Jury: Teja: 2.000 Fuel-Points!"

Screenshot der Nike Fuelband-App
Nikes App zeigt genau, wann ich mich wie viel bewegt habe - Kilometer und Kalorien inklusive.
Beide Bänder wollen mir dabei helfen, mehr aus meinen wahrscheinlich viel zu bewegungsarmen Alltag rauszuholen. Bei Nikes Fuelband lautet das Ziel: Fuel-Punkte sammeln. Diese Fuel-Punkte sind eine eigene "Währung", die Nike entwickelt hat, um unterschiedliche Sportarten untereinander vergleichen zu können. Über die App kann ich mein Tagesziel einstellen. Am Anfang bin ich mit 2.000 Fuel-Punkten gestartet. Wie viele ich erreicht habe, kann ich jederzeit über einen Druck auf das Armband überprüfen. Passend dazu gibt es eine Anzeige, die von rot nach grün geht - je nachdem wie nah an meinem Tagesziel ich schon dran bin. In den ersten Tagen habe ich mich dabei erwischt, dass ich ständig vom Sofa aufgesprungen bin, nur um mich noch etwas zu bewegen und mein Fuel-Punkte-Ziel zu erreichen.

Der Morgen beginnt mit einem Vibrieren

Beim Jawbone UP werden dagegen "nur" Schritt gezählt. Wie viele ich pro Tag erreichen will, kann ich auch hier über die App einstellen. Empfohlen werden mir 10.000 Schritte pro Tag und acht Stunden Schlaf. Ja, Schlaf protokolliert das UP auch. Über eine kleine Taste am UP kann ich zwischen Schlaf- und Wachmodus umschalten. Am Tag protokolliert das Band dann wie viele Schritte ich gemacht habe, wie viele Kilometer ich zurückgelegt habe und wie lange ich nur rumgesessen habe. Dabei lerne ich, dass ich an einem durchschnittlichen Bürotag ohne Joggen 6-7 Kilometer zurücklege. Ich kann auch einstellen, dass ein leichtes Vibrieren mich nach 15 oder 30 Minuten erinnert, dass ich mich mal wieder vom Bürostuhl hochbequemen sollte. Über die App kann ich detailliert nachvollziehen, wann ich mich wie viel bewegt habe.

Screenshot der Jawbone UP-App
Der "Intelligente Alarm" soll mich dann wecken, wenn ich gerade nicht tief schlummere.
Ähnlich ist es bei der Schlaffunktion. Sie zeigt mir an, wie lange ich geschlummert habe, wie schnell ich eingeschlafen bin und wie lange ich wachgelegen habe. Und sie zeigt mir im Kurvenverlauf, wie viele tiefe und leichte Schlafphasen ich hatte. Und hier kommen wir zu einem besonders netten Feature des UP, dem sogenannten intelligenten Alarm. Darüber kann ich einstellen, wann ich geweckt werden will. In einem Zeitfenster von bis zu 30 Minuten davor, weckt mich das UP dann auf, wenn ich gerade in einer leichten Schlafphase bin. Dadurch soll ich fitter in den Tag starten können. Geweckt werde ich dadurch, dass das Band vibriert. Am Anfang fand ich das so gewöhnungsbedürftig, dass ich mir immer noch zur Sicherheit meinen normalen Wecker gestellt habe. Inzwischen beginnt jeder Morgen für mich mit dem vibrierenden UP-Band. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass mich das Band jetzt nicht gerade in einer extrem leichten Schlafphase hochgescheucht hat. Auch erkennt das Band nicht, wenn ich zwar schon auf Schlafmodus geschaltet habe, allerdings noch ein Buch lese. Trotzdem: Die Schlafauswertung ist ein schickes Feature und hat schon einige Mal dazu geführt, dass ich eine Stunde eher ins Bett gegangen bin, nur um meine acht Stunden Schlaf zu bekommen und am nächsten Morgen in der App die leuchtenden 100% zu sehen.

Vollgepackte Apps

Beide Bänder kommen mit sehr schön gestalteten Apps, wobei mir die des UP persönlich noch etwas besser gefällt. Beim Fuelband kann ich meine Daten per Bluetooth synchronisieren, ein klarer Bonuspunkt. Beim UP muss ich eine kleine Hülle entfernen und das Band so über den Kopfhörereingang meines Smartphones verbinden. Beide Apps zeigen detailliert den Verlauf meiner Aktivitäten über den Tag (oder die Nacht) hinweg an. Über Twitter und Facebook habe ich mir bei beiden Bändern ein paar Mitstreiter aus meinem Freundeskreis gesucht. Das motiviert ungemein. Wenn ich nachmittags sehe, dass die Kollegin Maren schon 2.000 Schritte mehr hat, komme ich doch öfters mal ins Nachdenken und will abends noch eine Runde Joggen gehen.
Beim UP gibt es zusätzlich noch die Funktion zu protokollieren, was ich wann gegessen habe und wie viele Kalorien ich zu mir genommen habe. Das war am Anfang ganz spaßig, auch weil ich Produkte ganz einfach über den Barcode scannen kann. Nach ein paar Tagen habe ich aber die Lust verloren. Jedes Mal in der Kantine das Handy rauszuholen war nervig, die Mengenangaben einfach zu ungenau.

Screenshot der Jawbone UP-App
Wie nah bin ich dran an meinem Tagesziel? Die App verrät es.
Die Schrittzählung funktioniert bei beiden Bändern gut. Zumindest haben beide nach einem Tag Einsatz ungefähr die gleiche Anzahl Schritte angezeigt. Trotzdem: So genau wie Lauf-Apps wie "Runtastic" messen beide Bänder nicht. Die UP-Macher haben aber vor wenigen Wochen eine Integration von Dritt-Apps gestartet. So wird die Strecke, die ich mit "Runkeeper" gelaufen bin, automatisch im Newsstream der App angezeigt. Genauso erkennt die App, wenn ich über den Geo-Dienst Foursquare bei einem Restaurant eingecheckt habe, wo ich essen war. Was ich gegessen habe, und wie gesund oder ungesund das war, diese Daten muss ich aber wieder manuell eingeben.

Fazit: Wie viel Vermessung muss sein?

Für Gadget-Freunde sind diese beiden Bänder wohl das derzeit Trendigste, was um ein Handgelenk passt. Ich wurde sehr oft auf die Bänder angesprochen. Es macht Spaß zu sehen, wie viel ich mich tagsüber und nachts bewegt habe. Fest steht aber auch: Bei beiden Bändern habe ich das Gefühl, dass die Daten doch nur plus/minus-richtig sind und wohl keinen wissenschaftlichen Test Stand halten würden. Trotzdem erreichen beide ein Ziel: Ich bewege mich mehr und bewusster. Und es macht einfach Spaß am Abend zu sehen, wie nah ich an mein Tagesziel herangekommen bin. Günstig ist das nicht: Das Nike Fuelband kostet 139 Euro, das Jawbone UP gibt's für 129 Euro.

Beide Bänder haben ihre Vor- und Nachteile. Das Fuelband-System ist herrlich einfach: Alles was ich zu tun habe, ist täglich meine Fuel-Punkte zu erreichen. That's it! Das Jawbone UP dagegen liefert mir eine wahre Flut an Bewegungs-, Schlaf- und Ernährungsdaten, die mich am Anfang fast erschlagen hat. Trotzdem: Ich persönlich habe einen Sieger. Das Jawbone UP hat mich etwas mehr überzeugt, besonders die Schlaf-/Weckfunktion ist ziemlich cool - auch wenn ich die Uhr und Bluetooth-Funktion des Fuelband sehr vermissen werden. Und jetzt muss ich weg vom PC und mich bewegen, mein UP hat schon wieder vibriert.

 

Seite empfehlen:

Seite in sozialen Netzwerken empfehlen

Seite per Mail empfehlen

Sportlich per App

Sportapps auf dem Smartphone

Digitale Helfer: Mobil und fit dank Sport-Apps

Apps fürs Smartphone helfen beim Abspecken und Fitnessaufbau. MEHR

Appspecken

Screenshot verschiedener Apps auf dem Smartphone  Fotograf: Udo Lewalter

Kampf gegen Kilos: Viel Spaß beim Appspecken!

Eine App zum Abnehmen? Funktioniert das wirklich? MEHR

Noch mehr Apps

Smartphone mit Apps und Blitzen © fotolia.com Fotograf: Scanrail, Sergey Nivens

N-JOY.DE/APPS

Wir liefern euch das neuste Futter für euer Smartphone und sagen euch was App-geht. MEHR

Fitness-Apps

Fitness App Strecke

Fitness-Apps: Das Handy als Trainer

03.06.2013 | 20:15 Uhr / Das Smartphone motiviert mit detaillierten Statistiken zum Sport. MEHR

INDEX

A - E

F - L

M - O

P - S

T - Z