Jochen Dominicus bei der Gamescom in Köln.

Gamescom: "Free to Play" auf dem Vormarsch

von Jochen Dominicus

Ein weiterer spannender Tag auf der Gamescom liegt hinter mir. Und je mehr Entwickler mir begegnen, desto klarer wird mir die Richtung, in die die Gamesbranche wankt. Die Zukunft heißt für viele ganz klar "Free to Play".

Das System ist simple. Der Spieler bekommt das Game komplett gratis und darf zocken. Für zusätzliche Angebote muss er dann blechen. Cevat Yerli, einer der bekannten Yerli Brüder, die die Spieleschmiede Crytek (u.a. verantwortlich für Far Cry und Crysis) gründeten und damit zu Weltruhm gelangten, ist überzeugt von dem System: "Wir setzen bald nur noch auf Free to play, denn das ist unserer Meinung nach die Zukunft."

Aus Entwicklersicht ist diese Überlegung nachvollziehbar. Denn wie fasst es Cevat Yerli im Gespräch mit mir passend zusammen: "Früher hat von 10 Crysis Spielern nur einer die Originalversion gehabt und das Spiel gekauft. Der Rest besorgte sich das Game irgendwo illegal im Netz. Die Zielgruppe von Menschen ist also dementsprechend groß." Und genau an diese neuen (zahlenden) Spieler will der Crytek Firmengründer jetzt ran. Yerlis Rechnung ist dabei: "Unser Ziel muss sein, dass der Spieler innerhalb von sechs bis neun Monaten genau soviel Geld ausgibt wie früher für ein Spiel."

Langer Spielspaß ist Voraussetzung

Allerdings ist auch klar, dass die Kundschaft lange bei der Stange gehalten werden muss, damit der erste Rubel rollt. Yerli schätzt, dass ca. 10-20 Prozent aller Spieler bereit sein werden, zu bezahlen. Aber selbst dieser relativ geringe Anteil reicht, um den gewünschten Umsatz zu generieren. Langer Spielspaß ist nach Yerlis Meinung Voraussetzung für einen erfolgreichen "Free to Play"-Titel.

Die Blockbuster bei der Gamescom

Europas größte Videospielmesse in Köln öffnet am 15. August ihre Pforten. Im Gamescheck erfahrt ihr, auf welche Blockbuster ihr euch freuen könnt.

Regelmäßig müssen neue Erweiterungen angeboten werden. Während einige Spieletitel z.B. für Rüstungen, Gegenstände, bestimmte Autos oder auch neue Welten Bares vom Spieler verlangen, setzt Yerli auf den Zeitvorteil, den Spieler sich erkaufen können. Denn am Ende darf ein Spieler, der etwas bezahlt hat, nicht stärker sein als ein Spieler, der umsonst spielt. Der Zahlende kommt eben nur schneller an bestimmte Waffen oder Rüstungen ran als andere.  

Bekannte Titel setzen auf "Free to Play"

Aber nicht nur Cevat Yerli setzt mit seinem neuem Ego Shooter "Warface", den er auf der Messe präsentiert, auf "Free to Play". Auch die deutschen Macher von "Anno" haben in Köln eine entsprechende Version angekündigt. "Anno Online" soll den selben Umfang bieten, wie ein "normales" Anno. Für was wir am Ende aber bezahlen müssen, ist hier noch nicht bekannt. Für die Macher von "World of Warcraft (Blizzard)" ist "Free to Play" derzeit keine Option, wie mir Producer John Lagrave persönlich versicherte. Warum sollten sie auch, denn schließlich gibt es immer noch rund 9 Millionen Abonnenten die eine monatliche Gebühr zahlen, und das Add On "Mists of Pandaria" steht kurz vor Veröffentlichung.  

Auch Electronic Arts kündigte auf der Messe einen "Free to Play"-Blockbuster an. "Command and Conquer" nämlich. Auch der Branchenriese hat die Zeichen der Zeit erkannt und wird mit Sicherheit weitere große Blockbuster und neue Games als "Free to Play"-Varianten anbieten.  

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