Stand: 13.04.2015 14:30 Uhr | AutorIn: Fiete Stegers

Mit fünf Fragen Foto-Fakes entlarven

Ein Video, das angeblich den Germanwings-Absturz in den Alpen zeigt. Eine riesiger Tornado, der auf New York City zurollt. Ein kleines Mädchen, das angeblich verschwunden ist und von der verzweifelten Mutter per Facebook gesucht wird. Alle drei haben etwas gemeinsam: Sie zeigen nicht das, was versprochen wird.

Immer wieder begegnen euch im Internet Bilder, die auf den ersten Blick spektakulär oder schauerliche erscheinen. Gerade bei außergewöhnlichen Ereignissen oder Katastrophen sind darunter auch immer wieder gefälschte Fotos, die von Witzbolden oder zu Propagandazwecken eingestellt und von Unwissenden weiterverbreitet werden. So wie das angebliche Video der Germanwings-Explosion, das in Wirklichkeit ein ganz anderes Flugzeugunglück zeigt. Auch Journalisten fallen auf solche Fakes herein, wenn sie nicht sorgfältig arbeiten.

Eine Zeitung warnt auf Twitter vor einem gefälschten Bild.

Dabei ist es gar nicht so schwer, Bilder, Videos oder Informationen zu überprüfen. "Man braucht dafür in den meisten Fällen nur zehn Minuten Zeit", sagen Experten wie Craig Silverman. Das reicht natürlich nicht, um raffinierte und von langer Hand in Umlauf gebrachte Fakes zu enttarnen - aber es genügt, um nicht auf jeden Fälschung hereinzufallen. Denn das kann für einen selbst oder für andere böse Folgen haben: So kursierte nach dem Germanwings-Absturz das Facebook-Foto eines ganz anderen Mannes als angeblicher Absturz-Pilot im Netz, nur weil sich ihre Namen ähnelten.

MIt nur fünf einfachen Fragen, könnt ihr verhindern, dass ihr eine Fake-Falle tappt:

  • Kann das wahr sein?

    Gerade wenn euch beim Anblick eines Fotos schon ein "Wahnsinn!" durch den Kopf schießt: Haltet einen Moment inne und schaltet den gesunden Menschenverstand ein. Ist es realistisch, dass genau in diesem Moment ein Mensch auf den Auslöser gedrückt hat? Wenn das Foto ganz frisch sein soll: Entsprechen das Wetter und die Helligkeit dem aktuellen Wetter am angeblichen Ort der Aufnahme (Wetter-Website oder Webcam checken)? Passen die einzelnen Bestandteile des Fotos zueinander, oder wurde da offensichtlich mit Photoshop etwas zusammenmontiert? Und für Experten: Stimmen die Perspektiven, die Schatten auf dem Bild?

  • Wer hat das Bild gepostet?

    Aus welchem Facebook- oder Twitter-Profil ist das Bild zu euch gelangt? Hat der oder diejenige das Foto tatsächlich selbst gemacht oder wird es auch nur weiterverbreitet? Von wem stammt es dann? Guckt nach dem angegebenen Wohnort und lest die vorherigen Posts des Profils: Ist es wahrscheinlich, dass der Poster tatsächlich gerade in der Nähe des Ortes ist, an dem das Foto gemacht worden sein soll? Oder erkennt ihr jetzt schon, dass es sich um einen Witzbold handelt, der gerne böse Scherze oder Bildmontage weiterleitet?
    Auch bei ganz frisch angelegten Profilen, die noch kaum Freunde und Posts haben, solltet ihr vorsichtig sein. Wenn es sich um einen Promi, eine Organisation oder eine Firma handelt: Ist es tatsächlich das offizielle Profil oder womöglich eine Parodie? Ein Qualitätshinweis kann das blaue Häkchen sein, mit dem Facebook und Twitter die Echtheit überprüfter Profile garantiert. Eine Garantie ist das allerdings noch nicht - es gibt auch viele offizielle Profile ohne Häkchen.

  • Gibt es das Bild schon woanders?

    Die Google-Bilder-Suche funktioniert auch umgekehrt. Dazu müsst ihr auf das Foto-Symbol in der Suchzeile klicken. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder das Bild, das ihr überprüfen wollt, zuerst auf dem eigenen Rechner zwischenspeichern und dann in der Bild-Suche wieder hochladen. Oder direkt die Internet-Adresse des Bildes kopieren und diese Bild-URL in die Suchmaske einfügen. Google zeigt dann dann, auf welchen Web-Seiten es das gleiche oder ähnliche Bilder findet. Eventuell erlebt ihr dann eine Überraschung: Ein angeblich aktuelles Foto findet sich schon auf Jahre alten Seiten, weil es in Wirklichkeit eine ganz andere Situation als die beschriebene zeigt. Wer von uns kann schon auf Anhieb einen Vulkanausbruch in Asien von einem in Südamerika unterscheiden oder eine Szene aus dem Irak-Krieg von einer aus Syrien? Oder es finden sich andere Bilder auf glaubwürdigen Internetseiten, die das Geschehen bestätigen.

  • Sieht es da wirklich so aus? Ist das die richtige Person?

    Wenn ihr überprüfen wollt, ob ein Foto wirklich an einem bestimmten Ort aufgenommen wurde, könnt ihr die Karten-Funktionen bei Bing oder Google zum Vergleich heranziehen. Besonders die Satellitenbild-Ansicht oder Googles Street View helfen euch dabei, fragwürdige Fotos mit der tatsächlichen Umgebung abzugleichen. Bei Personen oder Organisationen könnt ihr gucken, ob diese eine offizielle Homepage haben. Dort könnt ihr dann mit etwas Glück sehen, ob alles tatsächlich so aussieht wie auf eurem verdächtigen Bild.

  • Was sagen die anderen?

    Wenn das Bild auf Facebook oder auf einer Internet-Seite gepostet wurde: Schaut nach, ob es schon Kommentare von anderen Nutzern dazu gibt. Auch bei Twitter können Reaktionen anderer Nutzer angezeigt werden: Klickt dazu auf die Zeitangabe des Tweets oder gebt die Internetadresse des Bildes in die Twitter-Suche ein. Wenn es sich um einen Fake handelt, tauchen in den Kommentaren meist schnell Zweifel auf - oder sogar schon der Hinweis, woher das Bild wirklich stammt.

1/600
Ein beeindruckendes Bild - aber leider ein Fake.

Das Foto, das die Freiheitsstatue angeblich inmitten des Hurrikans Sandy zeigt, ist ein idealtypisches Beispiel für einen Foto-Fake. Die spektakuläre Aufnahme erregt sofort Aufmerksamkeit und sieht trotz aller Surrealität der Szenerie noch überzeugend genug aus, um echt sein zu können. In Wahrheit handelt es sich bei dem Bild allerdings um eine geschickte Fotomontage - wie die Google Bildersuche schnell zeigt. Nicht nur, dass das Foto von vielen Medien als Fake entlarvt wurde, man stößt nach einiger Suche auch auf einen Teil des Originalfotos. Das Bild des Sturms schoss der Fotograf und Sturmjäger Mike Hollingshead am 28. Mai 2004 in Nebraska. Das beeindruckende Original ist auf seine Webseite Extremeinstability.com zu bestaunen. Dort haben es sich auch Unbekannte geholt und auf ein generisches Bild des New Yorker Hafens montiert.

Über Fälschungen und Falschmeldungen im Internet klären auch die Seiten Hoax-Info, Mimikama und Snopes auf.

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | 13.04.2015 | 14:20 Uhr

Multimedia - Neues aus der digitalen Welt

Welches Video ist angesagt? Was gibt's Neues von Facebook? Auf welche Technik-Highlights können wir uns freuen? In der Netzwelt gibt's topaktuell News und Hintergrundwissen aus der digitalen Welt. mehr

WLAN-Tuning: So surft ihr schneller

25.10.2016 14:50 Uhr

Im Zeitalter von Streaming und totaler Vernetzung ist es wichtig, den WLAN-Router korrekt einzustellen, um einen schnellen Datendurchsatz zu ermöglichen. Tipps fürs WLAN-Tuning. mehr

Die lustigsten 404-Seiten im Netz

24.04.2015 13:05 Uhr

Hillary Clinton beweist Humor und Kreativität - mit der "404"-Fehlerseite auf ihrer Website. Wir haben euch noch mehr kreative und lustige Fehlerseiten aus dem WWW gesucht. mehr

N-JOY
#

Lieblingssong? Teilen!
Achtung. Beim Klick auf das Facebook-Icon wird eine Verbindung zu Facebook hergestellt. Dabei werden bereits Daten an Facebook übertragen.
Songtitel posten: Facebook
00:00 - 06:00 Uhr  [Webcam]