
SimCity: Stadtplanung mit Macken
Zehn Jahre mussten sich Fans der "SimCity"-Serie gedulden. Jetzt erscheint offiziell der fünfte Teil der Städtebausimulation - allerdings mit ordentlich Startschwierigkeiten.
Wenn die Querelen um den neuen Flughafen in Berlin, der Ärger beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie oder das Münchner Transrapid-Projekt eines zeigen, dann das Städteplanung und Städtebau alles andere als einfach sind. Mit dem neuen "SimCity" könnt ihr jetzt beweisen, dass ihr es besser könnt - zumindest theoretisch.
Massive Serverprobleme beim Start
Wie der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit steht auch der Spieleverleger Electronic Arts in der Kritik. Der Grund: Zum Verkaufsstart lässt sich „SimCity“ einfach nicht spielen. Um die neue Städtebausimulation zocken zu können, braucht ihr nämlich nicht nur einen entsprechend leistungsfähigen PC, sondern auch eine permanente Verbindung zum Internet. Ohne Zugang zum Netz und der Anmeldung bei den Servern von EA lässt sich das Spiel nämlich gar nicht erst starten. Das Problem: Die Server sind dem Ansturm der Spieler nicht gewachsen gewesen und unter dem Nutzeransturm in den ersten Tagen komplett zusammengebrochen. Ärgerlich: Bei einem Spiel mit Online-Zwang sollte man wenigstens dafür sorgen, dass die Spieler zum Start auch zocken können und nicht in die Röhre gucken!
Licht und Schatten
Wenn ihr es dann einmal ins Spiel geschafft habt, erwartet euch eine komplexe Städtebausimulation mit vielen guten Ideen, aber auch einigen Neuerungen, die bei langjährigen Fans der Serie nicht gut ankommen werden. Zur ersten Gruppe gehört zweifelsohne die Kombination von Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen und Straßen zu einem System. Ihr müsst jetzt nur noch darauf achten, dass eure Gebäude über Straßen miteinander verbunden sind. Über diese Lebensadern werden eure Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete automatisch mit allem Notwendigen versorgt. Das nervige Verlegen von zusätzlichen Leitungen entfällt also. Dafür ist der Straßenbau selbst nicht so einfach. Vor allem bei unebenem Terrain verkommt es gelegentlich zur Glückssache, ob an der gewünschten Stelle wirklich eine Straße gebaut werden kann. Selbst kleine Hügel im Stadtgebiet zu planieren, ist nämlich nicht möglich. Weniger gut dürfte bei den Fans auch die drastische Beschränkung der Stadtgröße ankommen. Ihr könnt eure Stadt also nicht beliebig groß werden lassen. Stattdessen steht euch nur ein ziemlich begrenztes Areal zur Verfügung, dass relativ schnell zugebaut ist.
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Mehrspieler…
Neu in "SimCity" ist der Mehrspielermodus. Ihr bürgermeistert also nicht mehr alleine vor euch hin, sondern teilt euch ein Gebiet mit anderen Spielern. Wie funktioniert das? Bevor ihr eure Stadt gründet, sucht ihr euch eine aus mehreren Regionen aus. In diesen Gebieten stehen zwischen zwei und 16 Siedlungsplätze für Städte zur Verfügung, die von euch und euren Mitspielern beansprucht werden können. Das Besondere: Die Siedlungen einer Region interagieren miteinander. Entscheidet sich einer eurer Bürgermeister-Kollegen voll auf Industrie, Bergbau und Kohlekraft zu setzen, verpestet er nicht nur die Luft seiner Siedlung, sondern zieht auch eure Stadt in Mitleidenschaft. Alternativ: Erweitert ihr euer Rathaus um eine spezielle Tourismusabteilung, kommen auch alle anderen Bürgermeister der Region in den Genuss der dadurch freigeschalteten Spezialgebäude.
...mehr Spaß?
Der Fokus auf den Mehrspieler hat allerdings seinen Preis: Die ultimative, perfekte Stadt könnt ihr im neuen "SimCity" nicht mehr bauen. Dafür ist das Gebiet, das euch zum Bau eurer Stadt zur Verfügung steht, viel zu klein. Es lassen sich einfach nicht alle wichtigen Gebäude unterbringen. Ihr müsst eure Stadt also spezialisieren und mit den anderen Siedlungen in eurer Region kooperieren. So übernimmt Stadt 1 zum Beispiel die Müllentsorgung und stellt allen Gebieten in der Region Müllwagen zur Verfügung, Stadt 2 setzt den Fokus auf Bildung und Stadt 3 versorgt die Region mit Strom. Hier zeigt sich schon ein Problem: In der Theorie klingt das spannend, in der Praxis ist der Erfolg einer Stadt vom Verhalten eurer Mitspieler abhängig. "SimCity"-Fans, die ihre Stadt lieber allein bauen wollen, sehen sich schnell mit dem Problem konfrontiert, dass sie mehrere Städte in einer Region gleichzeitig ausbauen müssen, nur um ihre eigentliche Hauptstadt weiterentwickeln zu können. Das nervt schnell und macht nur bedingt Spaß.Fazit
Das neue "SimCity" strotzt vor guten Ideen. Die Kombination von Strom-, Wasser-, Abwasserleitungen und Straßen ist eine sinnvolle Neuerung, die jedem Städteplaner das Leben leichter macht. Dazu kommt die niedliche Optik mit ihrer Modelleisenbahn-Ästhetik, die einfach nur nett anzuschauen ist. Für Einzelgänger-Bürgermeister leidet die Langzeitmotivation allerdings unter dem Fokus auf den Mehrspielermodus. Das Fehlen der Riesenmetropolen schmerzt. Und habt ihr das Pech, in eine Region mit inaktiven Mitspielern oder sogar unsozialen Co-Bürgermeistern zu siedeln, könnt ihr ein Fortkommen im Spiel fast schon vergessen. Das neue "SimCity" ist ein Spiel mit Licht und Schatten, das sicherlich für einige Stunden großen Spaß macht. Schade: Entwickler Maxis hat ein wirklich gutes Multiplayer-Spiel abgeliefert, dabei aber leider den Singleplayer-Modus vergessen.
Stand: 11.03.2013 17:00 Uhr
N-JOY 