Hilfe, meine Eltern wollen ins Internet

von Katharina Rehlich

Es ist Montagabend und man hat es sich auf der Couch gemütlich gemacht, da klingelt das Handy. Es ist schon wieder Papa. "Hallo, hier ist Paps. Dein Onkel hat mir ein Foto von Omas 80. Geburtstag geschickt, aber ich kann es einfach nicht ausdrucken!" Und dann beginnt wie immer die Fehlersuche am Telefon. Hat Papa den Drucker an? Hat er den richtigen Drucker in den Einstellungen ausgewählt? Am Ende verlieren beide die Nerven und Papa muss warten, bis das Kind das nächste Mal zu Hause ist.

Aus der Ferne auf die Finger schauen

Kostenlose Desktop-Sharing-Programme (desktop, engl. = Schreibtisch/Arbeitsoberfläche, sharing engl. = Teilen) können helfen. Damit kann man sich ganz einfach auf Papas Computer einklinken und wie bei einer Fernsteuerung Maus und Tastatur übernehmen - und schont nebenbei auch noch die Nerven aller Beteiligten.

So geht's:

  • Zunächst müsst ihr beide das Programm auf eurem Rechner installieren. Vielleicht schafft Papa das selbst, wenn nicht, musst du ihm dabei helfen. Aber das ist dann wirklich das letzte Mal, dass du dafür vorbei kommen musst.

  • Wenn Papa dann das nächste Mal anruft, weil er ein Computerproblem hat, bittest du ihn, das Programm auf seinem Computer zu öffnen. Du setzt dich an deinen Rechner und tust es im gleich.

  • Damit sich nicht jeder beliebige auf Papas Rechner einschleichen kann und du nach dem Einwählen auch bei Papa landest, gibt es Sitzungsnummern bzw. Nutzer-IDs. Die verschaffen dir, zusammen mit einem jedes Mal neu generierten Passwort, Zugang zu Papas Desktop. Sein Bildschirm wird nun in Echtzeit auf deinen übertragen und du kannst mit der Fehleranalyse beginnen.

  • Klar, dass Papa mal wieder den falschen Drucker angewählt hat!

Viele der kleinen Programme bieten noch mehr Feature als das Desktop Sharing, zum Beispiel Videokonferenzen, Chats oder virtuelle Zeichenbretter. Bei manchen Anwendungen braucht euer Papa noch nicht mal mehr das Programm zu installieren, sondern kann per Link an der "Sitzung" teilnehmen.

Kostenlose Programme, die Desktop Sharing beinhalten:

  • Team Viewer

    Team Viewer ist das wohl populärste Programm im Bereich Desktop Sharing. Installieren, Benutzer-ID und Code eingeben, den die Person generiert, auf deren Computer sich eingewählt werden soll und einfach die Sitzung starten. Bis zu 25 Personen können daran teilnehmen, so kannst du gleich deine ganze Großfamilie coachen. Team Viewer ist leicht handhabbar und genau richtig für die Betreuung von Papas, Mamas, Opas und Omas.
    Adresse: www.teamviewer.com
    Bitte blättern...

  • CrossLoop

    CrossLoop ist eine gute Alternative zum Team Viewer. In einem Video wirbt der technische Leiter der Firma sogar mit dem Szenario, dass Mutti anruft und deine Hilfe braucht. Sympathisch! Denn genau so etwas suchen wir ja. Die Handhabung ist ähnlich einfach wie beim Team Viewer.
    Adresse: www.crossloop.com

  • VNC

    VNC steht für "Virtual Network Computing" und ist ebenfalls eine Software, die den Desktop eines anderen Rechners anzeigen kann. Das Betriebssystem spielt dabei keine Rolle. Sitzungen werden durch ein Passwort gesichert. VNC wird viel von Systemadministratoren in größeren Firmen genutzt, dient aber auch dem privaten Zwecke hervorragend.
    Adresse: www.realvnc.com

  • Mikogo

    Bei Mikogo kannst du Live-Meetings mit bis zu zehn Personen abhalten. Durch Verschlüsselung mit Sitzungsnummer und optionalen Sitzungspasswort ist das Programm eine sichere Nummer. Das Desktop Sharing als eine von mehreren Funktionen geht bei PC, Mac und Linux. Mithilfe des sogenannten HTML Viewer muss Papa noch nicht einmal ein Programm downloaden, sondern kann über einen Link an der Sitzung teilnehmen. Mikogo ist ein etwas umfangreicheres Programm und wird auch von Firmen genutzt.
    Adresse: www.mikogo.de

  • Open Meetings

    Open Meetings bietet neben Desktop Sharing Audio- und Videoübertragungen mit Aufnahmefunktion, ein virtuelles Zeichenbrett und eine Chat-Funktion. Auch dieses Programm ist recht umfangreich und wird oft an Universitäten eingesetzt, um Forschungsergebnisse abzugleichen oder Arbeitsgruppen zu koordinieren. Versuch doch mal, Papa damit zu koordinieren!
    Adresse: www.openmeetings.de

  • yuuguu

    Bei yuuguu kannst du mit deinen Chat-Kontakten den Desktop teilen und auch hier kann Papa über einen Link an der Sitzung teilnehmen und muss sich nicht extra ein Programm runterladen. Von den Funktionen her ist yuuguu eher auf Business-Anwender ausgerichtet, aber auch für simples Desktop Sharing geeignet.
    Adresse: www.yuuguu.com

1/1

 

Bei Mac OS und Windows ab Version 2000 ist Desktop Sharing bereits im System intergriert und heißt "Remote Desktop". Hier kann man sich allerdings nur innerhalb des jeweiligen Betriebssystems verbinden. Wenn der eine ein MacBook hat und der andere einen Windows-Rechner, funktioniert das also nicht. Für Einsteiger empfehlen wir eher eines der vorgestellten, kostenlosen Programme.

Was sind eure witzigsten Erlebnisse mit euren Eltern gewesen? Musstet ihr schon einmal erklären, wie man das Internet nutzt, skypt oder E-Mails schreibt? Schreibt uns eure Geschichten!

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