
Technik-Mythen im Check
Früher war der Schulhof ein Tummelplatz für Halbweisheiten ("Vom Tintenkiller bekommt man Krebs"). Heute ist der Schulhof etwas größer geworden und nennt sich World Wide Web. In diversen Foren werden Fragen und Antworten rund um das Thema Technik gestreut und es ist schwierig, eine Antwort auf seine Frage zu finden, die wirklich stimmt.
Josef Reitberger, Stellvertretender Chefredakteur von CHIP sorgt für Klarheit und deckt die größten Technik-Mythen auf.
-
Mythos 1: USB-Sticks muss man stets abmelden
Es ist anzuraten, USB-Sticks vor dem Abziehen immer abzumelden. Es gibt dafür zwei Gründe: Versucht ein Programm gerade, Daten auf den USB-Stick zu schreiben, wenn er abgezogen wird, können dabei nicht nur die gerade geschriebenen Daten verloren gehen, sondern es sind alle Daten auf dem Stick in Gefahr. Der zweite Grund ist, dass der USB-Stick mit dem Abmelden gewissermaßen ausgeschaltet wird, das heißt, er nimmt (fast) keinen Strom mehr aus der USB-Buchse auf. Die (geringe) Gefahr von Spannungsspitzen die den Stick beim Abstecken beschädigen könnten wird dadurch abgemildert.
-
Mythos 2: Bildschirmschoner sind energiesparend
Röhrenbildschirme: ja. Gewöhnliche LCD-Flachbildschirmen: nein. Bei letzteren ist der Energieverbrauch praktisch unabhängig vom dargestellten Bildinhalt. Bei LCD-Bildschirmen ist es sinnvoll, in der Systemsteuerung ein Abschalten des Monitors, zum Beispiel nach fünf Minuten, einzustellen.
-
Mythos 3: Sind Magneten eine Gefahr für USB-Sticks und Festplatten?
Für USB-Sticks: Nein – die Datenspeicherung auf USB-Sticks erfolgt nicht magnetisch und es gibt keine beweglichen Teile. Für Festplatten: Ja. Es ist zwar fast unmöglich, die Datenschicht einer modernen Festplatte mit einem gewöhnlichen Magneten zu löschen, aber die Mechanik in einer Festplatte ist sehr sensibel und kann durch den Magneten beschädigt werden.
-
Mythos 4: Den laufenden PC abschalten macht ihn kaputt
Nein. Es besteht nur die Gefahr von Datenverlust, wenn beim harten Ausschalten gerade Daten auf die Festplatte geschrieben werden (genau wie beim Absteck-Problem bei USB-Sticks).
-
Mythos 5: Funktionieren kaputte Festplatten wieder, wenn man sie ins Eisfach legt?
In sehr seltenen Fällen kann eine kaum noch auslesbare Festplatte ihren Inhalt wieder preisgeben, wenn sie gekühlt wird. Dabei muss man aber darauf achten, dass sich keine Kondens-Flüssigkeit in der Platte bilden kann. Eine Kühlung unter den Gefrierpunkt wäre ohne besondere Vorkehrungen (Festplatte luftdicht mit Silica-Gel oder anderem Trockenmittel verpacken) sogar sicher tödlich für die Festplatte, weil die Oberflächen in der Platte dann vereisen würden.
-
Mythos 6: Akkus im Kühlschrank aufbewahren und nie ganz ent- oder aufladen?
Nicht zu kühler Kühlschrank (z.B. acht Grad) oder Keller, Akku luftdicht in einem Gefrierbeutel verpacken, für längere Lagerung auf ca. 75 Prozent aufladen. "Ganz“ aufladen kann man Akkus in Notebooks oder Handys bzw. mit modernen Ladegeräten durchaus, weil die Ladeelektronik die Grenzen des Akkus kennt und einhält. Notebooks und Handys kann man auch ohne Bedenken benutzen, bis sie sich automatisch ausschalten – hier wacht die Elektronik ebenfalls über die Akkugesundheit. Eine wirklich vollständige Entladung, die man bei Notebook oder Handy erreicht, indem man sie nach der automatischen Abschaltung immer wieder einschaltet, macht jedoch jeden handelsüblichen Akku-Typ kaputt.
-
Mythos 7: Kann man zerkratze CD´s/DVD´s mit Zahnpasta reparieren?
In seltenen Fällen: Ja. Zahnpaste wird die Oberfläche einer CD abschmirgeln und stumpf machen. Übertreibt man den Zahnpastaeinsatz, wird die CD dadurch komplett unlesbar. Bis zu einem gewissen Grad lassen sich störende Kratzer auf der CD-Oberfläche damit aber beseitigen, mit Glück wird die Scheibe damit wieder lesbar.
-
Mythos 8: Verlieren Drucker bei der Benutzung von Patronen von fremden Herstellern die Garantie?
Wenn ein Schaden am Drucker durch den Einsatz der Fremd-Tinte entstanden ist, dann ist er nicht durch die Hersteller-Garantie abgedeckt. Oft geben jedoch die Tinten-Anbieter eine entsprechende Garantie. Schäden, die nicht durch die Fremd-Tinte entstanden sind, wirken sich nicht auf die Garantie aus. Schwierig ist im Einzelfall der Nachweis, was genau der Schadensgrund ist.
-
Mythos 9: Muss man Windows alle paar Jahre neu installieren damit es nicht langsam wird?
Nicht grundsätzlich. Wer regelmäßig Programme ausprobiert und viel installiert und deinstalliert, der wird einen deutlichen Verlangsamungseffekt erleben. Wer aber dauerhaft mit einer festen Auswahl von Programmen arbeitet, der braucht über eine Neuinstallation zur Geschwindigkeitssteigerung nicht nachzudenken.
-
Mythos 10: Sind teure Kabel besser als billige?
Nein nicht generell. Bei analogen Signalkabeln (z.B. den gewöhnlichen Stereo-Chinch-Kabeln oder bei den blauen VGA-Monitor-Kabeln) bringen große Querschnitte, starke Abschirmung und vergoldete Kontakte eine mess- und manchmal auch hör- oder sichtbare Verbesserung der Qualität. Hunderte oder gar tausende von Euro braucht man aber auch bei Analog-Kabeln nicht auszugeben. Digitale Kabel verhalten sich digital: Bild und/oder Ton werden über die Kabelverbindung entweder verlustfrei, also perfekt, übertragen oder es gibt deutlich hör- und sichtbare Fehler, zum Beispiel kreischende Tonstörungen, sehr störendes weißes Grießeln oder gar kein Bild. Meine Empfehlung zum Beispiel für HDMI-Kabel: Erst das billigste verfügbare kaufen (z.B. 1,8 Meter für drei Euro) und nur wenn es damit Probleme gibt zum nächst höherwertigen Kabel greifen.
N-JOY