Lupe auf Computerbildschirm © dpa - Bildfunk Fotograf: Oliver Berg dpa

PC-Spionage am Arbeitsplatz

Der durchsichtige Bürger ist noch Fiktion, den durchsichtigen Mitarbeiter gibt es schon lange - vor der IT-Abteilung eines Unternehmens ist nichts geheim.

Kurz mal die privaten Mails checken, bei Facebook ein Status-Update posten, nach Amazon-Angeboten suchen und nachlesen ob der Lieblingsverein am Wochenende in Bestbesetzung aufläuft – und das alles während der Arbeitszeit. Aber die Technik-Abteilung liest alles mit.

Wir haben mit dem Sicherheits- und Datenschutzexperten Nils Christian Haag von Intersoft Consulting Services gesprochen und die wichtigsten Fragen geklärt: Dürft ihr während eurer Arbeitszeit überhaupt privat im Netz unterwegs sein und – vor allem – was kann die IT-Abteilung alles mitlesen?

  • Was weiß die IT-Abteilung über mich?

    IT-Mitarbeiter können in einem Unternehmen grundsätzlich alles sehen - von gespeicherten Daten über den Internetverkehr bis hin zu den E-Mails selbst. Grob technisch gesprochen: Der System-Administrator kann heutzutage an der Schnittstelle zum Internet ablesen, wer wann welche Webseite aufgerufen hat und kann dementsprechend auch auf einzelne Mails zugreifen. Die Betonung liegt hier auf "kann" - das heißt noch lange nicht, dass er das auch darf. Aber die Technik ermöglicht das in der Regel.

  • Kann die IT sowohl private als auch dienstliche E-Mails mitlesen?

    Grundsätzlich lässt sich nur schwer trennen, welche Mails privat und welche dienstlich sind. Wenn ich meinen dienstlichen Mail-Account auch für private E-Mails nutze, dann kann die IT auch diese privaten Mails sehen.

  • Kann der System-Administrator auch sehen, was genau ich auf einer Webseite gemacht habe?

    Mit den Standard-Konfigurationen lassen sich Eingaben bei Webmailern im Internet wie Googlemail, Web.de oder Gmx nicht nachverfolgen. Es ist durchaus denkbar, dass auch Tastatureingaben verfolgt werden. Technisch ist das kein Problem. Es gibt entsprechende Programme, mit denen man den kompletten Netzwerkverkehr abhören kann. Aber da geht die Überwachung dann schon eine Stufe weiter.

  • Für die Standard-Überwachung braucht die IT-Abteilung also keine besonderen Programme?

    In der Regel nicht. Wer welche Internetseite wann besucht hat, lässt sich ganz einfach an der Firewall oder am Proxy ablesen. Wenn ein IT-Mitarbeiter das möchte, kann er problemlos sehen, von welchem Rechner welche Webseite aufgerufen wurde.

  • Werden diese Daten auch gespeichert?

    Diese Infos werden im Allgemeinen auch gespeichert. Hier liegt es an den Unternehmen genaue Regelungen zu treffen, was und auch wie lange die Daten gespeichert werden und zu welchem Zweck dann wieder in die Daten reingeguckt werden kann. In der Regel darf der IT-Mitarbeiter das nämlich auch nicht. Aber stichprobenartig können Unternehmen da schon reingucken – um zum Beispiel zu überprüfen, ob sich die Mitarbeiter an getroffene Absprachen zur Internetnutzung am Arbeitsplatz halten.

  • Was ist denn, wenn es im Unternehmen keine Absprachen zur privaten Internetnutzung gibt?

    Wenn es da keine Einschränkungen gibt, ist das Unternehmen rechtlich in der Lage eines Telekommunikationsunternehmens wie die Telekom. Das hat zur Folge, dass das Unternehmen das Telekommunikationsgeheimnis waren muss. Ohne Weiteres darf sich der Arbeitgeber also nicht Daten seiner Angestellten angucken. Hier müsste sich das Unternehmen die schriftliche Zustimmung seiner Angestellten holen, dass die Internetnutzung stichprobenartig kontrolliert wird.

  • Was ist denn, wenn der Arbeitgeber die private Nutzung des Internets untersagt, ich aber trotzdem mal privat surfe? Ist das schon Grund genug für eine fristlose Kündigung?

    Eine fristlose Kündigung  nicht. Es sei denn, es hat sich dabei um strafbare Handlungen gehandelt. Arbeitsrechtliche Schritte – zum Beispiel eine Abmahnung – sind aber in jedem Fall möglich. Als Arbeitgeber hätte man es rechtlich viel einfacher, wenn man die private Nutzung komplett verbietet. Dann braucht man keine Zustimmung für etwaige Kontrollmaßnahmen. Aber die meisten Arbeitgeber haben nichts gegen die private Nutzung. Dann muss das Unternehmen aber auch ganz klar kommunizieren, wie kontrolliert wird.

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