
Max Herre – "Hallo Welt!"
Max Herre hat wieder Bock auf Rap! Nach seinem Ausflug in die Singer-Songwriter-Musik legt der Mann aus dem Schoß der Kolchose wieder ein astreines Hip Hop-Album vor. Heiß gemacht hat uns der schöne Max schon vor Monaten, als erste Album-Trailer im Netz kursierten und ihn bei der Arbeit im Studio mit so namhaften Kollegen wie Clueso, Samy Deluxe, Marteria, Patrice, Cro oder Aloe Blacc zeigten. Das ließ wahrlich Großes erwarten. Und jetzt erblickt sein drittes Soloalbum tatsächlich das Licht der Welt.
Auf 17 Songs verbreitet Max Herre seine Vision von Rapmusik im Jahre 2012. Und in der gibt es weder Genregrenzen noch Spartendenken. Stattdessen gibt es Songs mit melodiös-poppigem Anstrich, die aber trotzdem die nötige Coolness und Rap-Attitüde versprühen, z.B. das sozialkritische "Aufruhr" feat. Patrice & Fetsum oder auch das druckvolle "Jeder Tag zuviel" feat. Antonino, das an "Gravel Pit" vom Wu-Tang Clan erinnert.
Das im Titeltrack "Hallo Welt!" angesprochene "Erbe von FK auf seinen Schultern" ist dennoch unüberhörbar. "Mach kaputt, was dich kaputt macht" rappt er da zusammen mit Samy Deluxe auf "Einstürzen Neubauen" als Hommage an die Politrocker der 70er und frühen 80er "Ton Steine Scherben". Und Max belässt es nicht nur bei Referenzen, er covert auch komplette Songs. Sehr gelungen zum Beispiel seine Version vom Lenny Kravitz-Klassiker "It Ain't Over 'Til It's Over", bei Max heißt das dann konsequenterweise "Nicht vorbei, bis es vorbei ist". Nur seine Fistelstimme klingt teilweise etwas gewöhnungsbedürftig. Etwas trutschig ausgefallen ist allerdings "So wundervoll" in Anlehnung an Joe Cockers "You Are So Beautiful".
Ein absoluter Volltreffer ist dafür das herrlich old-schoolige "1992", das auf das Wesentliche reduziert mit Beats, Raps und fettem Basslauf auskommt. Eine weitere Perle ist "Fühlt sich wie Fliegen an" mit Clueso und Rap-Überflieger Cro. Der schöne Retro-Anstrich, die sanften Chöre und der funky Basslauf sorgen für einen geschmeidig groovenden Sound. Auch das in seiner Blues-Instrumentierung scheinbar von Michael Kiwanuka inspirierte "DuDuDu" ist ein richtiger Seelenstreichler und handelt von Max Herres turbulenter Ehe mit Joy Denalane. "Man schätzt nicht wert, was man hat und bis man merkt, was man hatte, ist die weg, die man mag", rappt er da.
Uns hat eindeutig die poetische Rapmusik von Max Herre gefehlt. Deshalb sagen wir "Hallo Max, schön dass du wieder da bist!"
N-JOY