Stand: 12.10.2017 16:22 Uhr | AutorIn: Dhala Rosado & Judith Böse

Weinstein-Skandal: Missbrauch in Hollywood

Missbrauchs-Skandal in Hollywood: Harvey Weinstein, einer der wichtigsten Filmproduzenten der Traumfabrik, soll über Jahrzehnte Frauen sexuell bedrängt und missbraucht haben. Und das Schlimmste: Es war kein Geheimnis. Was passiert ist, wer seine Opfer waren und bei welchen Filmdrehs der Mann seine Macht ausgenutzt hat:

Seit die Vorwürfe gegen Weinstein öffentlich geworden sind, brodeln Hollywood und die US-Medien. Weinstein wurde gefeuert. Seine Frau hat sich von ihm getrennt. Eine riesige Debatte über die Machenschaften reicher, mächtiger Männer und das kollektive Schweigen wurde losgetreten. Die New Yorker Staatsanwaltschaft steht unter Druck, weil sie Weinstein trotz Ermittlungen der Polizei 2015 nicht angeklagt hat. Journalisten berichten, von ihm selbst und Weinstein-Freunden wie Matt Damon oder Russell Crowe unter Druck gesetzt, bestochen und an Veröffentlichungen gehindert worden zu sein. Langjährige Weggefährten wie Meryl Streep, Leonardo DiCaprio, Lena Dunham, Kate Winslet, Mark Ruffalo und Politiker wie Barack Obama und Hillary Clinton haben sich inzwischen öffentlich von ihm distanziert. Weinsteins Anwalt wies die Vorwürfe der Frauen zurück, wie auch der Produzent anfangs. Inzwischen befindet er sich in Therapie und sagte:

Ich erkenne an, dass die Art, wie ich mich in der Vergangenheit gegenüber Kolleginnen verhalten habe, viel Schmerz verursacht hat, und ich entschuldige mich aufrichtig dafür. Harvey Weinstein

Was ist passiert?

Monatelang recherchiert der NBC-Reporter Ronan Farrow an seiner Geschichte. Er findet 13 Frauen, die ihm erzählen, sie seien von dem Hollywood-Mogul sexuell belästigt oder missbraucht worden - zwischen den 90ern und 2015. Ein paar von ihnen wollen sogar vor der Kamera über ihre traumatischen Erfahrungen sprechen. In mindestens acht Fällen soll Weinstein Geld gezahlt haben, damit die Frauen schweigen. 16 ehemalige und aktuelle Mitarbeiter von Weinstein geben vor Farrow zu, von den Taten gewusst oder sie sogar mitbekommen zu haben. Alle - Opfer und Mitwisser - sagen, sie hätten aus Angst vor den weitreichenden Beziehungen des Produzenten geschwiegen. Trotz all der Erkenntnisse weigert sich der berühmte US-Sender, die Geschichte zu veröffentlichen. Warum? "Da müssen Sie NBC fragen", sagt Farrow in einem Interview. Kurz darauf erscheint in der New York Times ein Artikel mit ähnlichen Erkenntnissen. Farrow geht mit seinen Recherchen zum New Yorker und das Magazin veröffentlicht fünf Tage später. Seitdem melden sich immer mehr Opfer zu Wort - hier nur einige Geschichten.

Gwyneth Paltrow: "Emma" & "Shakespeare in Love"

Die Schauspielerin verdankt dem Produzenten ihren Durchbruch. 1996 gab er ihr die Hauptrolle in der Jane-Austen-Verfilmung "Emma". Vor den Dreharbeiten soll er sie in seine Hotelsuite in Beverly Hills eingeladen haben. Dort soll er sie angefasst und Massagen im Schlafzimmer vorgeschlagen haben. "Ich war ein Kind, ich hatte unterschrieben, ich war wie versteinert", erzählt Paltrow in einem Interview. Sie lehnte ab, erzählte ihrem damaligen Freund Brad Pitt von dem Vorfall und der konfrontierte Weinstein. Danach sei sie von diesem unter Druck gesetzt worden sein, niemandem mehr davon zu erzählen und aus Angst, gefeuert zu werden, hielt sie den Mund. Drei Jahre später bekam sie einen Oscar für ihre Rolle in "Shakespeare in Love" - eine weitere Weinstein-Produktion.

 

Angelina Jolie: "Leben und Lieben in L.A."

Zu Beginn ihrer Karriere in den 90ern habe auch sie eine üble Erfahrung mit Weinstein gehabt. Er soll sie in einem Hotelzimmer belästigt haben, woraufhin sie entschied "nie wieder mit ihm zusammenzuarbeiten", schrieb sie der New York Times in einer Mail. 1998 spielte sie eine Rolle in "Leben und Lieben in L.A.". Damit wurden zwei Ex-Partnerinnen von Brad Pitt von dem Hollywood-Mogul belästigt. Trotzdem hat der Schauspieler selbst noch zwei Filme unter Weinstein gedreht: "Inglorious Bastards" und "Killing Them Softly".

 

Rose McGowan: "Sin City" & "Deathproof"

Sie bekam 1997 bei einer außergerichtlichen Einigung wohl 100.000 Dollar, nachdem es während eines Filmfestivals zu einem "Vorfall" in einem Hotelzimmer gekommen sein soll. Damals war sie 23 Jahre alt und schweigt bisher zu den Details. Es wird vermutet, dass sie damals eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben musste.

 

Mira Sorvino: "Beautiful Girls"

1996 soll er sie in einem Hotelzimmer massiert haben und ihr hinterhergelaufen sein. Einige Wochen später sei er mitten in der Nacht in ihrer Wohnung aufgetaucht und wäre nur gegangen, als Sorvino sagte, ihr Freund sei ebenfalls auf dem Weg. Das berichtete sie dem New Yorker. Auf Twitter forderte sie andere auf, "die Kultur der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung" zu beenden.

 

Rosanna Arquette: "Pulp Fiction"

Wieder ein Hotelzimmer in den 90ern, wieder Massagewünsche und sexuelle Berührungen: Rosanna Arquette erzählte der New York Times und dem New Yorker ihre Geschichte. Weinstein habe sie rein gebeten, um dort ein Drehbuch abzuholen. Empfangen habe er sie im Bademantel. Auf ihre Ablehnung hin soll er ihr gesagt haben, sie mache einen Fehler. Für Arquette ist diese Situation Grund eines Karriereknicks gewesen. Weinstein sei nachtragend und wolle Leute zum Schweigen bringen.

 

Ashley Judd: "Crossing Over"

Dieselbe widerliche Geschichte auch bei der Top-Schauspielerin Ashley Judd: eine Frühstückseinladung ins Hotel, ein Weinstein im Bademantel, sexuelle Belästigung. "Ich habe nein gesagt, auf viele verschiedene Weisen, sehr oft", aber er habe sie immer weiter bedrängt.

 

Cara Delevingne: "Tulpenfieber"

Auch das Topmodel hat jetzt ausgepackt. Weinstein soll sie vor einigen Jahren angerufen und über ihre Sexualität ausgequetscht haben. "Er sagte mir, wenn ich homosexuell wäre oder entschiede, mit einer Frau zusammen zu sein, würde ich niemals eine Rolle als heterosexuelle Frau bekommen oder es als Schauspielerin in Hollywood schaffen", schrieb Delevingne auf Instagram. Jahre später lockte Weinstein wohl auch sie bei einem beruflichen Treffen in sein Hotelzimmer, forderte sie auf eine Frau zu küssen und versuchte auch, sie selbst zu küssen. Sie sei gegangen und als ihr eine Rolle in "Tulpenfieber" angeboten worden sei, habe sie sich "furchtbar" gefühlt.

 

Asia Argento

Ihre Vorwürfe sind besonders schokierend: Die Italienerin war 21 Jahre alt und in ihrer Heimat schon ein Star, als sie Weinstein 1997 auf einer Party kennenlernte. Sie landete aber nicht auf einer Party, sondern wurde wohl von ihm alleine in einem Hotelzimmer empfangen, wo er sie vergewaltigt habe. Argento: "Es war ein Albtraum!"

 

 

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N-JOY | 12.10.2017 | 12:20 Uhr

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