Schlüssel-Piktogramm an einer Hauswand. © NDR Fotograf: Thomas Nief

Mysteriöse Kachelkunst in Bad Oldesloe

von Thomas Nief

Die etwas über 24.000 Einwohner von Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein sind verwirrt. Was hat es mit diesen Piktogrammen auf sich? An Brücken, Mauern und Wänden tauchen kleine Hinweise im DIN-A4-Format auf, die aus kleinen Fliesenplatten zusammengeklebt sind. Und es werden immer mehr.

Darauf zu sehen sind Abbildungen, die in unmittelbarer Verbindung zu ihrer Umgebung stehen. So hängt ein Kleiderbügel vor dem heimischen Waschsalon oder eine Lokomotive vor der Eisenbahnbrücke. Die Mosaike haben aber noch etwas gemeinsam: Sie alle besitzen an der Ecke ein Plättchen, dass farblich nicht zum Rest passt. Die meisten hängen auf Kniehöhe, fallen also auf den ersten Blick nicht auf. Den Bewohnern sind sie natürlich nicht entgangen und doch bleibt das Rätsel über die Herkunft.

Kunst mit Köpfchen

Fatma Cicek betreibt einen Sicherheits- und Schlüsseldienst. Vor einigen Wochen wurde vor der Eingangstür ein Piktogramm mit einem Schlüssel an die Hauswand geklebt. "Nein, das nehmen wir nicht ab. Sieht doch schön aus - außerdem ist es Kunst und Werbung für unseren Laden zugleich.“ Und tatsächlich wollen die meisten Betroffenen die Bilder nicht entfernen. In ihren Augen ist diese Kunst simpel und effektiv, passend zum eigenen Geschäftsmodell.

Von Bad Oldesloe in die Welt

Auch Karin Krug vom Schuhgeschäft Armbruster ist positiv überrascht: "Das ist doch eine witzige Idee. Es könnte eine neue Ära des Graffitis sein. Von dieser Art der Kunst habe ich schon mal gehört. Das wurde dann weltberühmt. Warum sich der Kollege gerade Bad Oldesloe ausgesucht hat, weiß ich nicht. Unser Ort ist eigentlich sehr verschlafen – aber man fängt ja klein an.“ Und tatsächlich gab es in den 90er-Jahren ähnliche Aktionen eines Franzosen, der zunächst die Pariser Umgebung, dann die Metropolen Barcelona, New York, London, Tokio und Melbourne mit Fliesen-Figuren des Computerspiels "Space Invader“ tapezierte. Seine Arbeit findet heutzutage viele Nachahmer, die in über 50 Städten aktiv sein sollen. Auch Bad Oldesloe gehört nun dazu.

Polizei bleibt gelassen

Die örtliche Polizeistelle sieht noch keinen Handlungsbedarf, obwohl auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Motiv einer Videokamera hängt – ein klares Signal? "Nein, angegriffen fühlen wir uns davon nicht“, sagt Polizeichef Michael Langpaap. "Für mich hat das auch einen künstlerischen Beigeschmack.“ So locker sieht es allerdings nicht jeder. Bislang hat ein Hauseigentümer Strafanzeige erstattet und fordert 10.000 Euro Schadensersatz. Langpaap und seinen Kollegen sind die Hände gebunden: "Wir haben noch keinerlei Hinweise auf den Täter, also warten wir vorerst ab.“ Und bis dahin wird fleißig weiter gefliest!

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