
Studenten in Not
"Es kann doch nicht sein, dass das BAföG-Amt auf Kredite bei der Bank verweist!" regt sich Diana Kaufmann auf. Zu Recht. Sie ist BAföG-Beraterin beim AStA (Allgemeiner Studierenden Ausschuss) in Kiel. Viele Studenten sind auf die finanzielle Unterstützung angewiesen, müssen aber gerade sehr lange auf die Bearbeitung warten. Durch die vielen Neu-Studenten im letzten Semester verzögert sich die Antragsbearbeitung oft um Monate. Kaufmann empfiehlt eine Abschlagszahlung zu beantragen. Doch von dieser Zwischenlösung wissen die meisten gar nicht.
Aus der finanziellen Not heraus wenden sie sich oft an private Banken. Für die Studentenkredite werden hohe Zinsen fällig. Aber ohne Geld lässt es sich halt auch nicht leben.Grund für die Verzögerungen bei der BAföG-Bewilligung sind sicherlich die Doppel-Abiturjahrgänge und der Wegfall der Wehrpflicht. Allein in Schleswig-Holstein ist der Antragsaufwand laut Kieler Nachrichten um 36,2 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen und die Mitarbeiter kommen kaum hinterher.
Aber eigentlich sollte spätestens nach sechs Wochen jeder eine Rückmeldung erhalten, der seine ausführlichen Unterlagen eingereicht hat. Nach maximal zehn Wochen sollte die erste Zahlung kommen.
Die Realität sieht für die meisten anders aus
Claus-Georg Nolte, VWL-Student aus Freiburg, hat alle Unterlagen pünktlich zum Semester-Beginn (Oktober 2011) eingereicht und bis heute keine Rückmeldung erhalten. Nachdem er vor ein paar Tagen noch mal persönlich nachgehakt hat, "... hat der Berater den noch unbearbeiteten Antrag aus seinem Stapel gezogen ..."
Er kann frühestens Ende Februar mit der ersten Zahlung rechnen.
Auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heißt es:
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist ein Garant dafür, dass Jugendliche und junge Erwachsene eine ihrer Eignung und Neigung entsprechende Ausbildung absolvieren können - auch unabhängig davon, ob die finanzielle Situation ihrer Familie diese Ausbildung zulässt oder nicht.
Klingt in der Theorie total plausibel, aber die Praxis sieht ganz anders aus. Viele Leute warten vergeblich auf die wichtige Unterstützung. Manche müssen vorübergehend bei Freunden unterkommen, weil sie sich aus finanziellen Gründen keine eigene Wohnung leisten können. Oder Sie müssen so viel nebenbei jobben, dass sie sich nicht auf ihr Studium konzentrieren können.
"Ich habe nur durch Zufall von Freunden erfahren, dass es eine Überbrückungsmöglichkeit gibt“, sagt Claus-Georg Nolte. Der Student regt sich über die mangelnde Transparenz auf. Das Schlimme ist, dass zu viel Zeit vergeht, die für Studenten bares Geld bedeutet. "Ich finde es erschreckend, wie schwerfällig die Antragsprozedur trotz moderner Technik und EDV ist.“Viele Leute schrecken auch einfach vor der Bürokratie zurück. Verdienst der Eltern, Freibeträge, Nebentätigkeiten, Vermögenswerte etc.
Obwohl viel mehr Anträge eingehen als in den vergangenen Jahren gibt es nicht mehr Personal. Das wäre aber notwendig, um die Antragsflut besser zu bewältigen.
Tipp: Dranbleiben! Immer wieder persönlich beim zuständigen Studentenwerk nachhaken und sich nicht vertrösten lassen.
Ansonsten heißt es: abwarten und sparsam leben. Hoffentlich kommt dann bald die wichtige Unterstützung.
Stand: 25.01.2012 16:47 Uhr
N-JOY