
Macht digital doof?
Google, Navi und Co. machen unser Leben leichter. Sie helfen uns durch den Großstadtjungle und haben immer eine passende Antwort auf unsere Fragen parat. Oft heißt es dann aber: Technik an, Gehirn aus. Rudolf Kammerl ist Professor für Medienpädagogik an der Universität Hamburg und erklärt, welche Auswirkungen die digitalen Medien auf unser Lernverhalten und Gedächtnis haben.
N-JOY XTRA: Früher konnte ich alle wichtigen Telefonnummern auswendig und habe mir Wege auf dem Stadtplan eingeprägt. Heute erledigen das Handy und Navi für mich. Was macht das mit unserem Gedächtnis?
Professor Kammerl: Bei Telefonnummern merke ich mir ja nur eine Zahl und das machen wir nach wie vor bei der EC-Karte, vielleicht der Immatrikulationsnummer oder bei Geburtsdaten.Bei der Orientierung kann das etwas anders sein. Wenn wir uns in der Stadt zurechtfinden müssen, wird zum einen die Orientierungsfähigkeit trainiert, zum anderen geht es auch um die Fähigkeit Stadtpläne und Karten zu lesen. Da werden Bereiche gefordert, die mit der Lesekompetenz zu tun haben, also der Fähigkeit, Informationen aus den Karten zu ziehen. Und wenn das nicht geübt wird, dann könnte diese Fähigkeit tatsächlich ein bisschen verkümmern. Auch beim Thema Taschenrechner kann man das beobachten. Da ist ganz klar: Kopfrechnen hat auch etwas damit zu tun, wie regelmäßig man diese Fähigkeit trainiert.
Das Internet ist ja ein Ozean an Informationen. Alles ist in Windeseile gegoogelt. Sind wir heute deswegen schlauer als früher?
Wir können schneller Antworten auf unsere Fragen im Alltag finden. Das heißt aber nicht unbedingt, dass wir dadurch schlauer sind. Die Antworten, die wir bekommen, sind schnell wieder vergessen und sind halt nur im jeweiligen Zusammenhang wichtig. Ob wir schlauer sind als früher, hängt damit zusammen, ob wir in der Lage sind, die Qualität der Informationen einzuschätzen. Wissen wir, ob Informationen wahr oder für uns von Bedeutung sind? Haben wir das Vorwissen, um Informationen einordnen zu können? Es geht auch um Wissen über Suchmaschinen, also wie zum Beispiel Google, die Internetseiten auswählt, die uns angezeigt werden. Wer Suchmaschinen schlau nutzt, hat einen klaren Vorteil und profitiert von den Informationen, die das Internet bereit hält.
- Teil 1: Unendliches Wissen?
- Teil 2: Macht digital doof?
Stand: 13.01.2012 12:00 Uhr
N-JOY