Schüler im Abiturstress © dapd

Im Turbo zum Abi - geht das gut?

Schulangelegenheiten sind in Deutschland Ländersache und da wird munter ausprobiert. Doch eines sollen alle machen: das Abitur nach acht Jahren Gymnasium - auch "G8" genannt. Eltern schlagen Alarm: ihre Kinder hätten wegen G8 keine Zeit mehr für Hobbys, seien gestresst und ausgepowert. In einigen Bundesländern, wie Hamburg, hat das "Turbo-Abi" Doppeljahrgänge produziert. Und die wollen jetzt mit dem Studium beginnen. Hinzu kommt, dass auch Wehrdienst und Zivildienst erstmals wegfallen.

Ist Deutschland überhaupt bereit für das G8-Abi und was bringt es? Ein Plädoyer dafür und eines dagegen.

PRO

Deutsche Schüler sind im internationalen Vergleich ziemlich alt, wenn sie das Abitur machen. Deutschland ist dadurch in der globalisierten Welt weniger konkurrenzfähig. Es wird also höchste Zeit für das G8-Abi. Thüringen und Sachsen zeigen, wie es geht: Seit Jahren machen die Schüler dort das "Turbo-Abi" und stehen im Bundesländervergleich ausgezeichnet da (siehe IW-Bildungsmonitor). Die Schüler können nach G8 schon früher Geld verdienen und haben mehr Zeit, um beispielsweise ein freiwilliges Jahr einzuschieben. Die Schulen müssen sich nur gut auf die verkürzte Abi-Zeit einstellen und den Lehrplan verschlanken. Die Schüler werden sich daran gewöhnen und sich über ein freies Jahr freuen. Und zu guter Letzt: der Staat spart Geld und kann das in die Weiterbildung der Lehrer stecken. Am Ende kommen die deutschen Schüler dann jünger, besser ausgebildet und stresserprobt auf den internationalen Arbeitsmarkt.

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Abiturprüfung © dapd

Turbo-Abi in Deutschland

In welchen Bundesländern gilt schon die G8-Regelung? Eine interaktive Übersicht bei tagesschau.de. MEHR

CONTRA

Gegen G8 spricht, dass Schüler nun tagsüber wesentlich länger in der Schule sein müssen. So fällt kostbare Zeit für Hobbys, Familie und Freunde weg. Die Schulen sind auf den neuen Nachmittagsunterricht schlecht vorbereitet: es fehlt an Möglichkeiten, warmes Mittagsessen zu bekommen und eine ordentliche Pause zu machen. Der Lernstoff bleibt der gleiche - so bleibt weniger Zeit um ihn zu verstehen, zu besprechen und richtig zu lernen. Für sehr gute Schüler ist das vielleicht kein Problem, weniger gute leiden jedoch unter dem enormen Leistungsdruck. Viele würden lieber wieder um 15, statt um 17 Uhr nach Hause gehen, denn Hausaufgaben fallen ja auch noch an. Ein Schüler der nach zwölf Jahren Abitur macht hat mindestens eine 50-Stunden-Woche und das schon im jungen Alter von 14 Jahren. Er arbeitet also mehr als die meisten Erwachsenen.

 

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Hintergrund

Warum verkürztes Abi?

G8 bedeutet acht Jahre Gymnasium. Statt bisher 13 Jahre dauert die Schulzeit bis zum Abitur also nur noch 12 Jahre. Mit der Schulreform sollen deutsche Schüler im internationalen Vergleich konkurrenzfähiger gemacht werden. Während beispielsweise Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen schon die neue Regelung eingeführt haben, warten Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz noch bis 2016. Der Lernstoff soll dabei identisch bleiben, trotz kürzerer Zeit.

Bildergalerien

Schülerin mit Migrationshintergrund an einer Mittelschule. © dpa

Wie lange lernen die anderen?

Rundumverpflegung, drei Monate Sommerferien und Abitur schon mit 17. Andere Länder, andere Sitten. So halten es Finnland, China und andere mit der Schulbildung. MEHR

G8-Abi: Sinnvoll oder Wahnsinn?

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