
Telefonzellen - ein Kult stirbt
Die Telefonzelle stirbt einen langsamen Tod. Immer mehr ihrer Art werden eingestampft. Der Deutschen Telekom zufolge hat sich die Zahl der Telefonhäuschen seit 2007 auf 60.000 Exemplare halbiert. Dabei hat der Ein-Quadratmeter-Kasten eine ereignisreiche Geschichte hinter sich - und berühmt ist er auch noch.
Graham Bell meldete 1876 sein Patent zur elektrischen Tonübertragung an und wird daher als "Der Erfinder des Telefons" gehandelt. Eigentlich, und das wissen die wenigsten, gilt aber der deutsche Physiker Philipp Reis als heimlicher Erfinder des Telefons. Bereits 15 Jahre vor Bell präsentierte er einen Prototypen der Öffentlichkeit. Dafür baute er ein Ohr nach: ein Trommelfell aus Wursthaut und das Gehörknöchelchen aus Metallstreifen. Und es funktionierte!
Ganz egal, wer nun den meisten Senf dazugegeben hat. Beide Erfinder hätten wohl niemals damit gerechnet, dass bald fast jeder Bürger mit einem Telefon in der Tasche herumlaufen würde. Denn Telefonieren wurde in seinen Anfängen eher als Spielerei abgetan, weil man der Auffassung war, dass Menschen lieber von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen würden. Eine totale Fehleinschätzung! Das Quasseln per Telefon war in kurzer Zeit so beliebt, dass 1881 das erste öffentliche Telefonnetz für Ortsgespräche in Berlin in Betrieb genommen wurde. Die ersten öffentlichen Fernsprecher folgten im selben Jahr. Sie waren in Postfilialen untergebracht.
Zwar gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts Pläne für Telefonzellen, aber einen wirklichen Durchbruch erlebten sie erst in den 1920er Jahren. Die Nachfrage war sogar wesentlich höher als das Angebot. So stand an jeder Telefonzelle der Slogan "Nimm Rücksicht auf andere - fasse dich kurz!". Noch mehr Telefonzellen-Facts gibt's hier ...
Und rund um den Globus ist die Telefonzelle das Objekt für Weltrekorde à la "Wie viele Menschen passen in eine Telefonzelle?" Im Moment halten 16 Schottinnen den Rekord. Tipp: Möglichst kleine, dünne Menschen nehmen.
Diese blaue Telefonzelle ist der Star der britischen Fernsehserie "Doctor Who". Das Besondere: Sie ist eine fiktive Raum-Zeit-Maschine und heißt TARDIS (Time And Relative Dimension(s) In Space). Irre!
Die höchste Telefonzelle der Welt steht im Himalaya in 6.363 Metern Höhe. Wer also Mama und Papa vom Kraksel-Triumph erzählen möchte - kein Problem!
Die nördlichste Telefonzelle steht angeblich in Norwegen am obersten Zipfel des Landes im Örtchen Honningsvag. Damit man sich nicht zu lange darin aufhält, ist sie unten rum schön luftig gestaltet. Hach, wenn da der kalte peitschende Wind rein geht - herrlich!
In Deutschland wechselten die Telefonzellen ziemlich oft die Farbe. 1932 gab es die erste "Dienstanweisung" (hört hört!), wie denn nun die Farbe von Telefonzellen sein soll: Gelb-Blau - die Farben der Deutschen Reichspost. Erst in der Nachkriegszeit wechselten sie zu rein gelb.
Aber nicht nur in Sachen Farbe gab's Veränderungen. Auch in der Namensgebung war man sehr kreativ. Von "Fernsprechkiosk" über "Fernsprechzelle", "Fernsprechpavillion" oder "Straßensprechstelle" einigte man sich 1927 auf die Bezeichnung "Fernsprechhäuschen". Allerdings kam das in der Alltagssprache nie so richtig an. Da blieb sie schlicht die Telefonzelle.
Mitte der 80er-Jahre gab es in Westdeutschland etwa 130.000 Telefonzellen. Allerdings waren die Dinger für die Deutsche Post ziemlich unrentabel. Die jährlichen Betriebskosten lagen bei über 250 Millionen D-Mark. Dennoch, kaum zu glauben, etwa 2,3 Millionen Haushalte waren auf die Telefonzellen angewiesen. Nach der Wende wurden es noch mehr. Mitte der 90er gab es sogar 160.000 der Fernsprechkästen.
Seit der Gründung der Deutschen Telekom 1992 bekamen die Telefonhäuschen nach und nach einen neuen Anstrich - aus gelb wurde grau-magenta.
1999 wurden mit Telefonzellen noch eine Milliarde Gespräche geführt. 2010 waren es nur noch 120 Millionen. Tendenz weiter fallend. Könnte eventuell an dieser Smartphone-Pest liegen. Nur so ein Gedanke.
Natürlich hat die Telekom die Ausstattung der Telefonzellen fortwährend modernisiert. In den 90er-Jahren waren die Kartentelefone ganz groß in Mode. Viele sammelten sogar die bunten Kärtchen. Die neusten Fernsprechsäulen verfügen inzwischen über ein Touchscreen und sind internetfähig. Dennoch gibt es in Deutschland nur noch etwa 60.000 ihrer Art.
Auch in Filmen übernahmen Telefonzellen einen wichtigen Part. Im Film "Bill & Ted - verrückte Reise durch die Zeit" legen Keanu Reeves und Alex Winter ihre Zeitreise in einer Telefonzelle zurück.
Unvergessen auch der Film "Nicht auflegen!". Nie war eine Telefonzelle so im Mittelpunkt einer Handlung. Stuart, gespielt von Colin Farrell, nutzt eine bestimmte Telefonzelle, um seine Geliebte anzurufen. Nachdem er eines Tages das Turtelgespräch beendet, klingelt es in der Zelle - Stuart nimmt ab und der Alptraum beginnt. Eine Stimme sagt ihm, dass er getötet wird, wenn er auflegt oder die Telefonzelle verlässt. Also, niemals an klingelnde Telefone in Telefonzellen gehen!
Und rund um den Globus ist die Telefonzelle das Objekt für Weltrekorde à la "Wie viele Menschen passen in eine Telefonzelle?" Im Moment halten 16 Schottinnen den Rekord. Tipp: Möglichst kleine, dünne Menschen nehmen.
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