
Tierheime am Limit
Die Tierheime im Norden platzen aus allen Nähten. Die Weihnachtszeit ist zwar schon lange vorbei, aber nun trudeln die ersten tierischen Weihnachtsgeschenke in den Tierheimen ein – erfahrungsgemäß erreicht die Rückgabewelle zu Ostern ihren Höhepunkt. Wir haben nachgefragt: Wie schlimm ist die Lage in den Tierheimen tatsächlich?
Besonders schlimm trifft es bereits jetzt das Tierheim Berlin-Falkenberg, das größte Tierheim Europas. Derzeit werden dort 1.350 Tiere versorgt, knapp 200 Tiere mehr als sonst, für die eigentlich gar kein Platz ist. In Braunschweig, Kiel und Hannover ist die Lage nicht besser. Mittlerweile bitten viele Tierheime auch schon um Decken- und Futterspenden.
Wie es dazu kommt? Nach den Weihnachtsfeiertagen kommen viele der tierischen Weihnachtsgeschenke wieder direkt zurück zum Tierheim, oder werden zum Beispiel an Autobahnraststätten ausgesetzt. Es sind überwiegend Hunde, Katzen, Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen, aber auch Nutztiere, wie Esel landen in den Tierheimen. Schnell weitervermittelt werden oft nur junge und niedliche Tiere. Es warten unzählige unerzogene Zwei- und Vierbeiner, Kampfhunde, aber vor allem alte und kranke Tiere auf ein Zuhause und ein Herrchen oder Frauchen mit Herz.
Der Hamburger Tierschutzverein hat extra zwei Tage vor Weihnachten einen Vermittlungsstopp eingerichtet. "Die Gefahr, dass unsere Tiere als spontanes Weihnachtsgeschenk missbraucht werden und nach ein paar Wochen wieder bei uns landen, ist einfach zu hoch“, sagt René Olhöft vom Hamburger Tierheim.
Vor allem die Vermittlung der Kampfhunde, der sogenannten Kategorie-1-Hunde, zu denen auch American Pit Bull und Staffordshire Terrier gehören, ist problematisch. Laut Hundegesetz dürfen diese Tiere nicht nach Hamburg vermittelt werden, ausschließlich nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen, da sie in der Hansestadt als "gefährlich“ eingestuft werden. Im letzten Jahr wurden nur drei von ihnen erfolgreich vermittelt. "Wir vermitteln nicht um jeden Preis, wir verkaufen hier keine Jeanshosen“, sagt Tierpflegerin Anja Ohlerich.
Zusätzlich zu den im Tierheim lebenden Tieren, fängt das Hamburger Tierheim jährlich 700 wilde Katzen ein. Dort werden sie kastriert, mit einem Chip markiert und wieder an ihrer Futterstelle ausgesetzt. Die Dunkelziffer der auf der Straße lebenden Katzen liegt allerdings bei ca. 15.000 Katzen. "Es darf keine permanente Überbelegung der Tierheime geben“, sagt Johannes Bartelt von den "Grünen“ und fordert eine allgemeine Kastrationspflicht von streunenden Katzen ein, um der Überbelegung der Tierheime entgegenzuwirken.
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Stand: 08.02.2012 11:00 Uhr
N-JOY 