
Aufgeschwatzt! Psychotricks beim Einkauf
Wir kennen das alle: Beim Kauf von einem Paar Schuhen soll man am Ende noch die passende Schuhcreme kaufen, beim Friseur wird an der Kasse noch zur passenden Pflege geraten und im Café heißt es: "Darf es noch ein Stück Kuchen zum Kaffee sein?"
"Ja gern", sollte man dann eigentlich antworten, "gibt es das umsonst?"
Schließlich klingt es ja so, als sei dieser Service mit inbegriffen - ist er aber gar nicht, und viele fallen trotzdem drauf rein. Die angebotenen Produkte sind nämlich keine Gratis-Zusatzleistung, sondern müssen käuflich erworben werden und sind meistens auch noch teurer als sonst.
Die Verkäufer werden ausdrücklich darauf geschult und überall da, wo es Kundenkontakt gibt, kann diese Strategie auch eingesetzt werden: an der Käsetheke im Supermarkt genauso wie in der Tankstelle, aber auch beim Kauf von Versicherungen oder sogar beim Arzt.
Wir haben mit Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale über die Tricks im Einzelhandel gesprochen.
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Herr Valet, in welchen Bereichen wird dieser Trick angewendet?
Das geht querbeet durch den Einzelhandel: in Cafés, im Supermarkt, an der Tankstelle. Zum Teil ist den Kunden gar nicht klar, dass diese Produkte dann auch Geld kosten. -
Was genau steckt hinter dem Trick und warum funktioniert er so häufig?
Für den Verbraucher ist es in dieser Situation einfach schwieriger, Nein zu sagen. Nein gilt als negatives Statement. Viele trauen sich auch nicht, abzulehnen, weil es ihnen vor anderen peinlich ist, zuzugeben, dass sie sich das Produkt nicht leisten können oder wollen. Genau das wird ausgenutzt, um die Verbraucher in eine Situation zu bringen, in der sie unter Zugzwang stehen. Indem direkt nach einer erbrachten Leistung, wie beispielsweise Haare schneiden, zu einem Produkt geraten wird, wird dem Käufer suggeriert, die Zusatzleistung würde den Kauf erst komplett machen.
An der Kasse möchte man schnell wieder gehen und steht unter Zeitdruck, weil die Schlange hinter einem drängt. Hier wird gezielt auf mehreren Ebenen ein psychologischer Druck aufgebaut, um daraus Gewinne zu erzielen. -
Wie kann man damit umgehen?
Verkaufssituationen sind immer emotionale Situationen, das Rationale wird ausgeschaltet. Man sollte sich genau überlegen, ob man das Produkt braucht. Für den Einzelhandel ist es nämlich besonders attraktiv, wenn Produkte gekauft werden, die eigentlich nicht auf dem Einkaufszettel standen.
Der Verbraucher muss auf Augenhöhe agieren und sich nicht unter Druck setzen lassen. Bei größeren Anschaffungen ist es ratsam, sich noch eine zweite Meinung einzuholen. Generell gilt: stark bleiben und die Ruhe bewahren. -
Gab es schon mal Beschwerden oder Abmahnungen in diesem Zusammenhang?
Marketing-Tricks sind natürlich ein wichtiges Thema bei uns. Verwandte Felder sind sogenannte Mondpreise: Preise werden durchgestrichen oder überklebt, die für dieses Produkt niemals verlangt wurden. Oder rote Preisschilder, die grundsätzlich die Assoziation wecken, etwas wäre günstiger. Weitere Psychotricks sind Sonderflächen oder eine geschickte Platzierung, die uns glauben macht, Produkte wären besonders preiswert.
Verkäufer werden ja von der Geschäftsführung dazu angehalten, gezielt Produkte aufzudrängen. Es ist allerdings nicht verboten, dem Verbraucher noch was aufzuschwatzen, sondern gängige Marketingschule. -
Wenn man im Nachhinein das Gefühl hat, man hätte nur aus Affekt gekauft, darf man vom Rückgaberecht Gebrauch machen?
Im normalen Einzelhandel gibt es nur dann ein Rückgaberecht, wenn das Produkt einen Mangel aufweist. Möchte man das Produkt trotzdem zurück geben ist man auf die Kulanz des Händlers angewiesen. Im Internet hat man häufig ein längeres Rückgaberecht ohne Angabe von Gründen.
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Gibt es noch andere Bereiche, bei denen diese Strategie zum Einsatz kommt?
Die Verbraucher sind solchen Marketingtricks nicht nur im Einzelhandel ausgeliefert. Auch bei Versicherungen oder im Gesundheitswesen greift es um sich und da muss man natürlich besonders aufpassen, weil es sich um größere Beträge dreht.
Beim Arzt etwa sind es die sogenannten Igel-Leistungen, die von der Kasse nicht mehr übernommen werden und auch der Arzt, der ja für viele eine besondere Vertrauensperson ist, kann natürlich an sein Geschäft denken. Nahrungsergänzungsmittel werden häufig aufgeschwatzt, obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist.
Auch bei Versicherungen sollte man sich vorher Rat bei den Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest einholen, um Fehlinvestitionen zu vermeiden.
Stand: 16.07.2012 16:20 Uhr
N-JOY
Man fällt drauf rein
Wenn die Frage gleich mit den passenden Antworten versehen wird. Zu Zeiten der Nichtdigitalkameras frage mein Händler immer: "Möchten Sie einen oder zwei Filme mitnehmen?". [mehr]
Lieber User, der Artikel beruht auf einem Gespräch mit einem Experten der Verbraucherzentrale und gibt nicht in erster Linie meine Meinung wieder. Bei den beschriebenen Verkaufstricks geht es auch... [mehr]
Es es an jedem selbst, wieviel Zusatzleistung er haben will und zuläßt.
Wo steht geschrieben daß man bei betreten eines Ladengeschäftes das Hirn ausschalten muß. Wer 1 + 1 nicht zusammen rechnen kann, sollte besser ganz zuhaus bleiben. Niemand hat was zu verschenken,... [mehr]
Gute Infos!
Finde ich wirklich interessant, was der Experte berichtet und empfielt. Ich werde stark bleiben: "Nein!" [mehr]