Cover: Chima – "Stille" © Copyright Control / Edition Ace Magnets / Edition Vierundsiebzig / Universal Music Publishing Germany

Chima – "Stille"

von Katja Kiessling

Gestatten: Chima mit "Tsch". Einige werden den Frankfurter mit den nigerianischen Wurzeln noch von den Brothers Keepers kennen. Seit ihrem Anti-Rassismus-Song "Adriano" ist es aber sehr still um Chima geworden. Doch diese Stille will er jetzt durchbrechen. Mit insgesamt 13 Songs voller Alltags-Poesie und schlichter Schönheit. Die erste Single "Morgen" bringt auf den Punkt, warum es bei Chima zuletzt nicht so richtig lief: "Alle haben Ziele, machen ihr Ding, und was ist mit mir?" Er kriegt den Arsch nicht hoch, statt seine Träume zu verwirklichen, schiebt er sie vor sich her. Dazu kommen Existenzängste, Geldsorgen und die Verantwortung für seinen kleinen Sohn.

Doch Chima will nicht länger rumsitzen und auf sein Glück warten. "Ich hab mir was zu beweisen, dieses Bedürfnis sitzt tief / Heute geh ich aufs Ganze, keine Angst mehr vorm Verlieren", heißt es da in "Risiko", einer charmanten Synthie-Pop-Nummer. Um im darauffolgenden Song "Fliegen" dann auch schon das erste Erfolgserlebnis zu verzeichnen: "Countdown, Staubwolken, Schnitt! Ich lass alles hinter mir / Lasse alle Stricke reißen, vertraue auf mein Tier / Ich siege, ich atme, ich will mich vermehren / Nahe der Unendlichkeit kann ich mich spüren: Ich fliege!" singt er da zu sphärischen Dubstep-Klängen. Eine sehr auffällige und überraschende Nummer, mit die stärkste vom Album. Bei der zurückhaltenden Ballade "Dich zu lieben" setzt Chima wiederum auf Akustik-Gitarre und Klavier, musikalisch klingt das Ganze sehr entspannt, der Text ist allerdings bitterböse: "Du willst meinen Schaden und ich wünsch deinen so sehr / Ich reiß dich mit, auch wenn ich alles verlier / Denn dich zu lieben ist wie mich zu hassen. Du kannst mich nicht verbiegen, du musst mich lassen." Ganz anders der Song "Kleinigkeiten", ein Duett mit Lary, deren Gesang fast schon betörend-sirenenhaft klingt. Die untypische Instrumentierung mit Akkordeon und der sexy-sinnliche Text sorgen für schöne Kontraste.

Wertung

Für Fans von: Clueso, Tim Bendzko, Max Herre

Chima hält von Anfang bis Ende ein solides Niveau, da ist kein einziger schlechter Song drauf. Aber eben auch kein wirklich herausragender, der noch lange nachhallt. Zumindest musikalisch. Dafür gewähren die Texte tiefe Einblicke in Chimas Innenleben. Allein deshalb lohnt es sich, sich die Songs mehrmals anzuhören.

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