Stand: 09.09.2019 15:41 Uhr | AutorIn: Torben Steenbuck

Flugverspätung: So bekommt ihr euer Geld zurück

Der Sommerurlaub ist vorbei, euer Flug hat Verspätung, die Nerven liegen blank. Aber zumindest könnt ihr euch euer Geld zurückholen - bis zu 600 Euro sind drin. Wir erklären, wie's geht.

Ein Beispiel: Isa aus dem N-JOY Team fliegt für den Sommerurlaub von Hamburg nach Malaysia. Der Flieger hat bei der Rückreise nach Deutschland sieben Stunden Verspätung. Am Ende bekommt sie 400 Euro zurück. Wir erklären euch, wie sie das geschafft hat und worauf ihr achten müsst.

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Ab drei Stunden Flugverspätung gibt es Geld zurück

Die erste Hürde zur Rückerstattung ist die Frage, wie sehr der Flug verspätet ist und wie lang die Flugstrecke war. Hier gilt: Es muss eine Verspätung von mindestens drei Stunden sein. Entscheidend für die Messung ist der Moment, in dem am Zielort die Türen vom Flieger aufgehen.

Trotzdem müsst ihr rechtzeitig eingecheckt haben, das heißt wie von eurer Airline oder eurem Reiseveranstalter vorgegeben oder - falls keine Angabe vorliegt - spätestens 45 Minuten vor der veröffentlichten Abflugzeit. Auch die Länge der Flugstrecke hat Einfluss auf den Betrag, den ihr erstattet bekommt:

  • unter 1.500 km (Kurzstreckenflug): 250 Euro
  • 1.500 bis 3.500 km (Mittelstreckenflug): 400 Euro
  • über 3.500 km (Langstreckenflug): 600 Euro

Bedingungen bei Reisestart, Reiseziel und Sitz der Airline

Das heißt, wenn ihr auf einer Strecke von Hannover nach Madrid drei Stunden Verspätung habt, gibt es schon die Chance auf eine Rückerstattung von 400 Euro - und zwar auch, wenn euch das Ticket sogar mal viel weniger gekostet hat.

Wenn ihr euch wegen einer Verspätung Geld zurückholen wollt, müsst ihr noch weitere Kriterien beachten:

  • Reisestart liegt in der EU (unabhängig vom Sitz der Airline)
  • Reiseziel liegt in der der EU und eure Airline hat ihren Sitz in der EU

Unter EU sind hier neben den 28 Mitgliedsstaaten unter anderem auch Island, Norwegen und die Schweiz zu verstehen. Bei Pauschalreisen müsst ihr euch an den Reiseveranstalter wenden. Der ist übrigens auch dazu verpflichtet, euch auf einem alternativen Weg ans Ziel zu bringen. Ein Anrecht auf Rückerstattung hat man drei Jahre lang.

Auf einem Smartphone wird die Verspätung eines Fluges angezeigt

Flugverspätung: Streit um Entschädigung

Markt -

Ausnahmen: Vulkanausbruch oder Terrorgefahr

Es gibt auch Umstände, die einen pünktlichen Start oder eine pünktliche Landung für die Airline unmöglich machen. Dann ist sie nicht verpflichtet zu zahlen. Zu diesen "außergewöhnlichen Umständen" zählen zum Beispiel ein Systemzusammenbruch am gesamten Flughafen, eine Sperrung des Luftraums, oder akute Terrorgefahr. Auch extreme Wetterbedingungen wie starker Schneefall, ein Sturm, oder eine Aschewolke von einem Vulkanausbruch können ein Grund sein. Aber Vorsicht: Hier versuchen sich die Fluggesellschaften oft aus der Affäre zu ziehen. Das sagt auch Tiana Preuschoff von der Verbraucherzentrale Niedersachsen:

Ein bisschen schlechtes Wetter oder ein Streik des eigenen Personals reicht nicht aus als Begründung der Airline. Leider reicht es aber meistens schon, wenn die Airlines einfach nicht reagieren und es aussitzen. Tiana Preuschoff, Verbraucherzentrale Niedersachsen e.V.

Hartnäckig bleiben und alles dokumentieren

Alle Punkte sprechen bisher für eine Rückzahlung? Dann solltet ihr alles genau dokumentieren und euch am besten direkt nach der Rückkehr an die Fluggesellschaft wenden. Das heißt: Tickets einscannen, die Ankunftszeit am Flughafen bestätigen lassen, alles an die Fluggesellschaft schicken und dann auf die Antwort warten. Wenn gar nichts zurückkommt, solltet ihr nochmal nachhaken.

Wenn ihr ein mehrseitiges Dokument auf Englisch bekommt, in dem steht, dass ihr zum Beispiel wegen Wetters keinen Anspruch habt, dann gebt nicht gleich auf. Ihr könnt eine Kontaktperson der Airline anfordern, die Deutsch spricht und mit ihr die Umstände klären.

Im Zweifel helfen Schlichtungsstellen oder Internetportale

Die Strategie der Fluggesellschaften, erstmal nicht zu zahlen, oder sich nicht zu melden, scheint offenbar erfolgreich zu sein. Oft bekommen die Passagiere niemanden ans Telefon und nur wenige ziehen später vor Gericht, sagt Tiana Preuschoff.

Es ist traurig, wie viel Aufwand von den Geschädigten in diesen Fällen verlangt wird. Da ist es schlau, sich Hilfe zu holen. Tiana Preuschoff, Verbraucherzentrale Niedersachsen e.V.

Ihr braucht Beratung bei den rechtlichen Schritten? Die bekommt ihr zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale oder bei der Schlichtungsstelle für Personenverkehr. Es gibt auch Internetportale wie zum Beispiel Claimflights, Flightright oder Fairplane, die den Prozess und die damit verbundenen Kosten für euch übernehmen. Sie erstreiten vor Gericht zwar das Geld, verlangen dafür aber auch etwa ein Drittel des Gewinns. Das bedeutet bei 600 Euro gehen 200 an die Anwaltsfirma.

Nicht freiwillig auf Ersatzzahlungen verzichten

Die Airline will euch mit Gutscheinen oder Flugmeilen abspeisen, damit ihr freiwillig auf eure Ersatzzahlung verzichtet? Besser die Finger von lassen, rät Tiana Preuschoff. Lieber hartnäckig auf die "EU Ausgleichzahlung" pochen. Auch Isa aus dem N-Joy Team hat am Ende 400 Euro von der Fluggesellschaft wiederbekommen, weil sie drangeblieben ist und am Ende ein Fluggastrechte-Portal eingeschaltet hat:

Mein Tipp: Probiert es immer erst bei der Airline direkt - da habt ihr die Chance hundert Prozent zurück zu kriegen. Oder wendet euch an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. Kostet auch nichts. Isa Scholz, N-Joy

Ihr Geld hat Isa zwar erst anderthalb Jahre nach ihrem Flug bekommen, aber heute freut sie sich trotzdem darüber.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 05.09.2019 | 14:50 Uhr

N-JOY
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