Stand: 18.02.2020 12:23 Uhr

12 beliebte Redewendungen und ihre Herkunft

Habt ihr "Tomaten auf den Augen" und deswegen "die Katze im Sack gekauft"? Mit diesem Klugscheißerwissen rund um den Ursprung unserer Redewendungen könnt ihr in der nächsten Unterhaltung glänzen.

Wir alle nutzen sie, doch kaum jemand weiß, woher sie kommen. Dabei sorgen die Erklärungen, wie unsere meist sehr bildlichen Redewendungen entstanden sind, durchaus für Schmunzler und Aha-Momente.

Ob aus der Segler-Sprache, aus längst vergangenen Zeiten oder aus der Physik - das sind die Geschichten hinter den Redewendungen:

1. Durch den Wind sein

Wer durch den Wind ist, gilt als verwirrt und erschöpft. Das gilt auch für Segler, deren Sprache wir diese Redewendung zu verdanken haben. Wollen Segelschiffe die Richtung ändern, müssen sie nämlich "durch den Wind": Bevor der Wind nach dem Kreuzen von der anderen Seite ins Segel pustet, kommt er direkt von vorne.

In diesem Moment ist das Boot schwer zu kontrollieren, zusätzlich flattert das Segel stark. Sind die Segler erst mal "durch den Wind", sind sie manchmal sicherlich auch fix und fertig.


2. Den Faden verlieren

Ihr wollt etwas erzählen, steuert auf die Pointe zu - und plötzlich wisst ihr nicht mehr weiter: Wir alle verlieren in einer Unterhaltung mal den Faden.

Zur angeblichen Entstehung dieser Redewendung gibt es eine Geschichte aus der griechischen Sagenwelt: Die Tochter eines Königs möchte ihren Angebeteten heiraten. Ihr Vater will jedoch, dass sich der Mann, der seine Tochter heiratet, erst beweist: Er soll in ein Labyrinth steigen und dort ein Monster töten. Seine Angebetete Ariadne gibt Theseus allerdings ein Wollknäuel mit. Auf dem Weg ins Labyrinth rollt Theseus das Knäuel ab und findet so am Ende den Weg zurück ins Freie. Er hat den Faden also NICHT verloren und konnte den König von sich überzeugen.


3. Etwas ausbaden

Ihr müsst für etwas büßen, das andere verbockt haben? Seid froh, dass ihr nicht im wahrsten Sinne des Wortes "etwas ausbaden" müsst.

Der Ausdruck, so die Vermutung, stammt aus der Zeit, als Wasser noch im Kessel erhitzt werden musste. Am Badetag sind die Familienmitglieder nacheinander in das kostbare warme Wasser gestiegen. Für das letzte Familienmitglied, das das Wasser "ausbaden" musste, war die Angelegenheit also verständlicherweise ein bisschen eklig.

Außerdem war es in öffentlichen Bädern früher angeblich die Pflicht des letzten Badegastes, das von mehreren Menschen benutzte Wasser auszuschütten und das Bad sauber zu machen.


4. Nur Bahnhof verstehen

Ihrem Ursprung nach müsste die Redewendung eigentlich "nur an den Bahnhof denken" lauten. Wahrscheinlich stammt sie aus dem Ersten Weltkrieg: Der Legende nach konnten die Soldaten zu dieser Zeit verständlicherweise an kaum etwas anderes denken als daran, endlich nach Hause zu kommen.

Da Züge die meistgenutzten Beförderungsmittel waren, führte der lang ersehnte Heimweg zwangsläufig über den Bahnhof. Dieser war also ständig in ihrem Kopf, auf etwas anderes konnten sie sich schwer konzentrieren - die Soldaten haben "nur Bahnhof" verstanden.


5. Auf der Leitung stehen

Heutzutage stehen wir sinnbildlich auf der Leitung, wenn wir etwas inhaltlich einfach nicht verstehen.

Früher, als die Telefontechnik noch nicht ausgereift und die Sprachqualität schlecht war, herrschte dagegen die Vorstellung, dass jemand tatsächlich mit den Füßen auf der Telefonleitung steht und so das Signal unterbricht. Das war natürlich Quatsch, hat uns aber immerhin eine Redensart beschert, die bis heute genutzt wird.


6. Dreck am Stecken haben

Wer im übertragenen Sinne Dreck am Stecken hat, hat etwas Unrechtes getan und versucht meist, dies zu verbergen. Damals, als der Ausdruck entstanden ist, ging es tatsächlich um echten Dreck: Die Straßen waren zu der Zeit nämlich noch unbefestigt, was dazu führte, dass die Schuhe bei Regen unweigerlich schmutzig geworden sind. Um die Schuhe vor dem Betreten des Hauses sauber zu machen, wurde üblicherweise ein Gehstock benutzt.

Durch das Kratzen und Klopfen sind die Schuhe zwar einigermaßen sauber geworden - doch jetzt hing der Dreck am sogenannten "Stecken". Also: Obwohl der Übeltäter auf den ersten Blick saubere Schuhe hat, hat er doch Dreck am Stecken.


7. Den Löffel abgeben

Für den Tod gibt es viele, teils makabre Umschreibungen. Im Falle dieser Redewendung steht der Löffel für die lebensnotwendige Tätigkeit des Essens, die wir nach unserem Tod natürlich nicht mehr ausüben können.

Darüber hinaus war der eigene Löffel im Mittelalter ein ganz besonderer Besitz. Sind Knechte zum Beispiel auf einen anderen Hof weitergezogen, mussten sie ihren geliehenen Löffel wieder abgeben. Bis heute gehalten hat sich die Redewendung aber nur, um auszusagen, dass jemand gestorben ist.


8. Tomaten auf den Augen haben

"Hey Schiri, hast du Tomaten auf den Augen?!" Zur Herkunft der sprichwörtlichen Tomaten auf den Augen, wenn jemand etwas nicht sieht, gibt es mehrere Theorien.

Die wohl am weitesten verbreitete Theorie bezieht sich auf das Aussehen unserer Augen in bestimmten Situationen: Wenn wir müde und verschlafen sind, sind diese oft geschwollen und rot gefärbt - wie Tomaten eben. Zusätzlich sind wir meist nicht besonders aufmerksam, wenn wir verschlafen sind. Da kann es schon passieren, dass wir etwas Offensichtliches übersehen!


9. Die Katze im Sack kaufen

Wer sich auf etwas Neues einlässt oder etwas kauft, ohne es vorher gesehen und geprüft zu haben, kauft sprichtwörtlich "die Katze im Sack". Aber was hat es mit dieser Redewendung auf sich?

Angeblich haben unaufmerksame Kunden damals auf Märkten buchstäblich öfter mal eine Katze im Sack gekauft, wenn Betrüger ihnen statt des ausgemachten Kaninchens oder Ferkels eine in Sachen Ernährung wertlose Katze eingepackt haben. Fun Fact für Klugscheißer-Profis: Die Katze im Sack wird auch in "Till Eulenspiegel" thematisiert.


10. Alle Register ziehen

Wer nichts unversucht lässt, um ein persönliches Ziel zu erreichen, zieht der Redewendung nach alle Register. Die Redewendung bezieht sich aufs Orgelspielen: Ein Register ist eine Reihe ähnlich klingender Orgelpfeifen. Je mehr Register der Organist zieht, desto voluminöser wird der Klang seines Instruments. Also: Wer alles gibt, sorgt für eine größere Wirkung.


11. Einen Zahn zulegen

"Leg mal einen Zahn zu" sagen wir gerne zu Menschen, die uns etwas zu gemächlich unterwegs sind. Für den Ursprung der Redewendung gibt es zwei Theorien.

Die erste Theorie geht davon aus, dass sie zu einer Zeit entstanden ist, als die Geschwindigkeit von Gefährten nur stufenweise geregelt werden konnte - und zwar über einen gezackten Hebel, der in einen Zahnkranz einrastete.

Die zweite Theorie besagt, dass die Redewendung aus der Zeit kommt, als Essen noch über dem Feuer gekocht wurde. Je nachdem, wie hoch oder tief der Topf hing, wurde unterschiedlich viel Hitze zugefügt. Um die Höhe des Topfes zu regulieren, gab es eine Kettenvorrichtung mit einer Zahnstange. Legte man einen Zahn zu, indem man den Topf eine Stufe runterstellte, war das Essen schneller fertig.


12. Am längeren Hebel sitzen

Wer am längeren Hebel sitzt, hat dem Sprichwort nach mehr Macht oder braucht weniger Kraft, um ein Ziel zu erreichen. Diese Redensart hat ihren Ursprung in der Physik: Das Hebelgesetz besagt, dass ein längerer Hebel eine höhere Kraft besitzt.

Das kennen wir alle von der Wippe auf dem Spielplatz: Je weiter hinten wir sitzen, desto leichter können wir die Person auf der anderen Seite in die Luft hebeln. Funktioniert übrigens auch umgekehrt: Wer am kürzeren Hebel sitzt, muss mehr Kraft aufwenden, um etwas zu erreichen.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 17.02.2020 | 12:00 Uhr

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