Stand: 12.07.2019 13:18 Uhr

Arbeitszeit: Wer besonders viele Überstunden macht

Jeder dritte Deutsche arbeitet in seinem Berufsleben insgesamt ein Jahr unbezahlt. Wer besonders betroffen ist - und warum es auch gute Nachrichten gibt.

Ob eine wichtige Deadline im Rekordtempo näher rückt, kurz vor Feierabend noch eine E-Mail mit Aufträgen vom Chef reinkommt, wir Kollegen vertreten müssen oder alles einfach mal etwas langsamer geht als gewohnt: Den Moment, in dem wir merken, dass wir heute definitiv nicht pünktlich in den Feierabend kommen, haben wir alle schon erlebt.

Eine Arbeitszeitstudie des Hamburger Vergütungsanalysten Compensation Partner zeigt jetzt, wie es um die Überstunden der Deutschen bestellt ist. Die gute Nachricht: Die Zahl der Überstunden geht zurück. Trotzdem leisten Fachkräfte bis zum Ende ihrer Karriere im Schnitt 9.655 Überstunden. Dass nicht jeder seine Überstunden ausgeglichen bekommt, führt dazu, dass rund ein Drittel aller Fachkräfte in ihrem gesamten Berufsleben ein Jahr kostenlos arbeitet. Bei Führungskräften sind es sogar eineinhalb Jahre. Die Ergebnisse im Überblick:

Mehr als die Hälfte der Deutschen macht Überstunden

54 Prozent der Beschäftigten in Deutschland müssen Überstunden schieben, 46 Prozent bleiben davon verschont. Im Schnitt machen die Deutschen rund drei Überstunden pro Woche. 2009 waren es noch durchschnittlich 6,5 Stunden.

Mehr als zehn Überstunden sind die Ausnahme

Die meisten Beschäftigten (35 Prozent) machen eine bis fünf Überstunden pro Woche. Wer mehr als zehn Stunden länger arbeitet, gehört zur Ausnahme - nur fünf Prozent leisten so viele Überstunden.

Frauen machen weniger Überstunden als Männer - werden aber auch seltener dafür bezahlt

Weibliche Angestellte machen im Schnitt 2,2 Überstunden die Woche, ihre männlichen Kollegen 3,7 Stunden. Dafür gehen Frauen häufiger leer aus, wenn es um einen Ausgleich für die geleisteten Überstunden geht. Während 46 Prozent der Männer für Überstunden bezahlt werden, sind es bei den Frauen nur 41 Prozent.

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Je höher das Alter, desto mehr Überstunden

Wer unter 20 ist, macht im Schnitt 1,74 Überstunden pro Woche. Bei 20- bis 29-Jährigen sind es 2,48 und bei 30- bis 39-Jährigen 3,1 Stunden die Woche. Die Zahl steigt mit dem Alter stetig weiter - bis hin zu 3,66 Stunden bei über 60-Jährigen.

Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden

Angestellte, die zwischen 21.000 und 30.000 Euro verdienen, machen im Schnitt zwei Überstunden pro Woche. Bei einem Gehalt von 51.000 bis 60.000 Euro fallen mehr als drei Überstunden an - und bei einem Einkommen von über 111.000 Euro werden im Schnitt über sieben Stunden pro Woche mehr gearbeitet.

Je höher die Position, desto mehr Überstunden

Führunskräfte machen laut Untersuchung bei gleichem Gehalt tendenziell mehr Überstunden. Während Angestellte ohne Führungsposition, die 61.000 bis 70.000 Euro im Jahr verdienen, nicht ganz vier Überstunden pro Woche machen, sind es bei Chefs, die das gleiche verdienen, im Schnitt fast sieben Überstunden. Insgesamt sammeln Fachkräfte im Laufe ihres Arbeitslebens insgesamt 9.655 Überstunden an, während es bei Führungskräften 15.390 Stunden sind.

Unternehmensberater machen die meisten Überstunden, Steuerberater die wenigsten

Wie viele Überstunden Mitarbeiter machen, hängt auch mit der Branche zusammen. Beispiel: Angestellte in der Unternehmensberatung liegen mit rund fünf Überstunden pro Woche ganz weit vorne, während Steuerberater mit weniger als zwei Stunden am wenigsten Überstunden machen. Der Einzelhandel liegt mit etwas mehr als zwei Stunden im Mittelfeld.

Überstunden: Was ist erlaubt, was nicht?

Aber können eure Chefs euch eigentlich zwingen, Überstunden zu schieben? Das kommt darauf an, welche Regelungen in eurem Arbeitsvertrag, einer eventuellen Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag stehen. Ist dort nichts vermerkt, könnt ihr Überstunden ablehnen. Verpflichtet seid ihr dazu nur, wenn es um Katastrophen oder Notfälle geht.

Wie viel ihr höchstens arbeiten dürft oder müsst, ist im Arbeitszeitgesetz festgelegt. Wie genau die rechtliche Situation aussieht, erfahrt ihr hier:

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