Stand: 27.04.2020 20:01 Uhr

Falschmeldung: Beim Tragen von Mund-Nase-Masken atmen wir nicht zu viel CO2 ein

Im ÖPNV und beim Einkaufen gilt jetzt fast überall eine Maskenpflicht. Die Behauptung, dass wir dadurch zu viel CO2 einatmen würden und unsere Lunge sich mit Keimen füllt, stimmt nicht.

Seit einigen Tagen geistert eine Warnmeldung durch die sozialen Netzwerke. Sie behauptet, wir würden durch das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes zu viel CO2 einatmen, weswegen die Sauerstoffsättigung im Körper nachlassen würde. Außerdem würden durch Feuchtigkeit in der Maske gefährliche Keime in die Lunge eindringen. Das stimmt so nicht.

Wir atmen nicht mehr CO2 durch einen Mund- und Nasenschutz ein

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat uns auf schriftliche Anfrage gesagt, dass sie das nicht bestätigen können.

Unseren Fachkollegen zufolge stimmt es nicht, dass man mehr CO2 einatmet. Aber die Atmung wird natürlich behindert. Marieke Degen, Pressesprecherin des Robert Koch-Instituts

Das Problem: Selbstgenähte Mund-Nasen-Masken sind nicht alle gleich. Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind sehr unterschiedlich. Das RKI erklärt, gerade das Tragen von mehrlagigen, sehr dichten und enganliegenden Mund-Nasen-Bedeckungen könne zum Beispiel für ältere Menschen oder für Menschen Lungenkrankheiten sehr anstrengend sein.

Durch feuchte Maske kann es zu Keimbelastung kommen

Wird die Mund- und Nasenmaske beim längeren Tragen feucht, können laut RKI Bakterien aus dem Mund- und Rachenraum auf die Maske übergehen. Systematische und vergleichbare Studien gebe es dazu aber noch nicht. Deswegen empfiehlt das RKI auch, die Masken nicht länger als nötig zu tragen. Damit sich keine Keime bilden können, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dazu, die Masken zu wechseln, wenn sie durchfeutet sind, und sie nach der Verwendung direkt bei 60 bis 95 Grad zu waschen.

Auch kleine Kinder können Mundschutz tragen

Viele Menschen warnen auf Facebook davor, Kindern eine Mund-Nase-Maske aufzusetzen. Jakob Maske, Mediziner aus Berlin und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, widerspricht diesen Berichten. Der Deutschen Presse-Agentur teilte er mit:

Das CO2 ist ein Gas und bleibt im Stoff nicht hängen. Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Für Erwachsene und Kinder bestehe keine Gefahr, da mit jedem Atemzug wieder ausreichend frische, sauerstoffreiche Luft in die Lungen gelange. Von komplett geschlossenen Abdeckungen - wie etwa Staubschutzmasken aus dem Baumarkt - rät der Kinderarzt allerdings ab.

Studie weist keine niedrigere Sauerstoffsättigung nach

Einige der Behauptungen, die gerade durchs Netz gehen, beziehen sich auf eine Studie der Technischen Universität München. Diese habe angeblich nachgewiesen, dass beim Tragen einer Mund- und Nasenmaske zu viel CO2 eingeatmet werde.

Im Jahr 2005 gab es an der TU München tatsächlich eine Studie, die sich mit der "Rückatmung von Kohlendioxid bei Verwendung von Operationsmasken als hygienischer Mundschutz an medizinischem Fachpersonal" beschäftigte.

FFP-Masken und Behelfsmasken wurden nicht getestet

Die im Netz kursierenden Behauptungen lassen sich jedoch nur bedingt von den Ergebnissen der Studie ableiten. In der Studie wurden keine Alltags- oder Communitymasken untersucht, wie sie aktuell in der Bevölkerung während der Coronakrise zum Einsatz kommen. Untersucht wurden stattdessen zwei spezielle OP-Masken-Modelle.

Mund-Nase-Masken: Keine gesundheitlichen Schäden nach 30 Minuten

Für die Studie wurden zwei verschiedenen Masken und 15 gesunde, männlichen Probanden getestet, die 30 Minuten lang eine Maske trugen. Daraus wurde im Netz die Behauptung, dass wir gesundheitliche Schäden davontrügen, wenn wir eine Mund-Nase-Maske länger als eine halbe Stunde trügen. Diese Behauptung stimmt nicht. Der Versuchsaufbau der Studie war schlicht und ergreifend auf 30 Minuten ausgelegt. Eine höhere Atemfrequenz oder eine niedrigere Sauerstoffsättigung konnte die Studie nicht nachweisen.

Studie: Höhere CO2-Werte im Blut

Die Studie stellte allerdings einen höheren CO2-Wert im Blut der Probanden fest, nachdem diese eine Maske getragen hatte, was zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit und zu einer Zunahme der Reaktionszeit führen könne. Daher haben die Wissenschaftler Herstellern damals empfohlen, ihre Masken durchlässiger für CO2 zu machen.

Studie ist mittlerweile überholt

In Deutschland werden sowohl der medizinische Mund-Nasen-Schutz als auch die FFP-Masken vom Deutsche Institut für Normierung zugelassen. Laut einer Recherche von Correctiv.org wurde die entsprechende Norm 2009 - also vier Jahr nach dem Erscheinen der Münchner Studie - überarbeitet. In dieser Norm werde der Ein- und Ausatemwiderstand genau gereget - die Studie der TU München sei mittlerweile überholt.

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