Stand: 06.10.2020 10:16 Uhr

Corona: Warum Lüften im Winter so wichtig ist - und wie es geht

Um die Viruskonzentration in der Luft so gering wie möglich zu halten, sollten wir für einen regelmäßigen Luftaustausch sorgen. Wie lange und wie oft wir lüften sollten - und was es dabei zu beachten gilt.

Die kalte Jahreszeit rückt immer näher - und mit ihr die aktuell wohl drängendste Frage: Wie kommen wir einigermaßen glimpflich, ohne zu viele Covid-19-Neuinfektionen durch den Winter? Denn während es im Sommer kein Problem war, Restaurant- und Büroräume ständig zu lüften oder sich einfach an der frischen Luft zu treffen, wird dies demnächst deutlich ungemütlicher. Dennoch raten Experten dringend, auch im Winter für eine regelmäßige Belüftung geschlossener Räume zu sorgen.

Coronavirus: Aerosole als "Viren-Taxen"

Der Grund: In der Forschung herrscht immer mehr Konsens, dass sich das Coronavirus nicht nur durch größere Tropfen verbreiten kann, die in etwa anderthalb Metern Abstand um uns herum zu Boden fallen - sondern auch durch Aerosole, also mikroskopisch kleine Tröpfchen, die durch die Luft schweben.

Auch wenn zur Übertragung des Coronavirus durch Aerosole noch längst nicht alle Fragen geklärt sind, zeigen erste Untersuchungen, dass die Schwebeteile als "Viren-Taxen" fungieren können.

Das Coronavirus © CDC on Unsplash Foto: CDC on Unsplash

(54) Eine Empfehlung für den Herbst

NDR Info - Das Coronavirus-Update von NDR Info -

Christian Drosten ist zurück mit einer XXL-Folge. Es geht um Masken und Aerosole, Immunität, Virusstämme und eine neue Teststrategie.

Wie sich Aerosole im Raum verteilen

Die Teilchen können sich, wie Prof. Christian Drosten im "Coronavirus-Update" von NDR Info anschaulich erklärt, in geschlossenen Räumen mit der Zeit immer weiter verteilen: "Stellen wir uns Zigaretten-Rauch vor: Ich setze mich in den Raum und zünde eine Zigarette an. Am Anfang ist dieser Zigaretten-Rauch nur bei mir. Ich habe ihn um meinen Kopf herum, aber er ist nicht im ganzen Raum." Nach einiger Zeit kann man den Zigarettenrauch hingegen im ganzen Raum riechen, da die Luft im Raum ständig in Bewegung ist. Durch Körperwärme, die Hitze elektrischer Geräte etc. wird Luft erwärmt, steigt auf und transportiert so kleinste Partikel in jeden Winkel des Raumes.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt deshalb auf seiner Webseite:

Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 Meter erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt und exponierte Personen besonders tief einatmen.

Corona-Winter: Warum wir regelmäßig lüften sollten

Um die Konzentration an Aerosolen in der Luft und damit die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung möglichst gering zu halten, empfehlen Experten dringend, regelmäßig zu lüften und die belastetet Raumluft durch frische, unbelastete Luft von außen auszutauschen. Laut der Bundesregierung soll aus der sogenannten "AHA-Regel" (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) die "AHACL"-Regel werden - ergänzt um Corona-Warn-App und Lüften.

Besonders wichtig ist dies natürlich in Räumen, in denen sich viele Personen aufhalten - auch wenn dabei der Mindestabstand zwischen einzelnen Personen oder Gruppen eingehalten wird. Sowohl in Büroräumen mit mehreren Personen als auch im Restaurant sollten wir also auch im Winter gut lüften.

Corona: Richtig lüften - so geht's

Aber was heißt das eigentlich - "gut lüften"? Die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt empfiehlt folgende Maßnahmen:

  • Optimal ist eine Querlüftung. Dabei wird über möglichst gegenüberliegende, weit geöffnete Fenster ein Durchzug geschaffen. Dadurch werde die Raumluft schnell durch Frischluft ausgetauscht. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass Aerosole sich nicht auf andere Räume ausbreiten.
  • Als wirksam gilt laut IRK auch eine Stoßlüftung bei der sämtliche Fenster im Raum über einige Minuten komplett geöffnet werden.
  • Hustet oder niest jemand im Raum, sollte sofort gelüftet werden.
  • In stark belegten Räumen sind gekippte Fenster laut der IRK kaum wirksam - selbst wenn sie dauerhaft offen stehen.
  • Für kleine Räume wie Toiletten und Gemeinschaftsküchen sollte es besondere Nutzungspläne geben - gerade, wenn regelmäßiges Lüften nicht möglich ist.
  • Wichtig: Eine gute Lüftung kann die Übertragung von SARS-CoV-2-Viren von einer erkrankten Person auf eine andere Person nicht generell verhindern. Lüften ersetzt daher nicht andere Schutzmaßnahmen wie das Einhalten von Mindestabständen und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Corona: Wie oft sollten wir lüften?

Bleibt die Frage, wie oft wir die Fenster öffnen sollten. Generell gilt: Je öfter, desto besser. Und: Je mehr Menschen im Raum sind, desto häufiger sollte für einen Austausch der Luft gesorgt werden.

Für einen wirksamen Infektionsschutz sollten Räume, in denen sich viele Personen versammeln, so gut und so oft wie möglich gelüftet werden.

TÜV-Arbeitsmediziner und Berufsgenossenschaften empfehlen, in Räumen mit mehreren Personen mindestens alle 20 Minuten zu lüften.

Gerade beim Sport in Innenräumen muss laut dem Umweltbundesamt für eine ausreichende Lüftung gesorgt werden - denn die Atemfrequenz ist schon bei geringer körperlicher Belastung deutlich erhöht. "Die IRK empfiehlt, dass die verbrauchte Luft jede Stunde fünfmal durch frische Luft ersetzt wird", schreiben die Experten für Innenraumhygiene auf ihrer Webseite.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 29.09.2020 | 15:00 Uhr

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