Stand: 15.07.2020 13:26 Uhr

Altkleider-Flut durch Corona: Darauf müsst ihr achten

Weil viele die Corona-Zeit offenbar zum Ausmisten nutzen, platzen Altkleider-Container und -Lager teilweise aus allen Nähten. Aber wie spenden wir eigentlich sinnvoll, damit unsere Klamotten auch bei Bedürftigen ankommen?

Zum Winter, zum Sommer oder auch zwischendurch, wenn wir viel Zeit haben: Ab und zu ist es einfach nötig, den Inhalt unseres Kleiderschranks einmal komplett rauszukehren und nur die Klamotten wieder reinzulegen, die wir in den vergangenen Monaten wenigstens für ein paar Stunden getragen haben. Stellt sich nur die Frage: Wohin mit den Sachen, die wir selbst nicht mehr brauchen, die aber auch viel zu schade zum Wegwerfen sind?

Corona-Krise: Kleiderberge in Containern und Lagern

Für viele lautet die Antwort: Ab in den Altkleider-Container! Die gut gemeinte Hilfe wird an einigen Stellen nun zum Problem. Nachdem viele Menschen die Hochphase der Corona-Pandemie anscheinend zum Entrümpeln genutzt haben, die Nachfrage in den Abnahme-Ländern allerdings gleichzeitig eingebrochen ist, quillen sowohl die Altkleider-Container als auch die -Lager über. In Hamburg baut die Stadtreinigung bis Ende August sogar 120 Textilcontainer ab und auch das Deutsche Rote Kreuz bittet um eine Pause bei der Altkleider-Spende.

Ausgemistete Klamotten: Wie spenden wir richtig?

Aktuell ist es daher noch wichtiger, mit Bedacht zu spenden, damit eure gut erhaltene Kleidung auch wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird, statt im Weg zu liegen. Eine Lösung wäre: weniger und vor allem nachhaltig shoppen. Denn billige "Fast Fashion" kann meist nicht weiterverarbeitet werden.

Ist dieser Zug allerdings schon abgefahren, stehen wir nach dem Ausmisten vor einem Kleiderhaufen und fragen uns: Wohin damit? Wenn ihr euch ungern auf Online-Flohmärkten rumtreibt und die ausrangierten Klamotten lieber Menschen zukommen lassen wollt, die wenig Geld haben oder auf der Straße leben, stellt sich gleich die nächste Frage: Wie stelle ich es an, dass meine Spende auch wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird?

Kleidung spenden über gemeinnützige Organisationen

Thomas Ahlmann ist Geschäftsführer des Dachverbands "FairWertung", unter dem sich mehr als 130 gemeinnützige Organisationen zusammengeschlossen haben. Sie sammeln und verkaufen Kleiderspenden nach dem "Verhaltenskodex für gemeinnützige Kleidersammlungen". Die Kleidung geht direkt an Bedürftige, wird in Sozialkaufhäusern günstig weitergegeben oder - wenn sie dort nicht genutzt werden kann - anderweitig verkauft. Die Erlöse aus Verkäufen kommen sozialen Projekten zugute.

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Klamotten spenden: Diese Möglichkeiten gibt es

Altkleider spenden könnt ihr über gemeinnützige Organisationen, direkt bei Sozialkaufhäusern oder anderen Hilfsorganisationen für bedürftige Menschen oder über Altkleidercontainer.

Wichtig ist: Schaut genau hin, was mit eurer Spende passiert. Besonders Altkleidercontainer sind immer wieder in der Diskussion, hinter Haustürsammlern könnten Betrüger stecken.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, auf Siegel wie "FairWertung", das "DZI Spendensiegel" oder das "bvse-Qualitätssiegel" zu achten. Einen Überblick, welche Organisationen es in eurer Nähe gibt und was dahinter steckt, könnt ihr euch hier verschaffen.

In der aktuellen Situation erscheint es sinnvoll, die entsprechenden Sammelstellen vorab zu kontaktieren - so könnt ihr sicherstellen, dass eure Kleidung auch wirklich hilft.

Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie wurde im N-JOY Interview mit Thomas Ahlmann deutlich: Wenn wir gemeinnützige Organisationen unterstützen wollen, sollten wir mit Verstand spenden.

Herr Ahlmann, was sollten wir vor der Spende beachten?

Es gibt in Deutschland unheimlich viele Textilien. Wir sortieren jedes Jahr eine Million Tonnen aus. Das ist eine LKW-Schlange von Kiel bis Innsbruck voll mit Altkleidern. Nicht alles ist brauchbar oder wird gerade im Moment gebraucht. Im Winter brauchen obdachlose oder bedürftige Menschen zum Beispiel warme Textilien und keine Sommerbekleidung. Die meisten Obdachlosen sind männlich, vielfach sind die Sachen aber Damenbekleidung.

Saisonale und männliche Bekleidung sind also wichtig. In welchem Zustand sollten die Klamotten sein, damit die Spende hilfreich ist?

Immer gesucht sind gut erhaltene, moderne Textilien, die man noch tragen kann. Als Faustregel gilt: Was würde ich Freundinnen oder Freunden noch anbieten wollen, ohne mich zu schämen? Das ist eine Hilfe. Kaputte, zerschlissene Sachen sind eher eine Arbeits- und Kostenbelastung für die Organisationen - die sollte man lieber anderweitig entsorgen. Nur tragbare Sachen sind eine Unterstützung.

Wo geben wir unsere Spende am besten ab, wenn die Kleidung noch tragbar ist?

Als Allererstes sollte man darauf achten, dass es eine gemeinnützige Organisation ist. Man kann sich dann auch erkundigen, was die Organisation mit den Sachen macht und was die Organisation unterstützt. Das Zeichen "FairWertung" ist eine gute Orientierungshilfe, wenn man die Sachen an gemeinnützige Organisationen geben möchte. Unter altkleiderspenden.de könnt ihr Verwertungsorganisationen und Abgabestellen für die Spende finden. Einfach den Ort oder die Postleitzahl eingeben. Zeitgleich könnt ihr euch dort auch über Hintergründe zum Altkleidermarkt informieren.

Wie stellen wir sicher, dass unsere Spende wirklich ankommt?

Es ist unrealistisch, dass jedes einzelne Textil, das man abgibt, bei Bedürftigen hier in Deutschland landet. Das liegt daran, dass es so viele Alttextilien gibt. Man sollte aber in jedem Fall darauf achten, dass es eine gemeinnützige Sammlung ist. Da besteht die Chance, dass die Textilien, die nicht vor Ort gebraucht werden, indirekt helfen - indem sie weiterverkauft werden an Sortierbetriebe. Der Erlös hilft dann einer Organisation vor Ort, Gutes zu tun.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | N-JOY mit Susan Hammann | 09.01.2020 | 09:00 Uhr

N-JOY
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