Stand: 13.10.2021 15:12 Uhr

"Den Namen der Freundin tätowiere ich nicht"

Welche Tattoo-Motive sind gerade im Trend? Welche Fails müssen besonders häufig übergestochen werden? Und welche Motive sind absolute No-Gos und werden gar nicht erst gestochen? Zwei Tätowierer plaudern aus dem Nähkästchen.

Einige lieben sie, andere hassen sie. Die einen tragen sie voller Stolz, die anderen können sie nach einigen Jahren einfach nicht mehr sehen. Tattoos sind - im wahrsten Sinne des Wortes - ein echtes Dauerbrenner-Thema.

Kein Wunder, schließlich ist es wichtig, sich vor einem Termin beim Tätowierer genau damit auseinanderzusetzen, ob die dauerhafte Körperkunst wirklich das Richtige für uns ist - und vor allem, welches Motiv es sein soll. Denn was heute Trend ist, kann morgen längst out sein oder einfach nicht mehr gefallen. Und was heute schön aussieht, kann in wenigen Jahren verblasst oder zerlaufen sein.

Wir haben mit den Hamburger Tätowierern Olli Jahn und Charly Jungbluth über aktuelle Trends, Cover-Ups, ihre verrücktesten Jobs sowie über ihre absoluten No-Gos gesprochen - und dabei auch erfahren, auf welche unvernünftigen Ideen Menschen während des Lockdowns gekommen sind.

Unendlichkeitszeichen, EKG-Linien, Löwen: Welche Tattoos sind im Trend?

Wenn es nach Olli Jahn geht, sollte ein Tattoo etwas Individuelles sein. Daher ist er kein Fan von Trends. "Man sollte versuchen, für sich etwas zu finden - und nicht das, was alle anderen auf Instagram haben", erklärt er im N-JOY Interview.

Motive, die zurzeit besonders nachgefragt sind, sind laut Olli zum Beispiel EKG-Linien, Pusteblumen mit Vögeln und Unendlichkeitszeichen. Letztere hat auch Charly Jungbluth, der seit 27 Jahren ein Tattoostudio betreibt, als einen aktuellen Trend identifiziert.

Die liegende Acht wollen im Moment irgendwie alle haben. Charly Jungbluth im N-JOY Interview

Außerdem sei es im Moment anscheinend Trend, sich Löwen tätowieren zu lassen, erzählt Charly. Auch er ist kein Fan von Trendmotiven: "Man kann sowas schön gestalten, aber in der ganz klassischen Form ist das langweilig - und das ist garantiert der Kunde, der in zwei, drei Jahren wiederkommt und sagt, dass er es übertätowiert haben will."

Ist das Arschgeweih wirklich tot?

Ein Motiv, das früher ebenfalls groß im Trend war, heute aber oft für Spott sorgt, ist das berühmtberüchtigte Arschgeweih. Auch Charly hat solche Motive in den 90er-Jahren oft gestochen. Heute wollen viele ihre Tribals am Gesäß wieder loswerden. Viele der Tattoos seien früher allerdings auch aus dem Katalog gewesen, erklärt er.

Ein solches Tattoo könne aber auch schön aussehen: "Es sieht halt deplatziert aus, wenn man einen recht breiten Hintern, aber nur ein kleines Tattoo hat. Wenn man es schön an das Gesäß anpasst, sieht das toll aus - dann kann man auch heute noch ein Arschgeweih machen!"

Cover-Ups: Wenn der Name unter der Haut wieder weg muss

Arschgeweihe müssen also nicht zwingend ein No-Go sein. Es gibt jedoch eine Sache, die Charly nach Möglichkeit lieber nicht mehr tätowieren möchte: "Was wir besonders oft übertätowieren, sind Namen", erzählt er.

Viele lassen sich Namen von Partnern und Freunden tätowieren und möchten das, nachdem die Beziehung beendet ist, wieder weg haben.

Olli wirkt in dieser Hinsicht noch rigeroser: "Den Namen der Freundin und sowas, das mache ich nicht - da sage ich von vornherein 'Nee, sorry'." Er empfiehlt Kundinnen und Kunden in einem solchen Fall, sich ein Partnermotiv zu überlegen, das beide auch alleine tragen könnten.

Tätowieren als Lockdown-Hobby? "Viele haben sich eine Tattoo-Maschine zugelegt"

Außerdem warnt Olli seine Kundinnen und Kunden in Beratungsgesprächen vor zu kleinen und minimalistischen Tattoos. Sind die Motive zu klein, sticht er sie nicht - aus einem ganz einfachen Grund: "Die Linien werden über die Jahre ja dicker, die Farbe verläuft ja unter der Haut." Nach vier, fünf Jahren sei so ein Tattoo meist nicht mehr so schön.

Schön finden viele offenbar auch nicht mehr, was ihre Haut erst seit Kurzem schmückt: Olli erzählt, dass er im Moment viele Sachen übertätowieren muss, die zu Hause selbst gestochen wurden.

Seit dem Lockdown haben sich viele Leute einfach eine Tattoo-Maschine zugelegt oder aus Langeweile mit so Stick and Poke Tattoos reudige Sachen drauf gehauen.

Kuriose Tattoos: Gesicht im Intimbereich, Dixie-Klo auf dem Rücken

Doch natürlich gibt es viele Kundinnen und Kunden, die sich abseits von Trends bewegen und ganz individuelle Wünsche mit ins Tattoostudio bringen. "Wir hatten einen Kunden, der ein komplettes Frauengesicht über dem Penis hatte", erzählt Olli. "Er wollte es umtätowieren lassen, damit es aussieht, als würde sie sich die Lippen anmalen. Sowas tätowiere ich auch nicht, ich kann ja auch nicht jeden Stil. Aber es gab einen Tätowierer, der es gemacht hat."

Auch ein kurioser Fall aus Charlys Berufsleben zeigt, dass der Phantasie in Sachen Tattoos keine Grenzen gesetzt sind:

Es gibt einen Running Gag: Wenn ein Tattoo noch nicht fertig ist, sagt man, man hat eine 'Baustelle'. Und dann kam ein Kunde in den Laden und sagte, er hätte eine Baustelle auf dem Rücken. Und er hatte ohne Witz eine Baustelle auf dem Rücken - ein halbfertiges Haus mit einem Gerüst, Bauarbeiter, Mischmaschine, Dixie-Klo - da war alles, was auf einer Baustelle drauf ist. Charly Jungbluth im N-JOY Interview

Am Ende zählt für Charly vor allem eines: Das Tattoo sollte zur Trägerin oder zum Träger passen. Ob Trend oder individuell, ob groß oder klein - das bleibt ja zum Glück jeder und jedem selbst überlassen.

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Kuhlage und Hardeland - Die N-JOY Morningshow | 08.10.2021 | 05:00 Uhr

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