Stand: 30.06.2020 09:00 Uhr

Corona und Urlaub im Norden: Welche Rechte haben Urlauber?

Darf ich überhaupt in meinen Urlaubsort einreisen? Kann ich meinen Urlaub kostenlos stornieren? Was sollte ich bei der Buchung beachten? Infos zum Sommerurlaub an Nord- und Ostsee in unserem FAQ.

Einen Urlaub zu planen ist derzeit gar nicht so einfach. Selbst bei Reisen an die deutsche Nord- und Ostseeküste gibt es bestimmte Regelungen. Außerdem kann immer etwas dazwischen kommen - je nachdem, wie sich die Corona-Pandemie in eurem Wohnort und in eurem Urlaubsort entwickelt.

Wir erklären euch, unter welchen Bedingungen ihr in andere norddeutsche Bundesländer einreisen dürft, wann ihr Geld zurückfordern könnt und was ihr beachten solltet, wenn ihr jetzt einen Urlaub für die kommenden Wochen und Monate plant.

Urlaub an der Nordsee und Ostsee - darf ich anreisen?

Die Regelungen zur Einreise variieren von Bundesland zu Bundesland. Auch bei uns im Norden gibt es unterschiedliche Regeln. So dürfen Reisende aus Regionen in Deutschland mit besonders vielen Corona-Infizierten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern keinen Urlaub verbringen - es sei denn, sie können einen negativen Coronavirus-Test vorlegen.

Nach wie vor gelten natürlich überall die gängigen Regeln zur Eindämmung der Pandemie: Abstand halten, Hygiene beachten, Maskenpflicht.

>> Einreise nach Niedersachsen

Seit dem 25. Mai 2020 ist Niedersachsen wieder für Touristen geöffnet. Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze und Co. können wieder vermietet beziehungsweise angemietet werden. Es gibt allerdings Ausnahmen:

Für Gäste aus den Landkreisen Gütersloh und Warendorf in Nordrhein-Westfalen gilt bis zum 5. Juli ein Beherbergungsverbot (Stand: 30. Juni 2020). "Damit ist es Betreiberinnen und Betreibern von Beherbergungsstätten wie Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen in Niedersachsen (...) nicht mehr erlaubt, Personen unterzubringen, die ihren ersten Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt im Kreis Gütersloh oder im Kreis Warendorf haben", schreibt das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Wer aus betroffenen Kreisen komme und dennoch einen Urlaub in Niedersachsen antreten wolle, könne ein ärztliches Zeugnis vorlegen, das einen negativen Test auf Covid-19 bescheinigt. Für diese Personen gelte das Beherbergungsverbot nicht. Übernachtungen in privaten Unterkünften oder im eigenen Ferienhaus sind erlaubt.

Wer aus Schweden oder einem anderen Land nach Niedersachsen einreist, das als Risikogebiet gezählt wird, muss sich für 14 Tage in Quarantäne begeben. Ausnahmen von dieser Regel gelten, wenn ihr euch weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten habt und keine Covid-19-Symptome zeigt oder bei eurer Einreise einen negativen molekularbiologischen Test auf SARS-CoV-2 vorlegen könnt, der nicht älter als 48 Stunden ist.

>> Einreise nach Schleswig-Holstein

Auch Schleswig-Holstein ist grundsätzlich für Touristen geöffnet. Auch Tagestourismus ist erlaubt. Das Land Schleswig-Holstein weist jedoch darauf hin, dass von den zuständigen Behörden für einzelne Orte oder Inseln regionale Betretungsverbote beziehungsweise Zugangsbeschränkungen für Strände erlassen werden können.

Wer in einem Risikogebiet wohnt oder innerhalb der vergangenen 14 Tage vor der Einreise für länger als 48 Stunden in einem Risikogebiet war, muss auch in Schleswig-Holstein einen negativen Corona-Test einreichen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Liegt ein solcher Test nicht vor, müssen sich Touristen direkt nach der Einreise für 14 Tage in Quarantäne begeben und sich beim Gesundheitsamt melden.

Welche Gebiete laut Robert-Koch-Institut als Risikogebiete gelten, erfahrt ihr laufend aktualisiert hier.

>> Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern

Urlauber aus allen deutschen Bundesländern dürfen nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen.

Bei der Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern müsst ihr allerdings mindestens eine gebuchte Übernachtung vorweisen können. Tagesreisen ohne Übernachtung sind nicht gestattet.

Von der Einreise ausgenommen sind Touristen aus Landkreisen mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 7 Tage. Urlauber aus diesen Gebieten benötigen ein ärztliches Attest, das in den letzten 48 Stunden ausgestellt wurde.

Welche Gebiete vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft werden, erfahrt ihr laufend aktualisiert hier.

>> Einreise nach Hamburg

Hamburg hat derzeit noch keine festen Regelungen, die die Einreise betreffen. Eventuelle Regeln werden aktuell geprüft (Stand: 30. Juni 2020, 9 Uhr).

Mein Urlaub wird abgesagt - kriege ich mein Geld zurück?

Sagt ein Reiseveranstalter, ein Hotel oder ein Vermieter eure geplante Reise ab, habt ihr laut Verbraucherzentrale Niedersachsen das Recht, euer Geld zurückzubekommen.

Ich darf nicht anreisen. Soll ich meinen Urlaub stornieren?

Egal, ob ihr selbst aus einem Risikogebiet stammt und deshalb nicht einreisen dürft, oder ob sich die Lage in eurem Urlaubsort so verschärft, dass eine Einreise nicht erlaubt ist: Der ADAC rät, abzuwarten, dass der Hotelbetreiber oder der Vermieter eurer Ferienwohnung die Übernachtungen von sich aus storniert. Seid ihr noch nicht angereist, darf er laut ADAC keine Stornierungskosten verlangen und muss eine eventuell geleistete Anzahlung zurückzahlen.

Wollt ihr nach Niedersachsen einreisen und seid von dem Beherbergungsverbot betroffen, sieht das Land Niedersachsen ebenfalls die Betreiber eurer Unterkunft in der Pflicht, den Urlaub zu stornieren.

Mein Urlaub findet erst in einigen Wochen oder Monaten statt. Sollte ich jetzt stornieren?

Das ist eine Abwägungssache und abhängig davon, ob ihr den Urlaub antreten möchtet oder nicht. Außerdem solltet ihr euch die Stornierungsbedingungen ansehen.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät: Möchtet ihr die Reise antreten, storniert nicht vorschnell und wartet ab, ob eure Reise möglich ist. Wollt ihr auf keinen Fall verreisen, raten die Experten, die Reise so schnell wie möglich zu stornieren. Denn: Je früher ihr absagt, desto weniger Stornokosten müsst ihr in der Regel zahlen.

Allerdings gibt es laut dem Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) noch ein weiteres Szenario, wenn ihr die Reise nicht antreten möchtet: Der Urlaub wird vom Reiseanbieter storniert. In diesem Fall habt ihr das Recht, euer Geld zurückzubekommen.

Ob ihr jetzt storniert und Stornokosten zahlt oder ob ihr darauf spekuliert, dass der Reiseanbieter euren Urlaub absagt und ihr das Geld vollständig zurückbekommt, müsst ihr selbst abwägen.

Ich darf anreisen, das Angebot vor Ort ist allerdings eingeschränkt. Kann ich den Urlaub kostenfrei stornieren?

Generell rät der ADAC dazu, sich vorab zu informieren, ob bestimmte Angebote nur eingeschränkt nutzbar sind. Ob die Corona-Auflagen den Urlaub derart beeinträchtigen, dass der Preis gemindert werden oder der Urlaub kostenfrei storniert werden kann, hänge vom Einzelfall ab.

Ich darf anreisen, fühle mich jedoch nicht wohl damit. Kann ich den Urlaub kostenfrei stornieren?

Laut dem Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) ist die reine Angst vor einer Erkrankung kein ausreichender Grund, um eine Reise kostenfrei abzusagen.

Auch der ADAC erklärt, eine kostenlose Stornierung sei nur möglich, wenn zum Beispiel das Hotel in einer Region stehe, in der ein Einreiseverbot verhängt wurde.

Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt Betroffenen, in einem solchen Fall in die Verträge zu schauen und den Kontakt zum jeweiligen Anbieter zu suchen:

Möglicherweise haben die Anbieter Verständnis für die individuelle Situation der Gäste. Verbraucher dürfen jedoch nicht vergessen, dass der Vertrag ein Vertrag ist. Der Vertragspartner stellt die Unterkunft oder die Leistungen, die vereinbart wurden, zur Verfügung. Verbraucher müssen ihrerseits den Vertrag erfüllen, anreisen und bezahlen.

Bestenfalls einige man sich auf einen Gutschein, den man zeitnah einlöst, so die Expertin.

Ich werde meinem Urlaubsort während des Urlaubs verwiesen. Kriege ich Geld zurück?

Laut EVZ ist dies abhängig von dem Vertrag zwischen Mieter und Vermieter.

Bei Pauschalreisen raten die Verbraucherexperten dazu, sich mit dem Veranstalter zu einigen, hält es aber für angemessen, einen Teil des Reisepreises zurückzufordern. Die Höhe der Entschädigung hänge auch von der Anzahl der Tage ab, um die die Reise verkürzt wird.

Auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät im N-JOY Interview, bei Pauschalreisen Reisemängel geltend zu machen. Wer eine Ferienwohnung gemietet habe, habe durch die reduzierte Zeit vor Ort ebenfalls Minderungsansprüche. Wichtig sei, die Art der Reise und der Unterkunft zu betrachten und in den Vertrag zu schauen. Außerdem erklärt Kathrin Körber: "Es ist ganz wichtig, den Kontakt zum Anbieter zu suchen".

Wird der Tourismus durch Landesgesetze eingeschränkt, muss der Vermieter nach Auffassung des ADAC von sich aus stornieren. Dies gelte auch für den Fall, dass Touristen aus einem Landkreis nicht (mehr) beherbergt werden dürfen. Das Hotel könne den Zimmerpreis nur für die schon verbrachten Nächte verlangen.

Ich möchte jetzt einen Deutschland-Urlaub buchen. Was sollte ich beachten?

Auf jeden Fall solltet ihr die aktuellen Einreisebedingungen beachten und verfolgen. Bedenkt, dass diese sich kurzfristig noch ändern können.

Der ADAC rät, sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vorab anzuschauen und sich über die Stornierungsbedingungen zu informieren.

Eventuell könnt ihr mit Anbietern von Hotels oder Ferienwohnungen für den Fall der Fälle auch individuelle Regelungen aushandeln. Wichtig ist, dass ihr euch diese Vereinbarungen schriftlich geben lasst.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 30.06.2020 | 12:00 Uhr

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