Stand: 27.08.2020 13:33 Uhr

Gesichtscremes: Teuer muss nicht besser sein!

Stiftung Warentest hat Gesichtscremes, die mit natürlichen Inhaltsstoffen werben, getestet und verglichen. Zwei teure Cremes sind durchgefallen, während die beiden günstigsten Cremes den dritten und vierten Platz belegen. Aber Achtung: Nicht alle Cremes, die grün aussehen, sind auch Natur pur!

Die Kosmetikbranche boomt. Das macht sich besonders im Bereich Naturkosmetik bemerkbar: Während konventionelle Konkurrenten deutlich langsamer wachsen, liegen Pflegemittel, die auf natürlichen Pflanzen, Ölen und Fetten statt auf Mikroplastik, Silikonen und Paraffinen basieren, voll im Trend.

Das wissen auch die Hersteller und werben auf Cremes und anderen Kosmetikprodukte gerne mit pflanzlichen Inhaltsstoffen. Aber wie viel Natur steckt wirklich in den Produkten - und wie gut pflegen die unterschiedliche Gesichtscremes?

Stiftung Warentest: 14 Gesichtscremes im Test

Stiftung Warentest wollte es wissen und hat 14 Cremes für normale Haut - darunter sowohl zertifizierte Naturkosmetik als auch naturnahe Cremes - getestet und miteinander verglichen. Getestet wurden sowohl die Anwendung und das Hautgefühl als auch die Inhaltsstoffe und die Keimbelastung. Außerdem haben die Experten die Deklaration der Inhaltsstoffe, die Einhaltung der Werbeversprechen und die Nutzerfreundlichkeit der Verpackung unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller Produkte schneidet "Gut" ab. Zwei Produkte fallen jedoch durch.

Während die Anwendung und das Hautgefühl aller Cremes mit "Gut" ausgezeichnet wurde und auch die Feuchtigkeitsanreicherung bei allen Produkten gut bis befriedigend abgeschnitten hat, ist das Ergebnis in Sachen Deklaration und Werbeaussagen durchwachsen. Lediglich der Testsieger von "Nivea", "Alverde" von dm und die "Weleda"-Gesichtscreme schneiden in diesem Bereich "Gut" ab.

Gesichtscremes im Test: Das Gesamturteil

Besonders interessant am Gesamt-Qualitätsurteil der Stiftung Warentest: Die beiden günstigsten Produkte von dm und Rossmann liegen auf den vorderen Plätzen, während einige teure Cremes weit abgeschlagen hinten landen.

GesichtscremePreis pro 100 ml ca. (in Euro)Gesamturteil von Stiftung Warentest
Nivea Natural Balance Feuchtigkeitsspendende Tagespflege12,00Gut (1,9)
Alviana Feuchtigkeitsfluid Bio-Aloe Vera11,70Gut (2,0)
dm Alverde Aqua 24h Hyaluron Hydro Cremegel Meeresalge5,70Gut (2,0)
Rossmann Alterra Hydro Tagescreme Bio-Traube & Bio-Weisser Tee6,60Gut (2,0)
Hildegard Braukmann Professional Plus Balance Creme Fluid25,00Gut (2,1)
Sante Erfrischende Feuchtigkeitspflege mit Hydro-Effekt16,90Gut (2,1)
Lavera Basis Sensitiv Feuchtigkeitscreme16,00Gut (2,2)
Weleda Iris Erfrischende Feuchtigkeitspflege40,00Gut (2,5)
Living Nature New Zealand Nährende Tagescreme71,00Befriedigend (2,7)
Garnier SkinActive Feuchtigkeitsspendende Tagespflege10,70Befriedigend (2,8)
The Body Shop Carrot Cream32,00Befriedigend (2,8)
Douglas Kora Organics Soothing Moisturizer96,00Befriedigend (3,0)
Lush Skin Drink Gesichtscreme52,00Mangelhaft (5,0)
Provida Organics Sensitive Care Jeunesse Day Cream35,00Mangelhaft (5,0)

Das Produkt von "Lush" und die "Provida"-Gesichtscreme wurden von den Experten als "Mangelhaft" eingestuft, da sie den Konservierungsbelastungstest nicht bestanden haben - beide Cremes sind mit im Test zugeführten Keimen nicht fertig geworden.

Naturkosmetik: Gut für die Umwelt - aber auch für die Haut?

Unumstritten ist, dass Naturkosmetik, die ohne Kunststoffe oder andere erdölbasierte Inhaltsstoffe auskommt, aus Umweltschutzgründen eine gute Sache ist. Doch die Ergebnisse von Stiftung Warentest zeigen: Für unsere Haut können sowohl Naturprodukte ohne chemische Zusatzstoffe als auch konventionelle Cremes Vor- und Nachteile haben.

Was also hat unsere Haut davon, wenn wir uns - wie es immer öfter heißt - "weniger Chemie auf die Haut schmieren"? Dr. Johannes Müller-Steinmann, Facharzt für Dermatologie, Allergologie und Naturheilverfahren aus Kiel, vertritt im N-JOY Interview eine klare Position:

Ich bin der Meinung, dass Naturkosmetik in puncto Sicherheit und Risiko keine Vorteile gegenüber konventionellen Kosmetikprodukten hat.

Hautcremes: "Sehr selten ernsthaft schädliche Stoffe"

So stellt der Hautarzt in Frage, dass es sinnvoll ist, per sé auf Konservierungsstoffe zu verzichten. "Wenn eine Creme nicht konserviert ist, verdirbt sie schneller - sie wird schneller ranzig oder von Bakterien besiedelt, was mindestens der Qualität, wenn nicht sogar der Gesundheit Abbruch tut", erklärt er im N-JOY Interview.

Wer allergisch auf ein bestimmtes Konservierungsmittel reagiere, könne anhand der Zutatenliste erkennen, dass er ein Produkt lieber nicht nutzen sollte. Es gebe aber kaum Menschen, die eine Allergie gegen sämtliche Konservierungsstoffe hätten.

Andere Experten sehen das kritischer: Konservierungsstoffe wie Parabene sind umstritten, obwohl - oder gerade weil - ihre Folgen bisher nicht abschließend erforscht werden konnten. Fakt ist allerdings: Unverträglichkeitsreaktionen können auch bei natürlichen Kosmetika auftreten. Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund treten Allergien auf Arnika, Kamille und den Duftstoff Perubalsam besonders häufig auf.

Ob Naturkosmetik oder konventionelle Kosmetik: Müller-Steinmann erklärt, Pflegeprodukte seien in Deutschland gut überwacht: "In den Cremes, die heute angeboten werden, sind sehr, sehr selten ernsthaft schädliche Stoffe. Wenn es einen Skandal gibt, kann die Firma zumachen."

Tipp vom Hautarzt: Nutzt das richtige Produkt für euren Hauttyp

Auf bestimmte Inhaltsstoffe würde Müller-Steinmann dennoch verzichten - zum Beispiel auf Paraffine und Palmöl.

Paraffinöl ist ein Erdöl-Produkt, das nicht abgebaut wird und die Haut abdichtet. Das kann in seltenen Fällen sinnvoll sein, damit die Haut nicht so viel Wasser verliert - wenn man extrem trockene Haut oder Neurodermitis hat. Palmöl tut der Haut nichts, aber es wird unter sehr umweltunfreundlichen Bedingungen gewonnen.

Es gebe aber auch konventionelle Produkte ohne diese Zutaten. Am Ende gehe es darum, so der Experte, ein passendes Produkt für unseren Hauttyp zu finden. Schmiere sich jemand mit Akne zum Beispiel zu fetthaltige Cremes auf die Haut, könne er noch mehr Pickel bekommen.

Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik

Eventuell schädliche Inhaltsstoffe ausfindig zu machen und herauszufinden, wie nachhaltig die Cremes, Shampoos oder Make-Ups für unsere Umwelt tatsächlich sind, ist allerdings gar nicht so einfach - denn der Begriff "Naturkosmetik" ist nicht geschützt. Das bedeutet: Jeder Hersteller kann sich ein grünes Logo designen, Worte wie "organic" oder "natürlich" auf seine Produkte schreiben und so suggerieren, dass es sich um ein ausschließlich mit Naturprodukten hergestelltes Pflegemittel handelt.

Abhilfe schaffen mehrere Öko-Siegel, wie zum Beispiel das BDIH-, das EcoCert- und das NaTrue-Siegel, an denen wir uns orientieren können. Dabei werden je nach Siegel unterschiedliche Kriterien an die Inhaltsstoffe und die Produktionsbedingungen der zertifizierten Produkte gestellt.

Ausführliche Listen im Netz - zum Beispiel auf dem "Vegan Beauty Blog" - geben einen Überblick, welche Mittel ein offizielles Siegel tragen und ob sie tierversuchsfrei und vegan sind. Seid ihr euch unsicher, mit was für Wirkstoffen ihr es auf der Zutatenliste eines Kosmetikmittels zu tun habt, könnt ihr außerdem diese Datenbank durchsuchen.

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Auch für konventionelle Produkte gilt: Teuer muss keine Garantie für Qualität sein, das zeigt ein Gesichtscreme-Test von Öko-Test aus 2018. Die neuesten Ergebnisse der Stiftung Warentest zeigen, genauso sieht es auch für Naturkosmetik aus. Müller-Steinmann rät daher, Produkte im mittleren Preissegment zu nutzen, statt Hunderte von Euro auszugeben.

Unser Fazit: Wer bereit ist, mehr auszugeben und mit Naturkosmetik gut klarkommt, schadet weder der Umwelt noch seiner Haut. Da jede Haut und jeder Geldbeutel anders beschaffen sind, bleibt die Wahl von Hautcreme und Co. eine Abwägungssache.

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Kuhlage und Hardeland - Die N-JOY Morningshow | 27.08.2020 | 05:00 Uhr

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