Stand: 13.10.2017 16:40 Uhr

Wir checken 7 Jogging-Mythen

Beim Joggen scheiden sich die Geister: die einen sind süchtig danach - die anderen hassen es. Gleichzeitig scheinen Jogger und Nicht-Jogger auch im ständigen Clinch zu stehen. Während die Läufer ihren Lieblingssport preisen, suchen die Nicht-Läufer ständig das Haar in der Suppe: "Joggen macht Cellulite", "Joggen ist schlecht für den Rücken" sind nur einige Aussagen. Aber was davon ist wahr und was ist erfunden? Wir haben mit Prof. Dr. Klaus Mattes von der Universität Hamburg gesprochen. Am Institut für Bewegungswissenschaften setzt er sich intensiv mit diesen Fragen auseinander und räumt auf mit Mythen rund ums Thema Joggen.

 

Durch Joggen entsteht Cellulite? Falsch!

Wie dieses Gerücht entstehen konnte ist wirklich fragwürdig, denn jede Art von Bewegung strafft das Bindegewebe. Joggen und die Entstehung von Cellulite haben demnach nichts miteinander zu tun. Dass Frauen häufiger an Cellulite leiden, liegt am weiblichen Bindegewebe - das muss dehnbarer sein als bei Männern, weil sich die Haut bei Frauen in der Schwangerschaft ausdehnen muss.
Nach der Schwangerschaft ist gerade Joggen also auch eine gute Idee.

 

Laufen auf Asphalt schadet den Gelenken? Jein

Natürlich ist Asphalt unnachgiebig und diese Härte kann die Gelenke belasten - allerdings gibt es keine Studie, die zeigt, dass Joggen auf Asphalt Gelenkprobleme verursacht. Besonders empfehlenswert ist Barfußlaufen auf der Wiese. Da man aber nicht immer die Möglichkeit dazu hat, sollte man eher andere wichtige Faktoren überprüfen: das richtige Schuhwerk mit einer guten Dämpfung und die richtige Lauftechnik. Anfänger sollten tatsächlich eher weichen Boden bevorzugen und wer vorher schon Beschwerden hatte, sollte sich beim Trainieren langsam steigern.
Interessant: Nach Verletzungen wird Asphalt sogar empfohlen, weil die Gefahr umzuknicken oder auszurutschen viel kleiner ist als im Wald oder auf dem Feld.

 

Stretchen vor dem Laufen ist wichtig? Kommt drauf an.

Stretchen hat keinen Einfluss auf Laufverletzungen sondern eher auf das Wohlbefinden. Es reicht völlig, beim Laufen langsam zu starten, um warm zu werden und Verletzungen vorzubeugen. Stretchen und Dehnen ist nach dem Laufen sinnvoller als davor und wirkt dann wie eine Art Krafttraining. Egal ob davor oder danach: Wenn es zum Wohlbefinden beiträgt ist Stretchen gut.
Einzige Ausnahme: Vor Sprints, wie dem 100 Meter Lauf, ist Stretching nicht zu empfehlen. Vereinfacht gesagt, wird in einer gedehnten Sehne weniger Energie gespeichert und das ist nicht so günstig wenn man sie schnell braucht. Auch wenn man im Fernsehen häufig Sprinter sieht, die sich vor dem Lauf dehnen - keine gute Idee.

 

Die Fettverbrennung setzt beim Joggen erst ab 30 Minuten ein? Falsch!

Ab dem ersten Schritt verbrennt der Körper gleichzeitig Fett und Kohlenhydrate. Allerdings wird die Fettverbrennung ab einem bestimmten Zeitpunkt noch stärker. Wann das passiert, ist aber bei jedem unterschiedlich und hängt von der eigenen Pulsfrquenz und von den Kalorien ab, die man vorher zu sich genommen hat. Der sogeannte "anaerober Stoffwechsel" jenseits von den Kohlenhydraten muss erstmal angesprochen werden.
Der Fettstoffwechsel ist bei Anfängern noch nicht so trainiert. Wer Abnehmen will, sollte auf den Gesamtkalorienumsatz am Tag achten und trainieren. Die beste Methode ist Laufen in Kombination mit Alltagsbelastungen wie Treppensteigen und dabei Einkäufe hochtragen. Auch Krafttraining ist eine gute Methode, um Fett zu verbrennen, denn der Muskelstoffwechsel verbrennt viel Energie. Das heißt: Wer ohnehin schon viele Muskeln hat, verbrennt auch noch ständig mehr Energie. Gemein.

 

Joggen ist schlecht für den Rücken? Falsch!

Menschen, die regelmäßig joggen, haben sogar weniger Rückenschmerzen als andere. Beim Laufen benutzen wir nämlich nicht nur die Beine, sondern zwei Drittel der gesamten Körpermuskulatur und diese Bewegung tut auch dem Rücken gut.
Wer allerdings bereits Rückenbeschwerden hat, sollte sein Trainigsvorhaben vorher mit dem Arzt abklären. Die Stoßbelastung, die beim Laufen entsteht. könnte kritisch werden.

 

Sollte man an der Ampel auf der Stelle laufen, um den Lauf nicht zu unterbrechen? Jein.

Wenn man durch sehr viele Ampeln permanente Unterbrechungen im Lauf hat, ist das sicher eine gute Idee. Ansonsten spielt eine Pause von 20 Sekunden keine Rolle, wenn man im Dauerlauf ist. So schnell fällt die Herzfrequenz nämlich nicht ab. Aber auch hier gilt: das eigene Gefühl entscheidet. Wenn es gut für den Flow ist, auf der Stelle zu joggen, spricht nichts dagegen.

 

Wird Laufen ab einem gewissen Umfang ungesund? Jein.

Wer gesund ist und gezielt trainiert, kann auch Marathon laufen, ohne dass es schädlich ist. Bei Übergewicht können lange Strecken allerdings sehr belastend für Sehnen und Knie werden. Deswegen laufen Menschen mit mehr als 90kg auch eher selten Marathon. Beim Laufen sollte man sich an den Belastungsumfang allmächlich heranführen, individuell trainieren und in sich hineinhören. Wer außerdem Laufen mit anderen Sportarten wie Gymnastik kombiniert, macht vieles richtig.

 

 

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Dieses Thema im Programm:

Der Graf | 13.10.2017 | 14:20 Uhr

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