Stand: 05.12.2017 12:37 Uhr | AutorIn: Dhala Rosado

Marketing-Placebo: Was Wein mit dem Gehirn anstellt

Teuer ist nicht unbedingt besser. Keine neue Weisheit, aber Forscher haben herausgefunden, warum wir wider besseres Wissen gerne zu viel Geld ausgeben. In diesem N-JOY Brainhack erklären wir euch, mit welchem Trick Firmen euch dazu bringen, teuren Wein leckerer zu finden - obwohl er es nicht immer ist.

Mit der Vorweihnachtszeit fällt jedes Jahr auch wieder der Startschuss für die Glühweinsaison. Was gibt es besseres, als einen heißen Punsch zwischen den halb erfrorenen Händen? Egal, ob mit oder ohne Schuss ... Da interessiert es die meisten auch nicht, dass im Glühwein für gewöhnlich der billigste Rotwein überhaupt mit Unmengen an Zucker und Gewürzen gepanscht wird. Etwas anderes ist es, wenn man selbst loszieht, um Wein zu kaufen. Obwohl sich kaum einer als ausgewachsenen Alltags-Sommelier bezeichnen würde, wird für einen vermeintlich guten Wein schon mal tiefer ins Portemonnaie gegriffen.

Aber schmeckt teurer Wein eigentlich wirklich besser?

Oft leider nicht. Selbstverständlich gibt es große Qualitätsunterschiede im Weinregal und eine 100-Euro-Flasche wird keinen billigen Fusel enthalten. Aber gerade beim "Niedrigpreis-Segment" im Supermarkt mogeln Firmen ordentlich. Da kann es schnell mal passieren, dass ihr 18 Euro für einen Rotwein bezahlt, der eigentlich nicht besser schmeckt, als ein anderer für drei Euro. Das Problem: Ihr habt trotzdem das Gefühl, ein besseres Tröpfchen zu schlürfen.

Warum ist das so?

Schuld ist euer Gehirn, das euch und eure Geschmacksnerven in die Irre führt. Preisschilder beeinflussen die Wahrnehmung. Forscher der Universität Bonn haben in einer Studie 15 Männer und 15 Frauen eine Weinprobe machen lassen und dabei ihre Gehirnaktivitäten gemessen. Die Teilnehmer sollten - ohne es zu wissen - drei Mal denselben Wein für unterschiedliche Preise (drei, sechs und 18 Euro) verkosten und anschließend den Geschmack bewerten. Alle Probanden haben den Wein der teuersten Runde als leckersten identifiziert. Ihre Hirn-Scans zeigten: Je teurer Wein, desto aktiver war ihr Belohungszentrum im Gehirn. Das heißt: Nicht der Geschmack macht glücklich, sondern ihr habt einfach das Gefühl, euch mit teuren Dingen etwas Gutes zu tun.

Wie schützt ihr euch vor solchen Marketing-Placebos?

Firmen, die solche Mechanismen im Gehirn für ihren Umsatz ausnutzen, nicht auf den Leim zu gehen, ist verdammt schwer. Die Wissenschaftler versuchen aktuell, Tricks auf körperlicher Ebene zu entwickeln. Ihre Vermutung: Wie überall sonst, macht auch hier Übung den Meister. Wer erlesene Geschmacksnerven hat, kann nicht so leicht ausgetrickst werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr euch jetzt jeden Abend eine Flasche Rotwein reinstellen sollt. Ein bisschen Recherche kann auch schon helfen, um im Supermarkt den Überblick nicht zu verlieren.

Qualität bei deutschem Wein

Basis-Infos zum Weinkauf

Deutsche Weine unterliegen sehr strengen Qualitätskriterien.

  • Die Güteklassen (von okay bis sehr gut): Wein (bis 2009: Tafelwein), Landwein, Qualitätswein, Prädikatswein

Die wichtigsten Kriterien:
  • je mehr Trauben aus Deutschland, desto besser
  • je höher das Mostgewicht, desto besser (Damit ist der Reifegrad der Traube bei der Ernte gemeint. Für Landwein und Qualitätswein gibt es festgelegte Mindestmostgewichte, die den natürlichen Mindestalkoholgehalt in %-Vol Alkohol angegeben.)
  • je weniger Zucker, desto besser (Prädikatswein darf gar nicht mit Zucker angereichert werden.)

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 05.12.2017 | 16:20 Uhr

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