Stand: 18.10.2021 15:35 Uhr | AutorIn: Nele Wehmöller

Nachhaltige Fischprodukte: Darauf könnt ihr beim Kauf achten

Wer ökologisch Fisch kaufen und essen möchte, kann besonders gefährdete Arten meiden und auf Siegel achten. Außerdem bieten spezielle Fischratgeber detaillierte Informationen.

Viele Fischarten sind vom Aussterben bedroht. Aus diesem Grund haben sich die EU-Länder erst kürzlich auf neue Fischfang-Quoten für die Ostsee geeinigt. Demnach dürfen Fischer in der westlichen Ostsee vorerst keinen Dorsch und zumeist keinen Hering mehr gezielt fangen.

"Weltmeere in sehr schlechtem Zustand"

Hintergrund der neuen Regeln ist die besorgniserregende Entwicklung vieler Fischbestände in der Ostsee. Doch nicht nur den Fischen in der Ostsee geht es schlecht, wie Armin Valet, Ernährungsexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg, im N-JOY Interview betont:

Unsere Weltmeere sind in einem sehr schlechten Zustand. Über die Hälfte der kommerziell genutzten Fischbestände ist bis an die Grenze genutzt - zum Teil sind sie überfischt, zum Teil sind sie aber auch komplett erschöpft. Da müssen wir gegensteuern.

Durch ihren Fischverzehr bestimmen Verbraucherinnen und Verbraucher mit, wie sich die Situation künftig entwickelt. Im Jahr 2020 konsumierten die Deutschen laut dem Fisch-Informationszentrum pro Person im Schnitt rund 14 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte. Damit blieb der Fischkonsum in Deutschland im Vergleich zu den vorherigen Jahren auf einem hohen Wert.

Laut der Umweltorganisation WWF könnte es schon helfen, wenn die Deutschen nur einmal pro Woche Fisch essen würden. Der Fischkonsum in Deutschland wäre dadurch nur noch halb so hoch. Darüber hinaus raten Experten, beim Einkaufen von Fischprodukten auf spezielle Bio- und Umweltsiegel zu achten.

Nachhaltig einkaufen: Von welchem Fisch sollten wir lieber die Finger lassen?

Es gibt einige Fischarten, die stark gefährdet sind. An erster Stelle nennt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg die Schillerlocke, die aus den Bauchlappen des Dornhais gewonnen wird:

Der Dornhai steht auf der roten Liste für gefährdete Arten und ist deutlich überfischt. Deshalb sollte man davon wirklich die Finger lassen.

Das gleiche gelte für den Aal und zum Teil auch für den atlantischen Lachs.

Generell ist die Entscheidung, welche Arten Fisch-Fans mit gutem Gewissen kaufen können und welche lieber nicht, laut Valet allerdings sehr kompliziert. Dies liege daran, dass die Fischarten je nach Fanggebiet und Fangart in ihrer Gefährdung zum Teil unterschiedlich eingeordnet würden.

Daher bieten beispielsweise die Verbraucherzentrale oder der WWF spezielle Fischratgeber an. Diese listen genau auf, welche Fischarten unproblematisch sind und von welchen wir besser die Finger lassen sollten.

Weitere Informationen

Was bedeutet FAO?

Wenn ihr euch über die Herkunft von Fisch informiert, könnte euch die Abkürzung “FAO” in Verbindung mit einer Zahl begegnen.

Die Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) hat die Weltmeere in 19 Fanggebiete aufgeteilt, die einen spezifischen Namen und eine Nummerierung haben und auf den Fischereiprodukten angegeben werden müssen.
Es wird dabei zwischen Haupt- und Subfanggebieten unterschieden: FAO 27 steht zum Beispiel für das Hauptfanggebiet Nordostatlantik. Die Nordsee ist Bestandteil dieses Hauptfanggebiets und trägt somit die Bezeichnung 27.4.

Diese Unterteilung ist laut Verbraucherzentrale sinnvoll, da nicht immer der Bestand eines ganzen Hauptfanggebiets bedroht ist, sondern manchmal nur Populationen in einem kleineren Teilgebiet. Die Bezeichnungen finden sich daher auch in den Fischratgebern wieder.

Welchen Fisch können wir mit gutem Gewissen essen?

Auch wenn viele Fische als bedenklich eingestuft werden, gibt es auch noch Arten, die wir mit besserem Gewissen kaufen können. Während der WWF Karpfen, Wels und Austern empfiehlt, nennt Valet zudem generell Süßwasserfische und Forellen - vorausgesetzt, sie kommen aus ökologischer Haltung und Aquakultur.

"Das ist so mit das Beste, was man den Verbrauchern an Fisch bieten kann", so der Ernährungsexperte. Aus Bio-Aquakultur könne zudem auch mal ein Lachs dabei sein. Trotzdem gibt Valet in diesem Zusammenhang zu bedenken:

Auch Fisch aus Aquakultur ist nicht ohne Belastung gezüchtet, weil Raubfische wie der Lachs später zum Teil Fisch als Nahrung benötigen. Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg

Diese Futtermittel-Fische stammen dann wiederum aus dem Meer, sodass durch die Futtermittel eine zusätzliche Belastung entsteht.

Bei Wildfischen wird es schon schwieriger: Um nachhaltig Fisch zu kaufen, sollten wir hier nicht nur auf die Herkunft achten, sondern auch darauf, dass das "MSC"-Siegel auf der Verpackung zu finden ist. Valet nennt hier zum Beispiel Salzwasserfische, Heilbutt, Zander und Hering - wenn letzterer nicht gerade aus der Ostsee kommt.

ASC, MSC, Bioland, Naturland: Welche Siegel können beim Kauf helfen?

Es gibt zahlreiche Umweltsiegel auf Fischprodukten. Nicht allen sollte man jedoch blind vertrauen. Dem WWF zufolge lassen die Siegel "Bio", "Naturland", "ASC" und "MSC" auf legale, rückverfolgbare und verantwortungsbewusste Fischprodukte schließen.

Laut Armin Valet von der Verbraucherzentrale sollten wir beim Fischeinkauf zumindest das "MSC"-Siegel berücksichtigen. Obwohl das Siegel der weltweit bedeutendste Standard für ökologisch nachhaltigere Fischereien ist, seien jedoch nicht alle "MSC"-zertifizierten Fischereien uneingeschränkt empfehlenswert. Genauso wie der WWF äußert auch die Verbraucherzentrale teilweise Kritik am "MSC"-Siegel:

Wir kritisieren zum Teil manche von diesen Standards, weil sie viel zu lasch und viel zu Fischindustrie-freundlich sind. Es ist aber besser als gar kein Zeichen oder Siegel. Deswegen ist das ein erster Anhaltspunkt, an dem sich die Verbraucher orientieren können. Armin Valet, Ernährungsexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg

Empfehlenswert sind Valet zufolge hingegen Fische aus ökologischer Aquakultur. Darauf sei das "Bio"-Zeichen oder das Siegel von "Naturland" abgebildet. Zertifizierte "Naturland"-Wildfisch-Produkte sind laut dem Fischratgeber der Verbraucherzentrale grundsätzlich positiv einzuschätzen, da sie nach bestimmten Richtlinien für ökologische Produkte verarbeitet werden.

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | N-JOY mit Susan Hammann | 18.10.2021 | 09:20 Uhr

N-JOY
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