Stand: 03.12.2020 16:35 Uhr | AutorIn: Nele Wehmöller

Psychische Belastung durch die Pandemie: Hier gibt es Hilfe

Hand in Hand für Norddeutschland: Die Corona-Krise belastet viele junge Menschen. Sie leiden unter der sozialen Isolation oder der Situation Zuhause. Bei der "U25-Chatberatung" der Caritas bekommen sie Unterstützung.

Die Corona-Pandemie hat das Leben und die Pläne vieler Jugendlicher durcheinander gebracht. Schulen und Universitäten sind teilweise geschlossen, Sportclubs bleiben zu und Treffen mit Freunden fallen aus - während der Corona-Krise werden junge Erwachsene vor einige Herausforderungen gestellt. Nicht alle kommen damit gleich gut zurecht - viele leiden unter der sozialen Isolation oder der Situation Zuhause.

Corona-Krise: Viele junge Menschen haben Sorgen und Ängste

Die 17- bis 30-Jährigen belastet besonders stark das Alleinsein. Die Greifswalder Psychologie-Professorin Eva-Lotta Brakemeier und ihr Team haben ermittelt, dass die psychischen Erkrankungen in dieser Altersgruppe stark gestiegen sind. Die fehlende Nähe mache gerade junge Menschen krank.

Die junge Generation in Phasen von Krisen und psychischer Belastung zu unterstützen - das hat sich die Caritas mit ihrem Angebot "U25-Chatberatung" zur Aufgabe gemacht. Auch in akuten Ausnahmesituationen, etwa bei Suizidgedanken, möchte das Projekt für Betroffene eine Anlaufstelle sein. Von insgesamt zehn Standorten in Deutschland aus wird das Online-Angebot ausgeführt. Zwei davon befinden sich im Norden: in Hamburg und in Lingen, im Emsland.

Die "U25-Chatberatung" ist eines von vielen Projekten der Caritas und der Diakonie, die mit der NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" unterstützt werden. Die Aktion widmet sich in diesem Jahr Menschen, die durch die Corona-Pandemie besonders in Not geraten sind.

"U25-Chatberatung": anonym und kostenlos

Bei der "U25-Chatberatung" erhalten junge Menschen anonym und kostenlos Unterstützung per Mail. Sie können ihr Anliegen und ihre Probleme in einer Nachricht schildern und erhalten innerhalb von zwei Werktagen eine Antwort von ausgebildeten Beraterinnnen und Beratern.

Eine von ihnen ist Paula Koudmani. Sie ist Studentin und berät in Hamburg ehrenamtlich Betroffene, die sich wegen psychischer Probleme bei ihr melden. Zum Beispiel weil sie nicht mehr weiter wissen und niemanden zum Reden haben.

Was wir schon feststellen, gerade bei den laufenden Begleitungen und Beratungen, ist, dass sich die Lebensumstände ganz gravierend ändern. Das heißt, junge Menschen bekommen keinen Zugang mehr zu einer Beratung oder der Eintritt in eine Therapie wird verschoben. Nina von Ohlen - Leiterin der U25-Chatberatung in Hamburg

Auch seien die Jugendlichen und jungen Erwachsenen isolierter und müssten mehr Zeit Zuhause verbringen - vielleicht in einem Lebensumfeld, in dem es ihnen gar nicht gut gehe, erklärt Nina von Ohlen, Leiterin der "U25-Chatberatung" in Hamburg. Hinzu komme der Druck, dass die Schule oder das Studium nur noch online stattfindet, die Prüfungen aber trotzdem alle erfüllt werden müssen.

Corona als Verstärker

Die Corona-Krise ist dabei für manche Jugendliche ein Verstärker von ohnehin schon bestehenden Probleme. Sie mache eine Situation erst einmal noch beschwerlicher.

Da ist es einfach total wichtig, dass wir da sind und weiter dabei bleiben und den Betroffenen Stärke geben, damit sie durch diese Zeit kommen. Nina von Ohlen - Leiterin der U25-Chatberatung in Hamburg

Von Ohlen und ihr Team beobachten auch, dass vor allem die existenzielle Situation und die Gedanken in Richtung Zukunft bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Mail-Kontakten thematisiert werden.

Ähnliches belegt auch die im November durchgeführte Studie "Junge Deutsche 2021", die das Leben von jungen Deutschen während der Corona-Krise untersucht hat. Der repräsentativen Umfrage zufolge blicken fast ein Drittel der befragten 14- bis 39-Jährigen mit Sorge auf die eigene Zukunft.

Um in diesen schwierigen Zeiten noch mehr Unterstützung anzubieten und das Thema Suizidprävention im Norden aus der Tabuzone zu holen, werden zusätzliche hauptamtliche Mitarbeiter benötigt, betont von Ohlen. Mit diesen könnten ihr zufolge noch mehr Ehrenamtliche ausgebildet werden. Denn junge engagierte Menschen, die bereit sind, sich für dieses Thema einzusetzen, gebe es.

Weitere Informationen

Hier findet ihr weitere Hilfsangebote:

Euch geht es selbst nicht gut und ihr sucht Hilfe? Neben der U25-Chatberatung der Caritas gibt es noch weitere Unterstützungsangebote im Netz:

  • Nummer gegen Kummer: anonyme und kostenlose Online-Beratung und Telefonberatung unter 116 111 (montags bis samstags 14 bis 20 Uhr).
  • Telefonseelsorge: anonyme und kostenfreie Chat- und Mailberatung und Telefonberatung unter 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222.
  • Jugendnotmail: anonyme und kostenlose Chatberatung für Jugendliche bis 19 Jahre.
  • Hoffnungswiese: anonyme und kostenlose Online-Beratung.
  • Sorgenmail: themenoffene Online-Beratung.

 

Weitere Informationen

NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland"

Die NDR Benefizaktion widmet sich Menschen, die Hilfe brauchen. Organisationen können sich jetzt als Partner für 2021 bewerben! mehr

Alle Informationen zum Spendenkonto der NDR Benefizaktion

In allen Banken, Sparkassen und online kann mit Beginn der Aktion 2021 gespendet werden. Alle Informationen zum Konto. mehr

Mehr Depressionen wegen Corona

Besonders für junge Menschen ist das Risiko gestiegen, durch Homeoffice und E-Learning psychisch zu erkranken. mehr

Schlecht drauf? Suizidgedanken? Es gibt Auswege!

Ihr seid depressiv und findet keinen Ausweg? Es gibt viele Menschen, die ein offenes Ohr für eure Probleme haben. Hier findet ihr Links und Telefonnummern. mehr

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 03.12.2020 | 15:00 Uhr

N-JOY
#

Lieblingssong? Teilen!
Achtung. Beim Klick auf das Facebook-Icon wird eine Verbindung zu Facebook hergestellt. Dabei werden bereits Daten an Facebook übertragen.
Songtitel posten: Facebook
00:00 - 05:00 Uhr  [Webcam]