Stand: 17.10.2017 11:43 Uhr | AutorIn: Dhala Rosado

Qualitätssiegel: So werdet ihr beim Einkaufen manipuliert

Einkaufen ist Manipulation! Firmen greifen zu zahllosen Tricks, um euch das Geld aus der Tasche zu ziehen. Einer davon: vermeintliche Qualitätssiegel. Aber die meisten sind nur teure Mogelpackungen. In diesem N-JOY Brainhack erklären wir euch, wie ihr Marketing-Siegel entlarvt.

Kennt ihr diese Situation: Ihr steht im Supermarkt vorm Marmeladenregal und habt keine Ahnung, welche ihr nehmen sollt? Dann fällt euch ein Glas mit Bio-Siegel auf dem Etikett auf. Obwohl diese Marmelade wesentlich mehr kostet, als die meisten anderen, greift ihr wie ferngesteuert zu? Herzlichen Glückwunsch! Damit gehört ihr offiziell zum riesigen Club der Marketing-Opfer. Erwachsene achten beim Einkaufen tendenziell auf Qualität - und genau diese vermitteln Gütesiegel auf den ersten Blick. Das Problem: Oft steckt hinter diesen Siegeln nur eine Firma, die ein bisschen Aufwand betrieben und Geld in die Hand genommen hat, um euch letztlich an der Nase herumzuführen.

Warum funktioniert der Siegel-Trick?

Einkaufen ist Manipulation und Emotion. 70 Prozent der Einkäufe werden nicht nach Einkaufszetteln, sondern nach Gefühl gemacht. Das bedeutet: Marketingexperten haben einen riesigen Spielraum, um das Gehirn ihrer potenziellen Konsumenten zu manipulieren. Das Ergebnis: Ihr gebt viel Geld für Dinge aus, die ihr eigentlich gar nicht braucht. Ein goldener Stern oder eine kleine Palme in Siegel-Optik aufs Produkt - schon wirkt es hochwertiger und die Qualität wird kaum noch hinterfragt. Der Experte vom Verbraucherschutz erklärt:

Genau das ist der Zweck dieses Siegel-Friedhofs - Verwirrung zu stiften. Tristan Jorde, Verbraucherschutz Hamburg

Bei Alltagsprodukten sei es besonders schwer, unter den zahllosen Marketing-Siegeln die wirklich hochwertigen Hinweise herauszufiltern, sagt Jorde. Bio-Lebensmittel sind da ein gutes Beispiel: Eine Studie hat herausgefunden, dass Menschen bereit sind, bis zu 40 Prozent mehr Geld für Produkte mit Bio-Siegel auszugeben. Dabei ist längst nicht überall wo Bio draufsteht auch wirklich Bio drin.

Das ist in dem Moment vorm Marmeladenregal aber völlig egal. Wenn ihr ein Bio-Siegel seht, wird automatisch das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Nur durchs Kaufen habt ihr schon das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Und für dieses Gefühl sind die meisten bereit, mehr Geld auf den Tisch zu legen.

Marketing-Siegel entlarven: Kopf einschalten

Jorde empfiehlt, den gesunden Menschenverstand einschalten. "Wer im Dezember unbedingt frische Erdbeeren essen will, dem muss klar sein, dass das eine ökologische Katastrophe ist." Ähnlich sehe es sich bei T-Shirts für fünf Euro oder Äpfeln aus Argentinien mitten in der regionalen Apfel-Saison aus. Derartige Produkte seien - trotz möglicher Siegel - selten hochwertig und fair produziert oder transportiert worden.

Marketing-Siegel entlarven: App-Tipps

Die App "Label-online"

Wer sich wirklich sicher sein will, ein Qualitätsprodukt zu kaufen, muss ein wenig Aufwand betrieben. Webseiten wie label-online.de helfen bei der Recherche. Das Portal gehört seit 2016 zum Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und hat inzwischen auch eine App für iOS und Android entwickelt, mit der ihr direkt im Supermarkt Licht in den Siegel-Dschungel bringen könnt. Der Grundgedanke: Mit der Kamera soll der Barcode des jeweiligen Produkts in der App gescannt werden, um dann spezifischere Informationen über die aufgedruckten Siegel zu erhalten - zumindest in der Theorie.

Im Test hat die App leider nicht bestanden. Bei keinem der gescannte Codes fand die App das passende Produkt. Stattdessen präsentierte die App nur lange Listen potenzieller Siegel. Die jeweiligen Informationen zu den Siegeln sind zwar sehr aufschlussreich, aber eine spontane Hilfestellung ist diese App leider nicht.

Die App "Siegelklarheit"

Diese App hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bauen lassen. Auch sie ist kostenlos für iOS und Android zu bekommen. Das Grundprinzip ist ähnlich wie bei label-online: Ihr fotografiert direkt in der App das jeweilige Siegel und ladet es hoch. Die App vergleicht das Foto dann mit einer relativ großen Datenbank und spuckt im besten Fall ein detailliertes Ergebnis aus - inklusive Unabhängigkeit der Prüfstelle, Hintergründen und Einordnung des Qualitäts-Grades. Außerdem könnt ihr die Datenbank auch selbst mit Stichworten durchforsten.

Bis auf kleiner Server-Probleme hat die App im Test sehr zuverlässig funktioniert. Einziges Problem: Der Fotoscan funktioniert bisher nur bei den gängigsten Siegeln. Bei unbekannteren Qualitätssiegeln oder auch bei vielen Marketing-Siegeln müsst ihr zusätzlich recherchieren.

Die App "NABU-Siegel-Check"

Diese App gibt es kostenlos für iOS und Android und ist vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Sie hat dieselben Grundfunktionen: eine Datenbank zum Recherchieren und die Möglichkeit mit der Kamera die Siegel im Supermarkt zu fotografieren. Dabei wurden viele Kennzeichnungen eingebaut, die sich in deutschen Supermärkten finden - insgesamt wohl 55 verschiedene, die erweitert und aktualisiert werden. Der Fokus liegt auch hier auf ökologischen Produkten.

Im Test hat diese App am besten funktioniert. Wichtig ist eine gute Handykamera. Sobald das Foto unscharf ist, hat die App Probleme bei der Siegel-Identifizierung. Ähnlich wie "Siegelklarheit" ist die Datenbank allerdings noch zu klein. Großer Pluspunkt: Die App spuckt ein ziemlich gutes Bewertungssystem mit aus. Ein grüner Daumen für ein gutes Öko-Produkt. Ein gelber Daumen für gute, aber teils eingeschränkte ökologische Empfehlung und ein roter steht für: Achtung, nicht umweltfreundlich!

 

Weitere Informationen

Liebe macht dick! Das könnt ihr dagegen tun.

29.08.2017 16:20 Uhr

Achtung, Beziehungsspeck! In diesem N-JOY Brainhack erklären wir euch, warum die meisten Menschen in einer Partnerschaft ordentlich Gewicht zulegen und was ihr dagegen tun könnt. mehr

Rabatte: Das Kokain der Schnäppchenjäger

08.08.2017 16:20 Uhr

Nein zu Schnäppchen zu sagen, ist ziemlich schwer. Selbst, wenn es eigentlich keine sind. In diesem N-JOY Brainhack verraten wir euch, warum das so ist und wie ihr euch austricksen könnt. mehr

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 17.10.2017 | 16:20 Uhr

f
N-JOY
#

Lieblingssong? Teilen!
Achtung. Beim Klick auf das Facebook-Icon wird eine Verbindung zu Facebook hergestellt. Dabei werden bereits Daten an Facebook übertragen.
Songtitel posten: Facebook
05:00 - 09:00 Uhr  [Webcam]