Stand: 12.12.2017 14:31 Uhr | AutorIn: Dhala Rosado

So vermeidet ihr Zoff an Weihnachten

Familienzoff an Weihnachten - alle Jahre wieder kracht es unterm Baum, obwohl Streiten, vor allem am Fest der Liebe, für die meisten furchtbar ist. In diesem N-JOY Brainhack verraten wir euch, warum Streit mit der Familie an Weihnachten völlig normal ist und wie ihr konstruktiv mit Konflikten umgehen könnt.

Laut einer Umfrage sagen 29 Prozent, dass sie an Weihnachten schon mal einen richtig fetten Familienstreit hatten. Die Polizei hat während der Feiertage mehr Einsätze wegen häuslicher Gewalt als im Rest des Jahres und diverse Einrichtungen bieten zusätzliche Telefon-Seelsorge an.
Aber warum fällt es gerade an Weihnachten so schwer, friedlich mit den Liebsten umzugehen? Hauptursache sind enttäuschte Erwartungen. Gerade weil an diesem Tag eigentlich nichts schiefgehen soll, passiert es trotzdem. Der Baum muss besonders schön sein, alle sollen sich über ihre Geschenke freuen, Mama will fürs Essen gelobt werden … Bei so viel Druck explodiert jede Beziehung. Hinzu kommen ungeklärte Konflikte und das Ideal vom harmonischen Heiligabend mit Musik, Lichtern und Schnee ... Man hat das Gefühl, glücklich sein zu müssen, aber das geht nun mal nicht auf Knopfdruck. All das bedeutet puren Stress fürs Gehirn und den baut es zum Beispiel über Wut ab.

Warum geraten Streits überhaupt so oft außer Kontrolle?

Streit bedeutet Liebesentzug. Wenn ihr euch zum Beispiel mit eurem Partner zofft, signalisiert ihr damit: "So wie du dich gerade verhältst, hab ich dich nicht mehr lieb." Das ist für die Streitparteien dann wie eine kurze Beziehungspause und die tut weh. Ihr verliert die Kontrolle, fühlt euch bedroht und ohnmächtig.
Das Problem: Das Gehirn hasst Angst, Unsicherheit und Schmerz. Es will am liebsten immer die Kontrolle über alles behalten. Deshalb schaltet es im Streit automatisch in den Überlebensmodus und schüttet massenhaft Stresshormone aus. Jetzt könntet ihr zwar super wegrennen, aber ihr könnt leider nicht mehr klar denken. Eine Möglichkeit, diesen Stress abzubauen und sich wieder stärker zu fühlen, ist Wut. Aus Selbstschutz werdet ihr also sauer, aber das hilft beim Streiten bekanntlich nicht weiter.

Wie streitet man richtig?

Das Wichtigste für ein friedliches Weihnachtsfest im Kreis der Liebsten: Alle Erwartungen vorher auf den Tisch packen. Dann weiß jeder, worauf er sich einstellen muss und man kann Kompromisse finden. Für Heiligabend selbst gilt: Finger Weg von Grundsatzdiskussionen - dafür habt ihr den Rest des Jahres Zeit. Und Vorsicht mit Alkohol - der löst die Zunge und steigert das Aggressionspotenzial.
Wenn es trotzdem kracht, helfen die folgenden 11 Grundsatz-Tipps fürs Streiten:

Vermeidet typische Kommunikationsfehler!

Im Streit sagt man schnell Dinge, die man später nicht mehr zurücknehmen kann. Also:

  • Vermeidet Gemeinheiten und Beleidigungen.
  • Pauschalisierungen wie "nie" und "immer" haben in einem guten Streit nichts verloren.
  • Lasst die typischen Anklagesätze weg. Erklärt das Problem lieber aus der Ich-Perspektive.
  • Kramt nicht ständig alten Themen aus der Vergangenheit aus.

Hört euch zu!

Auch wenn das im Streit schwer fällt: Es ist wichtig, dass ihr euch Mühe gebt. Andernfalls habt ihr keine Chance die Perspektive eures Gegenübers nachzuvollziehen. Zwischendurch die Argumente des anderen zusammenzufassen hilft beiden - euch für das Verständnis und eurem Gegenüber, weil er sich gehört und verstanden fühlt.

Findet das Problem!

In den seltensten Fällen geht es offene Zahnpastatube oder dreckiges Geschirr. Ihr müsst die Ursache für euren Streit finden, um ihn lösen zu können.

Regt euch ab!

Dank Überlebensmodus und Stresshormonen seid ihr schnell auf 180. Experten sagen aber: Die Hormone verpuffen genauso schnell wieder. Verlasst kurz das Zimmer oder dreht eine Runde um den Block.

Begrenzt die Zeit!

Psychologenempfehlen maximal 20 Minuten Diskussion. Danach kann euer Kopf nichts mehr aufnehmen. Wenn diese Zeit nicht zu einem Ergebnis geführt hat, legt eine Streitpause ein und knüpft zu einem späteren Zeitpunkt mit abgekühltem Kopf wieder an. Ganz wichtig dabei: Schiebt den Streit nicht zu lange auf, sonst holt euch das Thema ein.

Sorgt für ein gutes Streitklima!

Wer sich an einem Tisch gegenübersitzt, schafft automatisch Fronten. Geht lieber spazieren, schnappt frische Luft oder haltet Händchen - da kann man sich viel besser zuhören.

Nehmt euch Zeit!

Morgens beim Kaffee oder abends müde auf der Couch sind die schlechtesten Zeitpunkte zum Zoffen. Auch in der Öffentlichkeit solltet ihr Streit vermeiden - das ist peinlich und nie zielführend.

Bemüht euch um Kompromisse!

Studien haben gezeigt: Paare, die zu kämpferisch streiten, sich zu schnell zurückziehen oder zu nachgiebig miteinander sind, haben langfristig die größten Probleme mit Konflikten. Also setzt euch mit eurem Gegenüber auseinander und bemüht euch, einen Kompromiss für die Meinungsverschiedenheit zu finden.

Entschuldigt euch!

Vielen Menschen fällt es grundsätzlich schwer, sich selbst und anderen gegenüber Fehler und Schwächen einzugestehen. Ohne diese Selbstreflexion werdet ihr aber nie zu einem zufriedenstellenden Kompromiss finden.

Sucht euch ein Versöhnungsritual!

Eine lange Umarmung am Ende eines Streits kann als Versöhnungsritual schon reichen. Körperkontakt schüttet zum einen Glückshormone aus und zum anderen fällt der Schritt zur Versöhnung beim nächsten Streit schon viel leichter, wenn ihr wisst, was am Ende kommt.

Vertragt euch, bevor ihr schlafen geht!

Eine Studie hat gezeigt, dass sich negative Erinnerungen nachts ins Langzeitgedächtnis graben. Den Streit vom Vortag werdet ihr damit viel schwerer wieder los.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 12.12.2017 | 16:20 Uhr

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