Stand: 03.09.2019 16:00 Uhr | AutorIn: Kristina Akopova

Typisch deutsch?! Was eine Russin an Deutschland überrascht

Überpünktlich, trockener Humor und Bier als Hauptnahrungsmittel - so sehen viele Menschen im Ausland die Deutschen. Unsere N-JOY Praktikantin Kristina ist aber aus ganz anderen Gründen verwirrt!

Sauerkraut, Lederhosen, Schnitzel - es gibt viele Klischees, mit denen Deutsche mehr oder weniger gern in Verbindung gebracht werden. In einigen steckt ein Funken Wahrheit, andere sind reine Mythen.

Unsere N-JOY Praktikantin Kristina kommt aus Russland und hat ihre Eindrücke in ihrem Deutschland-Tagebuch festgehalten. Und es gibt so einiges, was sie am Leben in Deutschland überrascht ...

1. Händeschütteln, Händeschütteln und noch mehr Händeschütteln

In meinem ganzen Leben habe ich nicht so viele Hände geschüttelt wie in Deutschland in nur einem Monat. In Russland ist ein Handschlag eher unter Männern üblich. Bei Frauen ist es komplizierter: Ob es eine Umarmung oder einen Kuss auf die Wange gibt, kommt immer auf die Situation an. In Deutschland beginnt einfach alles mit einer ausgestreckten Hand.


2. "Kannst mich ruhig duzen!"

Alle duzen sich in Deutschland! Wenn wir uns in Russland vorstellen, siezen wir uns zuerst - sogar sehr junge Menschen untereinander. Für mich als Russin ist es unvorstellbar, als Praktikantin meinen Chef oder meine Kollegen zu duzen. Ich habe den Eindruck, dass das in Deutschland in vielen Bereichen gang und gäbe ist.


3. Die Sache mit dem Pfand

Hier in Deutschland gibt es Pfand auf Flaschen - auch wenn ich nicht immer verstehe, wie viel genau. Diese Info versteckt sich winzig klein auf den Preisschildern. Deswegen scheitere ich häufig daran, das Geld an der Kasse vorher passend abzuzählen. Doch die Idee, Flaschen wieder abzugeben, finde ich total gut. Damit schlagen Deutsche meiner Meinung nach sogar mehrere Fliegen mit einer Klappe: Leere Pfandflaschen werden nicht so schnell achtlos auf die Straße geworfen und obendrein noch recycelt.


4. Die Liebe zur Mittagspause

Deutsche gehen einfach immer Mittagessen. Mal ausfallen lassen? Fehlanzeige! In Moskau ist das anders: Dort essen die Menschen häufig bei der Arbeit zwischendurch am Schreibtisch, während sie arbeiten. In Deutschland scheint das anders zu laufen.


5. Teures Internet

Meine deutsche Prepaid-Karte mit vier Gigabyte kostet mich hier monatlich 20 Euro - ganz schön teuer, wie ich finde. Schließlich bedeutet das noch lange nicht, dass das Internet überall problemlos funktioniert. In Moskau zahle ich umgerechnet etwa acht Euro - und das für eine unbegrenzte Nutzung! Doch immerhin gibt es in der Europäischen Union keine Roaming-Gebühren. Das ist doch schon mal was!


6. Wo sind die Nagelstudios?

In großen Städten wie Moskau oder Sankt Petersburg lassen sich fast alle Frauen - ganz besonders die jüngeren - die Nägel machen. Ein Besuch im Schönheitssalon wird im Voraus geplant. Hier scheint das nicht so weit verbreitet zu sein. Ein Blick auf die Preise in deutschen Salons verrät einen möglichen Grund: Es ist einfach zu teuer! Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass hier ohnehin ein natürlicherer Look als in Russland in Mode ist.


7. Sonntag = Ruhetag

Ich bin an einem Samstag in Deutschland angekommen und dachte mir: Heute kannst du dich ausruhen, morgen gehst du einkaufen. Das war wohl nichts, denn wie ich überrascht festgestellt habe, ist hier sonntags alles geschlossen. In Moskau ist das umgekehrt: Sonntag ist der Tag, an dem eingekauft wird.


8. Das gehört da nicht rein!

Als ich vor fünf Jahren zum ersten Mal in Deutschland war, wusste ich noch nichts über die Trennung von Papier, Verpackung, Bioabfall und Co. Als mein Hausmeister damals zu mir sagte "Müll bitte trennen", war ich total verwirrt. Richtig daran gewöhnt habe ich mich noch immer nicht: Bei Alufolie muss ich zum Beispiel immer wieder überlegen, in welche Tonne sie gehört. Wenn ich zurück in Moskau bin, werde ich trotzdem versuchen, Müll zu trennen.


9. Überall Fahrräder

Ich finde die vielen Fahrräder und die Radwege hier toll. Ob zur Bäckerei, ins Kino oder zur Arbeit: In Deutschland fahren sehr viele Menschen mit dem Rad. In Russland gilt das nur als Freizeitbeschäftigung. Zur Arbeit radeln? Das ist bei uns eine Seltenheit!


10. Immer schön locker bleiben

Ich komme aus Moskau - der Stadt, die niemals schläft. Auf eine U-Bahn warten wir normalerweise weniger als zwei Minuten. Wenn es mal länger dauert, macht sich schnell Ärger breit. In Deutschland sieht das für mich alles ganz anders aus: Leute genießen ihren Coffee to go und warten geduldig, wenn mal ein Zug ausfällt. "Immer einen kühlen Kopf bewahren" - so würde ich das Leben in Deutschland beschreiben.

 

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | N-JOY mit Anne Raddatz | 02.09.2019 | 10:50 Uhr

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