Stand: 10.09.2019 15:46 Uhr | AutorIn: Chantale Rau

Warum schauen wir uns Horrorfilme an?

Die Stephen-King-Romanverfilmung "Es 2" lockt weltweit zahllose Horrorfilm-Fans in die Kinos. Doch warum gruseln wir uns eigentlich so gern?

Unheilvolle Musik, der Schatten eines Messers zeichnet sich am Duschvorhang ab, eine schreiende Frau, dann spritzt das Blut - so die berühmte Duschszene aus Alfred Hitchcocks Klassiker "Psycho", die wohl alle Horrorfilm-Liebhaber im Kopf haben. "Scream", "Saw", "Hostel" und nicht zuletzt der Horror-Clown von "Es", der uns momentan überall entgegenblickt: Zahlreiche Gruselfilme und ihre Fortsetzungen ziehen jedes Jahr Millionen Menschen in die Kinos. Doch worin besteht der Nervenkitzel? Warum gucken sich viele von uns Horrorfilme so gerne an?

Horrorfilme versetzen die Körper vieler Zuschauer in einen Zustand der Erregung - darin sind sich Forscher weitgehend einig. Der ausgeschüttete Botenstoff Dopamin sorgt im Gehirn für einen Zustand zwischen Angst und Lust. Vor allem wenn das Gehirn das Gezeigte als realistisch einordnet, werden Teile im Gehirn aktiviert, die auch in Wirklichkeit zum Beispiel mit Schmerz oder Fluchtreflexen in Verbindung stehen.

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Training für die Seele

Oftmals stehen beim Anschauen bestimmte Fragen im Fokus: Wie viel Horror ertrage ich? Wie würde ich mich an Stelle der Protagonisten verhalten? (Nein, wir würden uns auf der Flucht vor einem Killer NICHT im Keller verstecken) Der Kulturwissenschaftler Dr. Mark Schmitt von der Technischen Universität Dortmund:

Der Horror-Regisseur Wes Craven hat gesagt, dass Horrorfilme sowas wie ein Bootcamp für die Seele sind. Das heißt: Man kann in einem fiktiven Setting für 90 Minuten seine Seele sozusagen emotional trainieren für die Schrecken dieser Welt. Dr. Mark Schmitt

Bildschirm trennt Wirklichkeit vom blutigen Geschehen

Auferstandene Tote, verfluchte Häuser oder Serienkiller, die ihr Unwesen bevorzugt in US-amerikanischen Vorstädten treiben und es auffällig oft auf Teenager abgesehen haben: Wir sind emotional nah am Geschehen ohne dem Gemetzel in der Realität ausgeliefert zu sein - und trainieren uns dabei mental, falls die echte Zombie-Apokalypse mal über uns hereinbricht.

Horrorfilm am Höhepunkt - und plötzlich lacht jemand

Psychoterror, Blutvergießen und übernatürliche Grusel-Kräfte - wir schauen uns wissend das Unglück an, in das sich die Gruppe Jugendlicher begibt und dann - an der schlimmsten Stelle - lachen wir plötzlich. Unpassend?

Lachen ist eine Abwehrreaktion gegen das Schreckliche, das wir da sehen. Deswegen hört man so viele Leute im Kino oft bei den schrecklichsten Gewaltszenen lachen. Das ist eine Strategie, um das, was da gezeigt wird, emotional auf Distanz zu halten. Dr. Mark Schmitt

Bewältigungsstrategie: Lach doch mal!

Falls ihr also mit euren Freunden bei "Es 2" im Kino sitzt und schon alle Fluchtwege ausgecheckt habt - dann einfach mal lachen. Allerdings lauert dann eine andere Gefahr im Saal: von anderen mit Popcorn abgeworfen zu werden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | Der Graf | 06.09.2019 | 14:20 Uhr

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