Stand: 22.12.2020 17:08 Uhr | AutorIn: Nele Wehmöller

Bizarre Träume: Warum wir durch Corona anders träumen

Viele Menschen haben das Gefühl, während der Corona-Pandemie mehr und anders als sonst zu träumen. Das Phänomen kann verschiedene Ursachen haben, erklärt ein Schlaf-Experte.

Wir träumen mehr, lebhafter und bizarrer als früher. Erste Studien zeigen, dass sich unsere Träume durch die Corona-Pandemie verändert haben. Lukas Fraser, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter eines Schlaflabors am Universitätsklinikum in Freiburg, hat im N-JOY Interview erklärt, woran das liegt.


Corona-Träume: Verschiede Ursachen möglich

Wenn wir über Träume sprechen, sprechen wir fast nie über den Traum an sich, sondern über Traumerinnerungen. Lukas Fraser - Facharzt für Psychotherapie

Wenn Leute vermehrt von lebhaften Träumen berichten, heißt das aus medizinischer Sicht also erst mal, dass wir uns besser und mehr an unserer Träume erinnern. Und dafür gibt es laut Fraser verschiedene Theorien:

Mehr Stress: Eine Ursache könnte sein, dass Menschen aktuell gestresster sind. Durch den Stress gibt es Fraser zufolge ein natürliches Bedürfnis, Gefahrenquellen in der Umgebung wahrnehmen zu wollen. Dadurch werde der Schlaf oberflächlicher und man wache häufiger auf. "Wenn ich nachts häufiger aufwache, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich beim Aufwachen an den kurz zuvor abgelaufenen Traum erinnere höher", erklärt Fraser.

Stärkere Selbstbeobachtung: Einen anderen Grund, der möglicherweise für vermehrte Träume verantwortlich ist, sieht Fraser darin, dass es durch die permanente Konfrontation mit dem Corona-Virus eine gewisse Tendenz zur Selbstbeobachtung gibt. Man achte stärker auf mögliche Krankheitsanzeichen oder -symptome - und diese Fokussierung auf den eigenen Körper könne auch zu einer stärkeren Wahrnehmung von Träumen führen.

Veränderte Schlafgewohnheiten: Ein dritte Erklärungsmöglichkeit für steigende Traumerinnerungen können laut dem Schlaf-Experten veränderte Schlafzeiten oder -gewohnheiten aufgrund von Homeoffice oder Kurzarbeit sein. "Ein lebhafteres Träumen könnte eine direkte Folge von veränderter Schlafdauer sein", sagt Lukas Fraser.

Wenn wir zum Beispiel morgens länger schlafen können, führt das laut Fraser dazu, dass eine bestimmte Schlafphase zunimmt - nämlich der sogenannte REM-Schlaf, der verstärkt in den frühen Morgenstunden auftritt und in dem wir laut Fraser besonders bizarr und lebhaft träumen.

Verarbeitung negativer Emotionen: Im REM-Schlaf verarbeiten wir außerdem Erlebnisse - sowohl Sachinformationen, als auch Emotionen. Und da in diesem Jahr aufgrund von Corona sehr viele Emotionen negativ behaftet seien, haben wir aktuell viel zu verarbeiten, wie Fraser sagt.


Das könnt ihr bei intensiven Träumen tun

Wenn ihr merkt, dass ihr aktuell sehr intensiv und bizarr träumt, empfiehlt Fraser, vor dem Schlafen gezielt zu entspannen.

Das heißt beispielsweise: Lest nicht die neusten Corona-Zahlen auf dem Smartphone, sondern plant stattdessen eine gute Übergangsphase mit Abendritualen, mit ruhigen Tätigkeiten. Lukas Fraser - Leiter eines Schlaflabors

Auch mit klassischen Entspannungsverfahren wie Muskelkontraktion oder autogenem Training könnt ihr laut Fraser gezielt das Anspannungsniveau vor dem Schlafen senken, damit ihr dann, wenn ihr schlaft, gar nicht so viel Stress im Traum verarbeiten müsst.


So vermeidet ihr Albträume

Habt ihr nicht nur sehr intensive und wirre Träume, sondern bereits mit Alb- oder Angstträumen zu kämpfen, ist laut Fraser in den meisten Fällen eines der Kernprobleme der Kontrollverlust.

Man sei einer Situation, die als bedrohlich oder lähmend erlebt wird, hilflos ausgesetzt und könne diese nicht verändern. Dagegen gebe es aber ebenfalls sehr gute Strategien, die darauf abzielen, die Kontrolle im Traum wieder zu erlangen, erklärt der Schlaf-Experte.

Eine Möglichkeit sei zum Beispiel, regelmäßig Tagebuch über seine Träume zu führen und hier das Traumerleben ganz genau festzuhalten. Die Idee dahinter sei, dass man dann während des Traums gewisse Trauminhalte wiedererkennt.

Träume erkennen und bewusst beeinflussen

"Im zweiten Schritt würde man dann beispielsweise bei wiederkommenden Träumen neue Enden erfinden", erläutert der Leiter des Schlaflabors am Universitätsklinikum in Freiburg. Dabei gehe es zum Beispiel darum, wie ihr eine Gefahr besiegen oder sie auf ungefährliche Größe schrumpfen könnt.

Das solltet ihr dann genau schriftlich festhalten und euch vor dem zu Bett gehen noch einmal durchlesen, betont Fraser. "Dann gelingt es oft, sich im Traum daran zu erinnern, dass man diese Art von Albträumen kennt, sie als Traum identifiziert und entsprechend modifizieren kann."

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 17.12.2020 | 12:00 Uhr

N-JOY
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